Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : neuer flachdachaufbau: folie oder bitumen?
schreiner
02.06.2006, 12:49
hallo zusammen, nachdem ich nun einige dachdecker bei mir hatte, bin ich leider nicht schlauer als zuvor, da alle andere vorschläge machen. zur situation: ich habe ein altes flachdach, das früher mit kies abgedeckt war. der kies wurde abgekehrt, aber wegen einer mangelhaften randabdichtung hat sich wasser unter die neue bitumenschicht gesetzt und das dach wirft blasen. jetzt soll alles runter bis auf die spanplatte und dann möchte ich einen neuen aufbau incl gefälledämmung. nun scheiden sich die geister, ob das neue dach mit bitumen oder einer folie abgedichtet werden soll.
zu aufbau des alten dachs: 1,25cm rigipsplatte, ca 10cm glaswolle, 28cm luft, 2cm spanplatte, bitumenabdichtung. es gibt keine dampfsperre!!!
im bereich der balkenlage : glaswolle, 10cm luft, 18cm balken, spanplatte, bitumen.
wäre schön, wenn mir jemand eine empfehlung geben könnte
a) welche abdichtung zu bevorzugen ist
b) wo der taupunkt zu erwarten ist, wenn auf die spanplatte eine neue wd kommt
c) wie dick die wd sein sollte (u-wert)
d) was kann man dampfsperren-mäßig auf der spanplatte ausrichten??
1000dank
gruß vom schreiner
Karlsson
02.06.2006, 13:35
Hallo Schreiner, so wie sich die Beschreibung anhört handelt es sich hierbei um
ein 2-schaliges Dach (Kaltdach).
Wenn es dabei bleiben soll, spielt die Stärke der aufzubringenden Gefälledämmung
zunächst mal keine Rolle.
Warum soll überhaupt eine Gefälledämmung aufgebracht werden ?
Ist das Gefälle der bisherigen Dachkonstruktion zu gering ?
Soll der vorhandene Luftzwischenraum zwischen der alten Dämmung (Glaswolle)
und Spanplatte jedoch ebenfalls mit Dämmung aufgefüllt werden gibt es einige Wichtige Dinge zu beachten.
Zunächst mal, es ist nach der Beschreibung keine Dampfsperre in der Balkenlage vorhanden.
Ich würde aus diesem Grund schon mal davon abraten den Luftzwischenraum ohne weiteres mit Dämmung aufzufüllen da man sich mit Sicherheit einen massiven Bauphysikalischen Fehler einbaut !
Der Reihe nach:
zu a) persönlich würde ich immer eine mehrlagige Abdichtung bevorzugen - also
bituminös !
zu b) wenn es sich wirklich um ein 2-schaliges Dach handelt verändert sich der
Taupunkt durch das Aufbringen einer WD auf die Spanplatte nicht.
zu c) siehe http://www.enev-online.de/
zu d) wir sind wieder beim 2 schaligen dach ?! Dampfsperre auf der Spanplatte ?
Finger weg ! Die Dampfsperre in jedem Fall UNTER die WD, also wenn schon
dann unter die Glaswolle (falls da nicht schon eine ist)
Gruß Karlsson vom Dach
schreiner
02.06.2006, 13:57
hallo karlsson, es sollte sich eigentlich um ein kaltdach handeln, ist es aber offensichtlich nicht, da es keine hinterlüftung gibt. die balken liegen lt plan nicht in einer richtung und es gibt keine lüfter auf dem dach oder an den dachüberständen. da das vorhandene gefälle tatsächlich recht gering ist, kam die idee mit der gefälledämmung, zumal die vorhandenen 10cm ja auch nicht gerade üppig sind.
der luftraum zischen der spanplatte und der vorhandenen dämmung soll bleiben, der aufwand wäre zu hoch, bzw einblasen von oben kommt nicht in frage, da wir evtl irgendwann die decken im wohnbereich erneuern wollen und uns das lose dämmaterial dann entgegenkäme. diese aktion steht aber aus finanziellen gründen noch lange nicht an, sonst würden wir von unten dämmen und dann auch gleich die dampfsperre einbauen.
es soll also erstmal alles so bleiben und von oben was drauf.
zu d) so wie du dachte ich mir das auch, aber jeder!!! dachdecker wollte bisher auf die spanplatte eine dampfsperre aufbringen, dann die gefälledämmung und dann die abdichtung.
gruß vom schreiner
Karlsson
02.06.2006, 14:21
Hallo Schreiner,
ich denke man kann das vorhandene Dach durchaus als 2-Schaliges Dach bezeichnen, denn vom Prinzip her scheint der bisherige Aufbau ja auch als solcher zu funktionieren.
Ansonsten hätte sich eine fehlende Dampfsperre unter der Glaswolle mit Sicherheit schon bemerkbar gemacht (spätestens in der Heizperiode).
Da der Luftraum zwischen der Spanplatte und der vorhandenen Dämmung bleiben soll wird sich am Prinzip 2-Schaliges Dach auch nichts ändern.
Aus meiner Sicht kann man oberhalb der Spanplatte auch 1000mm Dämmung aufbringen ohne einen nennenswerten Dämmeffekt zu haben.
Grund ist die Luftschicht zwischen Glaswolle und Spanplatte, die mit Sicherheit nicht winddicht ist (auch wenn Lüfter fehlen etc.)
Das wiederrum hat zur Folge das man sich eine Dampfsperre auf der Spanplatte schenken kann.
Eine Gefälledämmung aufzubringen um das zu geringe Gefälle zu erhöhen macht durchaus Sinn. Um Energiekosten zu sparen ist die Dämmung an dieser Stelle, bei der derzeitigen Bausituation auf keinen Fall geeignet.
Noch eins zum Thema Dampfsperre:
Beim 2-schaligen Dach kann man (wegen der Lüftung zwischen Dämmung und Abdichtung) getrost auf eine Dampfsperre verzichten.
Ist so wie die Dämmung einer obersten Geschossdecke.
Gruß Karlsson
schreiner
02.06.2006, 15:43
soweit stimme ich dir zu, auch tendiere ich zu bitumen, weil einfach dicker.
aber: wenn die hinterlüftung wirklich nicht funktioniert, eine neue dampfsperre (die alte bitumenschicht war ja auch sowas wie ne sperre) auf die spanplatte aufgebracht wird und die darüberliegende dämmung den taupunkt ungünstig verschiebt, durchnässt die spanplatte und ich habe kein dach mehr. kann man evtl die dampfsperre weglassen und mit folie abdichten, damit wasserdampf durch die folie bis außen diffundieren kann? es wird ja damit geworben, dass folien einseitig diffusionsoffen sind.
gruß vom schreiner
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