Eldariel
26.10.2003, 03:28
Nicht von dieser Welt
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Eine Geisterfrau auf einer Treppe
Der Palast von Hampton Court gilt als der prächtigste Ihrer britischen Majestät - und als der schaurigste. Bis in die Zeit der Kreuzritter reicht seine Geschichte zurück. Doch ihr düsterster Teil begann vor etwa 460 Jahren, als König Heinrich VIII. die Formel vom Tod, der die Ehe scheidet, gar zu wörtlich nahm. Catherine Howard war bereits die fünfte Gattin des Herrschers, betrog ihn angeblich und verwirkte damit ihr noch junges Leben. Wie überliefert wird, eilte die damals erst 22-Jährige in Todesangst durch die Galerie von Hampton Court Palace und bat Heinrich verzweifelt um Vergebung. Doch die erflehte Gnade wurde ihr verwehrt, und so trennte das Beil des Henkers ihren Kopf vom Körper. Der Geist der Unglücklichen aber wird seither angeblich immer wieder im Schloss gesehen, laufend und schreiend wie damals. Über hundert Erscheinungen der Toten verzeichnet inzwischen das penible Protokoll der Palastwache.
Zumindest allein ist die Rastlose offenbar nicht. Von einem schattenhaften Mann mit Hut im Weinkeller ist die Rede, auch von einem Geisterhund auf der Treppe. Und selbst, wenn ihre Augen nichts Übernatürliches sehen, spüren manche Besucher die Nähe jenseitiger Gestalten. Markerschütternde Schreie hören einige. Andere fühlen einen eisigen Hauch über ihre Haut streichen oder werden rüde geschubst. Tatsächlich scheint es manchem Geist an Manieren zu fehlen: Während sie allein ihren Wachdienst versah, klagte eine Aufseherin des Palastes, habe eine unsichtbare Hand am Gummi ihres Höschens gezupft.
Es sind keine Irren, die solche Begebenheiten berichten, sondern fast immer ganz normale Zeitgenossen. Und nicht nur in englischen Schlössern scheint sich Sonderbares zu regen - Berichte über Geisterhaftes und Übersinnliches kommen aus nahezu jeder Region der Welt. Es hat den Anschein, als würde neben unserer gewöhnlichen Welt eine zweite mit ganz eigenen Gesetzen existieren. Und hin und wieder kann es uns vorkommen, als würden sich diese Welten berühren oder gar miteinander verschmelzen: Dann senden Verstorbene Botschaften aus dem Jenseits oder erscheinen selbst, Gedanken anderer werden lesbar wie Briefe, und der Geist beherrscht die Materie - etwa, indem er Gabeln verbiegt oder Fotos belichtet.
In Deutschland glaubt nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern jeder Sechste, dass Gespenster, und jeder Siebte, dass Teufel ihr Unwesen treiben. Jeder Vierte ist überzeugt, die Macht des Geistes könne Gläser bewegen oder Tische verrücken. Und fast zwei Drittel der Befragten halten Gedankenüber- tragungen für real. 16 Prozent wollen Telepathie gar selbst schon erlebt haben.
Alles nur Humbug? Wahn statt Wirklichkeit? Man kann es sich leicht machen und überlegen schmunzelnd alles beiseite schieben, was nicht in unser kommodes Weltbild passt. Hätten allerdings Kopernikus oder Einstein auch so gedacht, würden wir wahrscheinlich noch heute glauben, die Erde sei flach und läge im Zentrum des Weltalls. Und wir wüssten nichts von gewaltigen Schwarzen Löchern in den Milchstraßensystemen und hätten keine Ahnung von geisterhaften Neutrino-Teilchen, die durch unseren Planeten rasen können, als gäbe es ihn gar nicht. Gerade die Entdeckungen der Wissenschaften zeigen uns, wie trügerisch es sein kann, sich nur auf die bekannten fünf Sinne zu verlassen. Obwohl schon 1924 an der amerikanischen Duke University von Durham in North Carolina ein erstes Institut zur Untersuchung übersinnlicher Phänomene gegründet wurde, hat es Jahrzehnte gedauert, bis sich Forscher auch in größerem Rahmen der "Parapsychologie" annahmen. Denn in der Sphäre des Übersinnlichen tummeln sich Legionen von Leichtgläubigen und Laienforschern, die Yetis und Ufos ebenso begeistert nachjagen wie kettenrasselnden Gespenstern und gedankenlenkenden Geheimlogen. Dazu überschwemmen gewiefte Geldmacher den lukrativen Markt des Irrationalen mit ihren Skurrilitäten. Neben Klassikern wie der Pyramidenmagie wird dabei vom wandelnden Magneten bis zu den parapsychologischen Begabungen der Fruchtfliege alles geboten, was einem menschlichen Gehirn nur zu entwringen ist.
Trotzdem lassen sich zunehmend auch "Big Names" der Wissenschaft darauf ein, die paranormale Spreu vom Weizen zu trennen. So gehören dem internationalen "Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal" Nobelpreisträger wie der Elementarteilchenphysiker Murray Gell-Mann und der Biologe Francis Crick an, der die Struktur der Erbsubstanz entdeckte. Auch prominente Hirnforscher, die Britin Susan Blackmore etwa und der Kanadier Steven Pinker, zählen zum Team. In Deutschland bemüht sich besonders der Freiburger Physiker und Psychologe Walter von Lucadou, Licht in das mysteriöse Dunkel zu bringen. Um es vorweg zu sagen: Ein endgültiges Urteil über die meisten Phänomene des so genannten Übersinnlichen steht auch weiter aus. Doch etliche Überraschungen haben die Forscher trotzdem schon ans Licht gebracht.
Spuk scheine es wirklich zu geben, erklärt beispielsweise der britische Psychologe Richard Wiseman, einst ein preisgekrönter Profi-Zauberer und heute Professor an der englischen Universität von Hertfordshire. Auch wenn er Spuk nicht leugnet, zweifelt der Forscher doch an der Existenz der dazugehörigen Geister.
Vor vier Jahren wurde ihm von der britischen Königin als erstem Wissenschaftler erlaubt, das vermeintlich jenseitige Treiben in Hampton Court mit allem zu untersuchen, was die moderne Messtechnik hergibt. Doch nicht nur Apparate setzte Wiseman ein. Er bat auch fast 500 Freiwillige im Alter von sieben bis 82 Jahren zum Experiment in die königlichen Gemäuer. Nach einem Besuch in den angeblich am häufigsten von Geistwesen heimgesuchten Räumen des Schlosses sollten sie notieren, was sie gefühlt, gesehen oder auch gehört hatten.
Das Ergebnis war auch für Wiseman erstaunlich. Über die Hälfte der Testpersonen erlebte für sie Unerklärliches, oft gleich mehrfach - genau 431 sonderbare Erfahrungen wurden verzeichnet. Vom furchteinflößenden Frösteln über das nicht angenehmere Gefühl, in einem leeren Zimmer beobachtet zu werden, reichte das Spektrum der Meldungen bis hin zu Gespenstersichtungen oder Berührungen von Geisterhand. Damit begann Wisemans eigentliche Aufgabe: zu erklären, was unerklärlich schien. Inzwischen sind seine Auswertungen so weit abgeschlossen, dass ihre Veröffentlichung im British Journal of Psychology bevorsteht.
Was also ist zum Beispiel mit den "Cold Spots" im Schloss, an denen Grabeskälte herrschen soll? Richard Wisemans Team untersuchte das Temperaturprofil der einzelnen Räume sowie ihre Luftzirkulation und fand heraus, dass die Luft in einigen Winkeln durch die Architektur des Schlosses geradezu still steht. So gibt es auch kaum Wärmeaustausch, und es ist dort tatsächlich kälter als ein paar Meter weiter. Dafür allerdings pfeift der Wind woanders durch feine Ritzen und Spalten in den jahrhundertealten Mauern. "Manchmal kommt es einem vor", erzählt Wiseman von seinen Palasterfahrungen, "als ob man gegen eine kalte Wand läuft."
© Peer Grimm/dpa Gedankenübertragung zählt zu den bekanntesten Phänomenen. In einer Forsa-Umfrage geben 16 Prozent der Deutschen an, dass sie bereits Telepathie erlebt haben
Das eigenartige Kleinklima von Hampton Court mag reichen, eisige Erlebnisse zu erklären. Was aber ist mit den Besuchern, die Catherine Howard oder ein Mitglied ihres Hofstaates mit eigenen Augen gesehen haben wollen? Zuallererst gilt für sie wie für uns alle: Wir sehen nicht mit den Augen, sondern mit dem Gehirn. Weil das natürlich auch Wiseman wusste, nahm er in Hampton Court Palace weitere Messungen vor. Dabei stellte sich heraus, dass das überall auf der Erde vorhandene und von Ort zu Ort schwankende natürliche Magnetfeld zum Beispiel in der von Catherine Howard angeblich des öfteren heimgesuchten Galerie höher war als anderswo im Schloss - eine Spur, die zu der spukenden Dame führen könnte.
Schon vor etwa zwanzig Jahren hatte der kanadische Neurowissenschaftler Michael Persinger von der Laurentian University in Ontario begonnen, Berichte von angeblichen Ufo-Besuchen und Marienerscheinungen zu untersuchen. Dabei notierte er auch, wo das vermeintlich Übersinnliche passiert sein sollte. Einige Gegenden waren besonders "spirituell". Und fast bei jeder dieser begnadeten Stätten lagen größere Mengen von Bodenschätzen, Eisenerz zum Beispiel, die das Erdmagnetfeld lokal verändern konnten. War das der Schlüssel zum Reich des Paranormalen?
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Manche Menschen, die klinisch kurzzeitig tot waren, berichten, dass ihr Geist über ihrem Körper geschwebt habe
Persinger überprüfte seinen Verdacht im Labor. In einem mit vielen Elektroden präparierten Motorradhelm simulierte er Veränderungen des natürlichen elektromagnetischen Feldes der Erde im sehr niedrigen Frequenzbereich so genannter Schumann-Wellen, die zum Beispiel auch von Gewittern oder Erdbeben erzeugt werden können. Die Vermutung bestätigte sich: Fast alle Versuchspersonen berichteten unter dem Einfluss der Felder von sonderbaren mystischen Erfahrungen oder sahen gar Geistwesen.
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Eine Geisterfrau auf einer Treppe
Der Palast von Hampton Court gilt als der prächtigste Ihrer britischen Majestät - und als der schaurigste. Bis in die Zeit der Kreuzritter reicht seine Geschichte zurück. Doch ihr düsterster Teil begann vor etwa 460 Jahren, als König Heinrich VIII. die Formel vom Tod, der die Ehe scheidet, gar zu wörtlich nahm. Catherine Howard war bereits die fünfte Gattin des Herrschers, betrog ihn angeblich und verwirkte damit ihr noch junges Leben. Wie überliefert wird, eilte die damals erst 22-Jährige in Todesangst durch die Galerie von Hampton Court Palace und bat Heinrich verzweifelt um Vergebung. Doch die erflehte Gnade wurde ihr verwehrt, und so trennte das Beil des Henkers ihren Kopf vom Körper. Der Geist der Unglücklichen aber wird seither angeblich immer wieder im Schloss gesehen, laufend und schreiend wie damals. Über hundert Erscheinungen der Toten verzeichnet inzwischen das penible Protokoll der Palastwache.
Zumindest allein ist die Rastlose offenbar nicht. Von einem schattenhaften Mann mit Hut im Weinkeller ist die Rede, auch von einem Geisterhund auf der Treppe. Und selbst, wenn ihre Augen nichts Übernatürliches sehen, spüren manche Besucher die Nähe jenseitiger Gestalten. Markerschütternde Schreie hören einige. Andere fühlen einen eisigen Hauch über ihre Haut streichen oder werden rüde geschubst. Tatsächlich scheint es manchem Geist an Manieren zu fehlen: Während sie allein ihren Wachdienst versah, klagte eine Aufseherin des Palastes, habe eine unsichtbare Hand am Gummi ihres Höschens gezupft.
Es sind keine Irren, die solche Begebenheiten berichten, sondern fast immer ganz normale Zeitgenossen. Und nicht nur in englischen Schlössern scheint sich Sonderbares zu regen - Berichte über Geisterhaftes und Übersinnliches kommen aus nahezu jeder Region der Welt. Es hat den Anschein, als würde neben unserer gewöhnlichen Welt eine zweite mit ganz eigenen Gesetzen existieren. Und hin und wieder kann es uns vorkommen, als würden sich diese Welten berühren oder gar miteinander verschmelzen: Dann senden Verstorbene Botschaften aus dem Jenseits oder erscheinen selbst, Gedanken anderer werden lesbar wie Briefe, und der Geist beherrscht die Materie - etwa, indem er Gabeln verbiegt oder Fotos belichtet.
In Deutschland glaubt nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern jeder Sechste, dass Gespenster, und jeder Siebte, dass Teufel ihr Unwesen treiben. Jeder Vierte ist überzeugt, die Macht des Geistes könne Gläser bewegen oder Tische verrücken. Und fast zwei Drittel der Befragten halten Gedankenüber- tragungen für real. 16 Prozent wollen Telepathie gar selbst schon erlebt haben.
Alles nur Humbug? Wahn statt Wirklichkeit? Man kann es sich leicht machen und überlegen schmunzelnd alles beiseite schieben, was nicht in unser kommodes Weltbild passt. Hätten allerdings Kopernikus oder Einstein auch so gedacht, würden wir wahrscheinlich noch heute glauben, die Erde sei flach und läge im Zentrum des Weltalls. Und wir wüssten nichts von gewaltigen Schwarzen Löchern in den Milchstraßensystemen und hätten keine Ahnung von geisterhaften Neutrino-Teilchen, die durch unseren Planeten rasen können, als gäbe es ihn gar nicht. Gerade die Entdeckungen der Wissenschaften zeigen uns, wie trügerisch es sein kann, sich nur auf die bekannten fünf Sinne zu verlassen. Obwohl schon 1924 an der amerikanischen Duke University von Durham in North Carolina ein erstes Institut zur Untersuchung übersinnlicher Phänomene gegründet wurde, hat es Jahrzehnte gedauert, bis sich Forscher auch in größerem Rahmen der "Parapsychologie" annahmen. Denn in der Sphäre des Übersinnlichen tummeln sich Legionen von Leichtgläubigen und Laienforschern, die Yetis und Ufos ebenso begeistert nachjagen wie kettenrasselnden Gespenstern und gedankenlenkenden Geheimlogen. Dazu überschwemmen gewiefte Geldmacher den lukrativen Markt des Irrationalen mit ihren Skurrilitäten. Neben Klassikern wie der Pyramidenmagie wird dabei vom wandelnden Magneten bis zu den parapsychologischen Begabungen der Fruchtfliege alles geboten, was einem menschlichen Gehirn nur zu entwringen ist.
Trotzdem lassen sich zunehmend auch "Big Names" der Wissenschaft darauf ein, die paranormale Spreu vom Weizen zu trennen. So gehören dem internationalen "Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal" Nobelpreisträger wie der Elementarteilchenphysiker Murray Gell-Mann und der Biologe Francis Crick an, der die Struktur der Erbsubstanz entdeckte. Auch prominente Hirnforscher, die Britin Susan Blackmore etwa und der Kanadier Steven Pinker, zählen zum Team. In Deutschland bemüht sich besonders der Freiburger Physiker und Psychologe Walter von Lucadou, Licht in das mysteriöse Dunkel zu bringen. Um es vorweg zu sagen: Ein endgültiges Urteil über die meisten Phänomene des so genannten Übersinnlichen steht auch weiter aus. Doch etliche Überraschungen haben die Forscher trotzdem schon ans Licht gebracht.
Spuk scheine es wirklich zu geben, erklärt beispielsweise der britische Psychologe Richard Wiseman, einst ein preisgekrönter Profi-Zauberer und heute Professor an der englischen Universität von Hertfordshire. Auch wenn er Spuk nicht leugnet, zweifelt der Forscher doch an der Existenz der dazugehörigen Geister.
Vor vier Jahren wurde ihm von der britischen Königin als erstem Wissenschaftler erlaubt, das vermeintlich jenseitige Treiben in Hampton Court mit allem zu untersuchen, was die moderne Messtechnik hergibt. Doch nicht nur Apparate setzte Wiseman ein. Er bat auch fast 500 Freiwillige im Alter von sieben bis 82 Jahren zum Experiment in die königlichen Gemäuer. Nach einem Besuch in den angeblich am häufigsten von Geistwesen heimgesuchten Räumen des Schlosses sollten sie notieren, was sie gefühlt, gesehen oder auch gehört hatten.
Das Ergebnis war auch für Wiseman erstaunlich. Über die Hälfte der Testpersonen erlebte für sie Unerklärliches, oft gleich mehrfach - genau 431 sonderbare Erfahrungen wurden verzeichnet. Vom furchteinflößenden Frösteln über das nicht angenehmere Gefühl, in einem leeren Zimmer beobachtet zu werden, reichte das Spektrum der Meldungen bis hin zu Gespenstersichtungen oder Berührungen von Geisterhand. Damit begann Wisemans eigentliche Aufgabe: zu erklären, was unerklärlich schien. Inzwischen sind seine Auswertungen so weit abgeschlossen, dass ihre Veröffentlichung im British Journal of Psychology bevorsteht.
Was also ist zum Beispiel mit den "Cold Spots" im Schloss, an denen Grabeskälte herrschen soll? Richard Wisemans Team untersuchte das Temperaturprofil der einzelnen Räume sowie ihre Luftzirkulation und fand heraus, dass die Luft in einigen Winkeln durch die Architektur des Schlosses geradezu still steht. So gibt es auch kaum Wärmeaustausch, und es ist dort tatsächlich kälter als ein paar Meter weiter. Dafür allerdings pfeift der Wind woanders durch feine Ritzen und Spalten in den jahrhundertealten Mauern. "Manchmal kommt es einem vor", erzählt Wiseman von seinen Palasterfahrungen, "als ob man gegen eine kalte Wand läuft."
© Peer Grimm/dpa Gedankenübertragung zählt zu den bekanntesten Phänomenen. In einer Forsa-Umfrage geben 16 Prozent der Deutschen an, dass sie bereits Telepathie erlebt haben
Das eigenartige Kleinklima von Hampton Court mag reichen, eisige Erlebnisse zu erklären. Was aber ist mit den Besuchern, die Catherine Howard oder ein Mitglied ihres Hofstaates mit eigenen Augen gesehen haben wollen? Zuallererst gilt für sie wie für uns alle: Wir sehen nicht mit den Augen, sondern mit dem Gehirn. Weil das natürlich auch Wiseman wusste, nahm er in Hampton Court Palace weitere Messungen vor. Dabei stellte sich heraus, dass das überall auf der Erde vorhandene und von Ort zu Ort schwankende natürliche Magnetfeld zum Beispiel in der von Catherine Howard angeblich des öfteren heimgesuchten Galerie höher war als anderswo im Schloss - eine Spur, die zu der spukenden Dame führen könnte.
Schon vor etwa zwanzig Jahren hatte der kanadische Neurowissenschaftler Michael Persinger von der Laurentian University in Ontario begonnen, Berichte von angeblichen Ufo-Besuchen und Marienerscheinungen zu untersuchen. Dabei notierte er auch, wo das vermeintlich Übersinnliche passiert sein sollte. Einige Gegenden waren besonders "spirituell". Und fast bei jeder dieser begnadeten Stätten lagen größere Mengen von Bodenschätzen, Eisenerz zum Beispiel, die das Erdmagnetfeld lokal verändern konnten. War das der Schlüssel zum Reich des Paranormalen?
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Manche Menschen, die klinisch kurzzeitig tot waren, berichten, dass ihr Geist über ihrem Körper geschwebt habe
Persinger überprüfte seinen Verdacht im Labor. In einem mit vielen Elektroden präparierten Motorradhelm simulierte er Veränderungen des natürlichen elektromagnetischen Feldes der Erde im sehr niedrigen Frequenzbereich so genannter Schumann-Wellen, die zum Beispiel auch von Gewittern oder Erdbeben erzeugt werden können. Die Vermutung bestätigte sich: Fast alle Versuchspersonen berichteten unter dem Einfluss der Felder von sonderbaren mystischen Erfahrungen oder sahen gar Geistwesen.