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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Flachdachmaterial bei Regenwassernutzung



Josef
10.08.2005, 10:13
Liebe Leute,

ich baue zur Zeit eine Garage mit einem Flachdach. Oberfäche ca. 55m² Rauhspund.
Ich möchte das Dach an eine vorhandene Regenwassernutzuing anschließen (Garten, Toilette, Waschmaschine). Welches Material ist als Dachbahn zu empfehlen. Bitumen oder Kunststoff. Ich würde gerne Bitumenmaterial verwenden, habe aber gehört, dass Bitumen das Regenwasser färben soll.

Bin für jede Info dankbar...evtl. auch Hersteller-Vorschlag.

Danke ...Josef

dachdecker
13.08.2005, 17:47
Bitumenbahnen färben das Niederschlagswasser nicht. Bitumen ist absolut wasserunlöslich - ausgenommen Bitumenemulsionen vor der Trocknung, die auf dem Dach aber eh nichts zu suchen haben. Wenn hier eine Beeinträchtigung des ablaufenden Wassers stattfindet, dann durch Ablagerungen aus Flugstaub, Laub bzw. sonstigem Umweltschmutz. Dies ist aber unabhängig vom Dachmaterial. Genormte Polymerbitumenbahnen gibts im Baustoffhandel - nicht unbedingt im Baumarkt - und sind oberseitig mit Schiefersplitt bestreut.

Bitumenabdichtungen werden nach dem Dachdeckerregelwerk zweilagig ausgeführt:
1. Lage PYE PV 200 S5, oberseitig talkumiert, auf der Holzschalung ausrollen und in den Nahtüberlappungen mit Breitkopfstiften in leicht versetzten Nagelreihen aufnageln. Nähte dicht verschweißen und dabei nicht die Holzschalung anbrennen (ggfs. Vordeckung aus V13 als Flammschutz verwenden).
Nahtüberlappungen ca. 10 cm über die Nagelung hinaus anordnen.
2. Lage PYE PV 200 S5, oberseitig beschiefert darauf vollflächig und dicht aufschweißen. Nähte und Stöße versetzt zur ersten Lage anordnen - aber parallel !! - nicht quer - zur ersten Lage schweißen !!.

Zur Dämpfung von Temperaturspitzen, als UV-Schutz und überhaupt zur Minderung des direkten Witterungsangriffs ist es vorteilhaft, eine Kiesschicht auf die fertige Abdichtung aufzubringen. Gewaschener Rundkies, Körnung 16/32 gibts auch im Baustoffhandel. (Vielleicht als Big-Bag mit dem Beladekran des Baustoff-Lieferanten gleich aufs Dach heben lassen. Vorsicht Dachlasten nicht überschreiten !!).
Die Kiesschicht wirkt auch gleich als Grobfilter für das ablaufende Regenwasser.

Es gibt auch Kunststoffbahnen diverser Qualitäten als Abdichtung. Aber Hände weg von PVC-Dachbahnen oder Teichfolien. Die verspröden mit den Jahren. Nach 10 Jahren machst Du dann alles nochmal.
Bitumenbahnen kann man immer wieder - wenn es erforderlich geworden ist - mit einer weiteren Lage überschweißen. Bei Kunststoffbahnen - sog.hochpolymeren Bahnen geht das nicht so einfach. Die müssen meist komplett erneuert werden.

D.

planungsgr dach
17.08.2005, 10:41
Moin Dachdecker,

bei Holz und Holzwerkstoffen ist IMMER eine Trennlage anzuordnen! S. Fachregeln 2.2.4(4)
Ausdrücklich der Hinweis: 3.2(2) ist hier NICHT anwendbar!.

Grüße
stefan ibold

Josef
05.09.2005, 14:48
hallo "Dachdecker" und "Planungsgr dach",

vielen Dank für dei Infos.

Josef

Josef
05.09.2005, 14:49
hallo "Dachdecker" und "Planungsgr dach",

vielen Dank für dei Infos.

Josef

dachdecker
02.10.2005, 18:15
... Hr. Ibold. In den Ausschuß-Sitzungen zur derzeitigen FR Abdichtungen war klar festgestellt worden, daß eine Trenn"lage" nicht zwingende Forderung sein kann. Es fand eine Einigung auf die Formulierung "Trennschicht" statt - auch im Hinblick darauf, daß z.B. bei Kombination von gespundeten Brettern als UK und Verlegung von PYE PV...- Bahnen in beiden Lagen, eine wirkliche Trennlage technisch absolut entbehrlich bzw. nicht begründbar wäre.

Teilflächige Verklebung entspricht weiterhin i.S. der Trennung einer Nagelung.


Man hätte auf die jeweiligen Fälle und Eigenarten der einzelnen Trennlagen so umfangreich eingehen müssen, daß der Rahmen der FR gesprengt worden wäre.
Lochbahnen, div.Vliese, Kunststoffbahnen oder -matten taugen z.B. nicht als Flammschutz. Bitumenbahnen helfen auch nicht bei ölhaltigen Imprägnierungen und hervorstehende Nägel oder Schrauben werden von der besten Trennlage nicht aufgehalten.

Es kommt somit auf den konkreten Fall an. Bei der angefragten Situation mit gespundeten Brettern und zweilagiger PYE-PV - Abdichtungsschicht kann eine Trennung als teilflächige Befestigung angewendet werden.

D.

planungsgr dach
05.10.2005, 09:16
Moin,

ok, Trennschicht und nicht -lage. Stimmt.
Wenn ich mich recht erinnere war doch bei Holz und Holzwerkstoffen die Begründung für eine Trennung das Problem der möglichen Verklebung der Bahn mit der Unterkonstruktion. Bei Schalungen haben diese u. U. ein oftmals nicht geringes Quell- und Schwindverhalten. Verkleben die Bahnen mit den "Brettern" kann die Trägereinlage die Bewegungen u. U. nicht ausreichend aufnehmen.
Insofern sollte doch eine Trennung erfolgen. Deshalb auch mein Hinweis, dass 3.2 (2) nach meiner Lesart NICHT gelten könnte.
Wenn ich sicher davon ausgehen kann, dass eine Verklebung bei loser Verlegung trotz der Nahtverschweißung bei z. B. einem Schweißbahnaufbau ausgeschlossen ist und bleibt, dann kann ich mich Ihrer Lesart anschließen. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass unter Baustellenbedingungen die Kunststoff-Folie auf der Unterseite der Schweißbahn bei geringem Hitzeeinfluss schmilzt und damit das Verkleben unter Sonneneinwirkung möglich ist.

Ich gebe zu, dass evtl. beide Lesarten machbar sind.

Zum Thema Imprägnierungen. Hier muß die DIN 68800 herangezogen werden. Sind nach der Norm ölhaltige Imprägnierungen zugelassen? (Hab die Norm gerade nicht zur Hand).

Grüße
si

Dachdecker
30.12.2005, 15:05
Unerheblich, ob ölhaltige Imprägnierungen nach DIN zugelassen wären oder nicht. Bei Bitumenabdichtungen haben ölhaltige Stoffe in den Holzbauteilen nichts zu suchen. Die diffundieren aus und schädigen die Bitumenbahnen.

Ölhaltiges Zeugs mag also nach DIN zur Imprägnierung von Holzbauteilen grundsätzlich zulässig sein, aber nicht aus abdichtungstechnischer Sicht, wenn die Holzbauteile als UK für eine fachgerecht verlegte Bitumenabdichtung dienen sollen.

Was hier zählt, ist die Bewertung und Abstimmung der Sachverhalte mit Blick auf die Gesamtleistung.

D.