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XJustinSaneX
24.09.2003, 21:03
Verfassungsgericht hebt Kopftuch-Verbot auf

Verbot in Schulen braucht
gesetzliche Grundlage

Das Grundgesetz verbietet muslimischen Lehrerinnen nicht von vornherein das Tragen von Kopftüchern im Unterricht an öffentlichen Schulen. Das Verfassungsgericht ließ in seiner am Mittwoch verkündeten Entscheidung aber ausdrücklich die Möglichkeit zu, ein solches Verbot gesetzlich festzulegen.


24.09.2003

Die dem Staat gebotene religiös-weltanschauliche Neutralität sei nicht als strikte Trennung von Kirche und Staat zu verstehen, urteilte das oberste deutsche Gericht. Es folgte damit der Klage der Lehrerin Fereshta Ludin. Baden-Württemberg hatte sie nicht in den Schuldienst übernommen, weil sie nur mit einem Kopftuch unterrichten will.

Zurück an den Gesetzgeber
Das Urteil gibt die Entscheidung über das Kopftuch an den Gesetzgeber zurück. Vor dem Hintergrund der Zunahme verschiedener Religionsrichtungen in Deutschland kann er das Ausmaß religiöser Bezüge in der Schule neu bestimmen. Dem Urteil zufolge kann der Gesetzgeber religiöse Kleidung für Lehrer untersagen, muss es aber nicht. Aus der gegenwärtigen Gesetzeslage lasse sich ein Verbot des Kopftuchs und die Einschränkung der Religionsfreiheit hingegen nicht begründen, so die Richtermehrheit.

Chronik
Seit über sechs Jahren dauert der Kopftuchstreit an

Da ein entsprechendes Verbot in Baden-Württemberg fehlt, gaben die Richter des zweiten Senats der Verfassungsbeschwerde der aus Afghanistan stammenden deutschen Lehrerin Ludin statt. Sie hatte geklagt, weil das Oberschulamt in Stuttgart sie nicht in den Schuldienst von Baden-Württemberg übernehmen wollte. Das Verfahren wurde an das Bundesverwaltungsgericht zurückverwiesen.

Fünf gegen drei Stimmen
BVG-Vizepräsident Winfried Hassemer sagte, da das Verfassungsgericht die Urteile der Verwaltungsgerichte aufhebe, könnte es so aussehen, als habe die Beschwerdeführerin in der Sache obsiegt, "als sei das Bundesverfassungsgericht der Meinung, dass das Tragen eines Kopftuchs für eine Lehrerin im Schuldienst der Verfassung entspricht. Das ist nicht so. Es sieht nur so aus."

Verfassungsgericht habe die Entscheidungen mit fünf gegen drei Richterstimmen deshalb aufgehoben, "weil wir der Meinung sind, dass nicht Behörden und Gerichte über die Frage eines Kopftuchs einer Lehrerin zu entscheiden haben, sondern der demokratisch legitimierte Gesetzgeber". Die sei eine Frage, die Staat und Gesellschaft und die Menschen von Grund auf beschäftige und noch beschäftigen werde. "Wir sind der Meinung, dass wir noch nicht genug wissen über die faktische Dimension des Problems." Daher sei dies eine Frage, die der Gesetzgeber entscheiden müsse.

Konfliktstoff Religionen an Schulen
Das staatliche Neutralitätsgebot sei als offene Förderung der unterschiedlichen Bekenntnisse zu verstehen, urteilte das Verfassungsgericht. Daher müssten öffentliche Schulen nicht nur für die christliche, sondern auch für andere Religionen offen sein. Dies beinhalte zwar Konfliktstoff, fördere aber auch gegenseitige Toleranz und Integration. Das Kopftuch werde in der Öffentlichkeit unterschiedlich wahrgenommen, könne Studien zufolge aber nicht von vornherein auf das Symbol für Frauenunterdrückung im Islam verkürzt werden.

Eine mögliche Beeinflussung der Kinder beurteilten die Richter als abstrakte Gefahr, die ein vorbeugendes Verbot ohne Gesetz nicht rechtfertige. Generell bestehe Handlungsbedarf bei der Regelung religiöser Belange an Schulen. Der mit zunehmender religiöser Vielfalt verbundene Wandel der Gesellschaft könne für die Länder Anlass zur Schaffung von Gesetzen sein, hieß es. Diese müssten die Interessen von Lehrern, Schüler und Eltern sowie die religiösen Gegebenheiten des jeweiligen Landes und seiner Bewohner umfassend berücksichtigen. Die Landesgesetze könnten daher unterschiedlich ausfallen. Dabei ist den Richtern zufolge auch möglich, ein vorbeugendes Verbot für das Kopftuch an öffentlichen Schulen zu schaffen.

Quelle: http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/artikel/5/0,1367,MAG-0-2068741,00.html

Vielleicht bin ich ja auch einfach ignorant oder naiv aber warum zur Hölle soll eine Muslimin kein Kopftuch tragen dürfen während christliche Religionssymbolik (z.B. Kreuz an Halskette) erlaubt ist? Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Länder ein Gesetz verabschieden, das eindeutig auf Intoleranz schließen lässt. X(

Thaleryan
25.09.2003, 00:30
Original von XJustinSaneX
Vielleicht bin ich ja auch einfach ignorant oder naiv aber warum zur Hölle soll eine Muslimin kein Kopftuch tragen dürfen während christliche Religionssymbolik (z.B. Kreuz an Halskette) erlaubt ist? Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Länder ein Gesetz verabschieden, das eindeutig auf Intoleranz schließen lässt. X(

Da machst Du Dir's ein wenig zu einfach...

Wie man ja schon in den Kruzifix-Prozessen immer wieder hören konnte, ist Deutschland nun einmal ein christlich geprägtes Land, mit christlich geprägter Kultur und Gesellschaft.
Religionsfreiheit gehört zu unseren Grundrechten und Grundprinzipien - das kam im o.g. Urteil ja auch zur Geltung.
Allerdings stellt sich eben die Frage, ob es für die lieben Kinderlein, die aller Wahrscheinlichkeit nach angehende Christen darstellen, eher förderlich oder verstörend ist, wenn sie auf eine "fremdartige" Religionsform treffen - ohne überhaupt ausreichend über das Christentum zu wissen.
Die christliche Tradition wird als in unserer Kultur schützenswert erachtet - wie meistens entsprechende religiöse Traditionen in den Ländern (okay, im Sozialismus / Kommunismus sieht es da ein wenig anders aus...).
Und andere Kulturen gehen da im Vergleich weitaus weniger zimperlich mit Andersgläubigen um, als die unsere...
Aus diesem Schutzinstinkt heraus, reagieren Behörden und Gerichte sicherlich nicht ganz unbegründet (wenn man versucht, diese Darlegung nachzuvollziehen) skeptisch und ablehnend gerade gegen anders gläubige Lehrkräfte, die dies offen bekunden.

Damit keine Missverständisse auftreten: Mir persönlich ist das vollkommen egal, welchen Glauben jemand hat oder was er auf dem Kopf trägt.
Aber mit leicht blinder und tatsächlich naiv wirkender Pauschal-Toleranz kommt man nicht weit, wenn man diese Thematik begreifen möchte...

Die Frage ist ziemlich heikel und ich bin ehrlich gesagt froh, in so einer Sache kein Urteil (weder rechtlich, noch moralisch) treffen zu müssen.

Ysabella
25.09.2003, 05:53
Auch in Frankreich schwelt der Kopftuch-Streit
Ausdruck der Religionsfreiheit oder politisches Statement? Auch in Frankreich schwelt der Streit um das Tragen von Kopftüchern in staatlichen Einrichtungen. Liberaler sind die Briten.
[sda/afp/mga] - Von Kim Rahir

Nach jahrzehntelangen Debatten soll nun eine Kommission über die Notwendigkeit eines Gesetzes befinden. Eine Entscheidung des Staatrates (Frankreichs obersten Verwaltungsgerichtes) von 1989 hat sich als so vage erwiesen, dass die Frage in jeder Schule individuell gehandhabt wird.

Seit Mittwoch sind zwei Mädchen wegen Tragens von Kopftüchern für zehn Tage vom Unterricht suspendiert. In Grossbritannien dagegen sind Kopftücher auch bei Angestellten des Öffentlichen Dienstes völlig akzeptiert.

Die Franzosen tun sich mit dem Kopftuch so schwer, weil die strikte Trennung von Staat und Kirche eine der Grundfesten ihrer Republik ist. So gibt es an staatlichen Schulen keinen Religionsunterricht.

Parteien streiten

Ob das Kopftuch als Zeichen des islamischen Glaubens in der Schule verboten werden sollte, ist selbst innerhalb der grossen Parteien heftig umstritten. So mochte sich auch der Staatsrat 1989 nicht festlegen, als er entschied, religiöse Symbole seien nur abzulehnen, «wenn sie auffällig und fordernd» seien.

Entschieden wird also von Fall zu Fall: Im Juni bestätigte ein Verwaltungsgericht die Suspendierung einer Beamtin in Lyon, die mit Kopftuch zur Arbeit erschienen war. Da dies den Streit neu anheizte, setzte Staatspräsident Jacques Chirac eine Kommission ein, die bis Jahresende über die «Laizität» beraten soll.

«Klare Richtlinien nötig»

Die zentrale Frage ist, ob eigens ein Gesetz vonnöten ist. «Wenn es keine Einigung über das Kopftuch gibt, muss ein Gesetz verabschiedet werden», sagt der rechtsliberale Premierminister Jean Raffarin. «Die Schule der Republik ist kein Ort, um seine Religion zur Schau zu stellen.»

Dies befand auch das Kollegium des Gymnasiums in Aubervilliers im Norden von Paris: Nach zweiwöchigen Beratungen entschied die Schulleitung, zwei Schülerinnen vorübergehend auszuschliessen, da sie sich weigerten, ihre Kopftücher abzunehmen.

«Wir brauchen endlich eine klare Richtlinie», verlangte eine Lehrerin. «Wie sollen wir denn entscheiden, was 'auffällig und fordernd' ist?»

Briten toleranter

Ganz anders gehen die Briten mit der Frage um. Im Vereinigten Königreich können Moslems die Erfordernisse ihrer Religion unbenommen erfüllen. «Grossbritannien ist toleranter als jedes andere europäische Land», sagt Shiban Akbar, Sozialexpertin vom britischen Moslemischen Rat.

Moslemische Polizeibeamtinnen können ein Kopftuch als Teil ihrer Uniform bekommen, Busfahrerinnen dürfen bei der Arbeit Tücher tragen. Auch in Kantinen staatlicher Einrichtungen gebe es Essen, das «Halal» - also den islamischen Regeln entsprechend - zubereitet sei.

Allerdings habe es nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Spannungen gegeben, sagt Akbar. «Moslemische Frauen wurden angespuckt, manchen wurden auch die Tücher vom Kopf gerissen.»

Quelle: BluWin

XJustinSaneX
25.09.2003, 09:36
Original von Thaleryan

Original von XJustinSaneX
Vielleicht bin ich ja auch einfach ignorant oder naiv aber warum zur Hölle soll eine Muslimin kein Kopftuch tragen dürfen während christliche Religionssymbolik (z.B. Kreuz an Halskette) erlaubt ist? Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Länder ein Gesetz verabschieden, das eindeutig auf Intoleranz schließen lässt. X(

Da machst Du Dir's ein wenig zu einfach...

Wie man ja schon in den Kruzifix-Prozessen immer wieder hören konnte, ist Deutschland nun einmal ein christlich geprägtes Land, mit christlich geprägter Kultur und Gesellschaft.
Religionsfreiheit gehört zu unseren Grundrechten und Grundprinzipien - das kam im o.g. Urteil ja auch zur Geltung.
Allerdings stellt sich eben die Frage, ob es für die lieben Kinderlein, die aller Wahrscheinlichkeit nach angehende Christen darstellen, eher förderlich oder verstörend ist, wenn sie auf eine "fremdartige" Religionsform treffen - ohne überhaupt ausreichend über das Christentum zu wissen.
Die christliche Tradition wird als in unserer Kultur schützenswert erachtet - wie meistens entsprechende religiöse Traditionen in den Ländern (okay, im Sozialismus / Kommunismus sieht es da ein wenig anders aus...).
Und andere Kulturen gehen da im Vergleich weitaus weniger zimperlich mit Andersgläubigen um, als die unsere...
Aus diesem Schutzinstinkt heraus, reagieren Behörden und Gerichte sicherlich nicht ganz unbegründet (wenn man versucht, diese Darlegung nachzuvollziehen) skeptisch und ablehnend gerade gegen anders gläubige Lehrkräfte, die dies offen bekunden.

Damit keine Missverständisse auftreten: Mir persönlich ist das vollkommen egal, welchen Glauben jemand hat oder was er auf dem Kopf trägt.
Aber mit leicht blinder und tatsächlich naiv wirkender Pauschal-Toleranz kommt man nicht weit, wenn man diese Thematik begreifen möchte...

Die Frage ist ziemlich heikel und ich bin ehrlich gesagt froh, in so einer Sache kein Urteil (weder rechtlich, noch moralisch) treffen zu müssen.

Ich kenne den von dir geführten Gedankengang schon. Aber was mich stört ist, dass das Christentum eine derart zentrale Stellung in der ganzen Beobachtung einnimmt. Wer hat denn das Recht zu sagen, dass "seine" Religion die richtige ist und man unsere armen Kinder davor schützen muss, Teil einer anderen, fremdartigen Religion zu werden?

Wieso muss der christliche Glaube "geschützt" werden? Ist das Christentum die einzig wahre Religion und jegliche andere Form von Glauben muss unterdrückt werden?

Für mich ein viel wichtigeres Bildungsziel ist es, Toleranz zu erlernen, mit anderen Nationalitäten und Religionen vorbehaltslos umzugehen und nicht eine derart banale Sache, wie die Frage an welchen Gott man glaubt, zu dem Bildungsziel überhaupt zu machen.
"In allen Schulgesetzen sind Bildungs- und Erziehungsziele formuliert: Da ist, etwa in Niedersachsen, davon die Rede, dass die Schüler befähigt werden sollen, den Gedanken der Völkerverständigung zu erfassen und mit Menschen anderer Nationen und Kulturkreise zusammenzuleben. Da ist davon die Rede, dass im Unterricht die Freiheit zum Bekennen religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen zu achten und auf die Empfindungen anders Denkender Rücksicht zu nehmen ist."
(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/584/18566/)

Ich könnte ja nachvollziehen, wenn unsere armen angehenden Christenkinder durch die böse böse Kopftuchträgerin eingeschüchtert werden würde, da diese den Kindern erzählt wie gut doch der muslimische Glaube ist und wie schlecht der christliche. Sie würde muslimische Traditionen im alltäglichen Unterricht mit ihren Schülern einführen, ohne dass diese jemals darum gebeten haben oder das überhaupt wünschen. Um's kurz zu machen: solange eine Lehrerin nicht missionarisch oder provozierend bezüglich ihres Glaubens auftritt sehe ich überhaupt nicht das geringste Problem.

Das Kopftuch ist des Teil des muslimischen Glaubens. Und wenn es einer muslimischer Frau nun möglich ist, mit dem Symbol für die Unterdrückung der Frau einen Beruf auszuüben, der ihr Zufriedenheit gibt finde ich das sehr lobenswert und es ist ein erster Schritt in Richtung Emanzipation.
Außerdem ist es doch nur ein Kopftuch, ein verdammtes Kopftuch. Auch wenn dieses eine "fremde" Religion repräsentiert ist es letzlich doch immer noch nur ein Kleidungsstück, ein Teil ihrer Persönlichkeit und weder Provokation noch schlechter Einfluss für die Kinder.
Und wenn diese eben mal fragen, was ihre Lehrerin denn da auf ihrem Kopf habe erläutert diese das kurz und die Kinder wissen, dass es mehr als nur eine Religion gibt und dass auch Anhänger einer anderen Religion nette Menschen sein können und das nicht nur den Christen vorbehalten bleibt.

Und nun, um abzuschließen, noch ein weiteres Zitat aus dem selben SZ-Kommentar:
"Ein Lehrer kann und soll nicht all das, was ihn und seine Persönlichkeit ausmacht, am Eingang der Schule ablegen. Das schlichte Bekenntnis des Lehrers zu seiner Religion, kann, solange es nicht missionarisch und provozierend daherkommt, dazu beitragen, dass er als Persönlichkeit und Autorität anerkannt wird - als jemand, für den es sich zu lernen lohnt."

Thaleryan
25.09.2003, 11:14
Original von XJustinSaneX
Wer hat denn das Recht zu sagen, dass "seine" Religion die richtige ist und man unsere armen Kinder davor schützen muss, Teil einer anderen, fremdartigen Religion zu werden?
Wieso muss der christliche Glaube "geschützt" werden? Ist das Christentum die einzig wahre Religion und jegliche andere Form von Glauben muss unterdrückt werden?


Darum geht es doch gar nicht.
Es geht nicht um "richtige" Religion oder "falsche" - und in diesem Fall auch nicht um den Anspruch des Christentums, die "einzig wahre" Religion zu sein.
Es geht darum, wie sehr eine Person des öffentlichen Lebens, insbesondere ein Lehrperson, seinen "Andersglauben" öffentlich bekunden darf.
In vom Islam beeinflußten Kulturen gibt es weitaus größere Schwierigkeiten, wenn dort z.B. jemand öffentlich sichtbar ein Kruzifix trägt - das hat nichts per se mit dem Christentum zu tun.
Das Christentum ist halt Teil unserer kulturellen Landschaft hier - und weiß Gott (*haha*) damit hadere ich selbst ab und an mindestens ebenso wie Du.
Dennoch wird der christliche Einfluss als wertvoll geschätzt.
Und: Meinst Du wirklich, dass es für Kinder so einfach ist, mit einer Vielzahl von Religionen konfrontiert zu werden? Meinst Du wirklich, dass sie es so einfach begreifen, wie erwachsene Menschen (wenn sogar die damit oft Schwierigkeiten haben...)?

Was ich damit ausdrücken möchte: Die Fragestellung, ob eine Lehrkraft ein Symbol nicht-christlicher Glaubensrichtungen tragen darf, ist berechtigt.
Jetzt kommt es halt auf die Art der Antwort an.


Für mich ein viel wichtigeres Bildungsziel ist es, Toleranz zu erlernen, mit anderen Nationalitäten und Religionen vorbehaltslos umzugehen und nicht eine derart banale Sache, wie die Frage an welchen Gott man glaubt, zu dem Bildungsziel überhaupt zu machen.

Das ist doch genau die Schwierigkeit:
Wenn eine Lehrkraft offenkundig einen für die lieben Kinderchen Beweis anderen Glaubens trägt, dann wird es zwangsläufig zu einem Inhalt im Unterricht.
Und das soll es - außer im Religions-/Ethik-Unterricht nicht sein.


Um's kurz zu machen: solange eine Lehrerin nicht missionarisch oder provozierend bezüglich ihres Glaubens auftritt sehe ich überhaupt nicht das geringste Problem.

Siehst Du, darum geht es ja in diesem Prozess.
Tut sie das nicht schon mit ihrem Kopftuch? Oder nicht? Oder fast? Oder....?


Das Kopftuch ist des Teil des muslimischen Glaubens. Und wenn es einer muslimischer Frau nun möglich ist, mit dem Symbol für die Unterdrückung der Frau einen Beruf auszuüben, der ihr Zufriedenheit gibt finde ich das sehr lobenswert und es ist ein erster Schritt in Richtung Emanzipation.

Sicherlich ist das lobenswert.
Die Frage ist nur, ob das unbedingt im schulischen Kontext passieren muss.
Wenn sie ihr Kopftuch nur privat tragen würde, gebe es keinen Prozess deswegen.
Keiner würde ihr als Lehrerin vorschreiben wollen, niemals ein solches Kopftuch zu tragen - nur halt nicht, wenn sie unterrichtet...


Außerdem ist es doch nur ein Kopftuch, ein verdammtes Kopftuch. Auch wenn dieses eine "fremde" Religion repräsentiert ist es letzlich doch immer noch nur ein Kleidungsstück, ein Teil ihrer Persönlichkeit und weder Provokation noch schlechter Einfluss für die Kinder.

Ein knapper Mini-Rock ist auch nur ein Kleidungsstück.
Wenn jedoch eine Lehrerin damit bekleidet unterrichtet, so wird das auch Schwierigkeiten geben - obschon es doch "nur" ein Zeichen von Emanzipation und "liberaler" Sexualität darstellt.....


Und wenn diese eben mal fragen, was ihre Lehrerin denn da auf ihrem Kopf habe erläutert diese das kurz und die Kinder wissen, dass es mehr als nur eine Religion gibt und dass auch Anhänger einer anderen Religion nette Menschen sein können und das nicht nur den Christen vorbehalten bleibt.

Du hattest schon lange keinen Kontakt mehr mit kleinen Kindern, oder.....?
So einleuchtend und einfach begreifbar ist das sicherlich nicht für sie.


Und nun, um abzuschließen, noch ein weiteres Zitat aus dem selben SZ-Kommentar:
"Ein Lehrer kann und soll nicht all das, was ihn und seine Persönlichkeit ausmacht, am Eingang der Schule ablegen. Das schlichte Bekenntnis des Lehrers zu seiner Religion, kann, solange es nicht missionarisch und provozierend daherkommt, dazu beitragen, dass er als Persönlichkeit und Autorität anerkannt wird - als jemand, für den es sich zu lernen lohnt."

Eben.
Daher ist dieser Prozess ja auch so interessant und vllt. sogar kulturell wichtig.

Letztendlich bleibt es dabei:
Sooooo einfach zu klären ist diese Sachlage nicht.

XJustinSaneX
25.09.2003, 15:04
Original von Thaleryan
Darum geht es doch gar nicht.
Es geht nicht um "richtige" Religion oder "falsche" - und in diesem Fall auch nicht um den Anspruch des Christentums, die "einzig wahre" Religion zu sein.
Es geht darum, wie sehr eine Person des öffentlichen Lebens, insbesondere ein Lehrperson, seinen "Andersglauben" öffentlich bekunden darf.
In vom Islam beeinflußten Kulturen gibt es weitaus größere Schwierigkeiten, wenn dort z.B. jemand öffentlich sichtbar ein Kruzifix trägt - das hat nichts per se mit dem Christentum zu tun.
Das Christentum ist halt Teil unserer kulturellen Landschaft hier - und weiß Gott (*haha*) damit hadere ich selbst ab und an mindestens ebenso wie Du.
Dennoch wird der christliche Einfluss als wertvoll geschätzt.

Die Frage ist nur wer denn entscheiden darf, was "wertvoll" ist und was nicht. Das sollte man immer noch selbst entscheiden dürfen. Aber dazu komme ich im nächsten Abschnitt.


Und: Meinst Du wirklich, dass es für Kinder so einfach ist, mit einer Vielzahl von Religionen konfrontiert zu werden? Meinst Du wirklich, dass sie es so einfach begreifen, wie erwachsene Menschen (wenn sogar die damit oft Schwierigkeiten haben...)?

Man sollte ihnen zumindest die Möglichkeit dazu geben. Sie lernen ja auch während ihrer Schulzeit zahlreiche Gleichaltrige kennen, die anderen Kulturkreisen angehören. Und diese sind weitaus komplexer, da die Religion ja nur ein Teil davon ist. Warum sollte man Lehrkräfte von dieser Entwicklung isolieren?


Was ich damit ausdrücken möchte: Die Fragestellung, ob eine Lehrkraft ein Symbol nicht-christlicher Glaubensrichtungen tragen darf, ist berechtigt.
Jetzt kommt es halt auf die Art der Antwort an.

Das Verbot, das in einigen Bundesländern kommen wird ist aber IMHO die falsche.


Das ist doch genau die Schwierigkeit:
Wenn eine Lehrkraft offenkundig einen für die lieben Kinderchen Beweis anderen Glaubens trägt, dann wird es zwangsläufig zu einem Inhalt im Unterricht.
Und das soll es - außer im Religions-/Ethik-Unterricht nicht sein.

Es kann und soll ja auch zu einem Inhalt des Unterrichts werden, damit den Kindern eben die Religionsvielfalt auch in anderen Fächern als Religion oder Ethik beigebracht wird uns sie sozusagen ein "lebendiges Beispiel" dafür haben. Dass der Unterricht nicht ausschließlich aus der Frage nach dem Glauben bestehen sollte ist klar. Aber besonders die Schule hat doch den Auftrag, den Schülern mehr beizubringen als das was in ihren Büchern steht. Und das wird ja auch von den Lehrern in zahlreichen Bereichen gemacht - nur wenn es sich um den Glauben dreht soll es plötzlich falsch sein.


Siehst Du, darum geht es ja in diesem Prozess.
Tut sie das nicht schon mit ihrem Kopftuch? Oder nicht? Oder fast? Oder....?

Sie versucht ja niemanden von ihrem Glauben zu überzeugen. Sie trägt lediglich das Kopftuch. Und als provozierend empfinde ich es auch nicht. Warum sollte es auch eine Provokation darstellen? Nur weil es eben "unchristlich" ist?


Sicherlich ist das lobenswert.
Die Frage ist nur, ob das unbedingt im schulischen Kontext passieren muss.
Wenn sie ihr Kopftuch nur privat tragen würde, gebe es keinen Prozess deswegen.
Keiner würde ihr als Lehrerin vorschreiben wollen, niemals ein solches Kopftuch zu tragen - nur halt nicht, wenn sie unterrichtet...

Es geht bei Schule IMHO um mehr als nur um Bücher. s.o.


Ein knapper Mini-Rock ist auch nur ein Kleidungsstück.
Wenn jedoch eine Lehrerin damit bekleidet unterrichtet, so wird das auch Schwierigkeiten geben - obschon es doch "nur" ein Zeichen von Emanzipation und "liberaler" Sexualität darstellt.....

Das schon. Nur bei dem Kopftuch spielt eben der religiöse Faktor auch noch mit. Jemandem zu verbieten, einen Minirock zu tragen schränkt ja nicht die Religionsfreiheit des Anderen ein.


Du hattest schon lange keinen Kontakt mehr mit kleinen Kindern, oder.....?
So einleuchtend und einfach begreifbar ist das sicherlich nicht für sie.

s.o.


Eben.
Daher ist dieser Prozess ja auch so interessant und vllt. sogar kulturell wichtig.

Letztendlich bleibt es dabei:
Sooooo einfach zu klären ist diese Sachlage nicht.

Anscheinend nicht :D.