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Nephthys
02.12.2003, 12:56
Supervulkane – Calderen (span.= Kessel)

Supervulkane gehören zu den zerstörerischsten Naturphänomenen der Welt. Sie sind nicht vergleichbar mit den normalen Vulkanen, deren Ausbrüche die Menschheit bisher erlebt hat. Normalerweise werden Vulkane durch eine Magmasäule geformt, die aus dem Erdinneren aufsteigt und an der Oberfläche in Form von Eruptionen austritt. Die austretende Lava kühlt ab und erhärtet an den Seiten der Austrittsstelle. Auf diese Weise nimmt der Kegel die Form an, die so charakteristisch für die meisten Vulkane ist. Der Vulkan wächst mit zunehmender Zahl der Eruptionen, da sich immer neues Material an den Berghängen ablagern kann.

Supervulkane beginnen ihr Leben, wenn Magma aus dem Erdmantel aufsteigt und sich in der Erdkruste ansammelt. Die Hitze dieser flüssigen Gesteinsmassen bringt weiteres Gestein zum Schmelzen, so dass sich unter der Erdoberfläche eine regelrechte Kammer ausbildet, die mit Magma gefüllt ist. Diese Kammer dehnt sich unter dem Einfluß der ständig nachströmenden Magmamassen immer weiter aus, wobei der Druck immer größer wird. Er wird noch zusätzlich verstärkt durch im Gesteinsbrei gefangene, stark komprimierte Gase. Die gesamte Magmakammer gleicht dadurch einem überhitzten, riesigen Dampfkochtopf.

Durch die Magmaströmungen im Erdinneren pulsiert die Kammer, mal wird sie größer, um sich dann wieder zusammen zu ziehen. Diese Bewegungen sind an der Erdoberfläche messbar, im Laufe von langen Zeiträumen hebt und senkt sich hier die Erde. Auch erschüttern immer wieder kleinere Erdbeben diese Region, so dass der Deckel immer poröser und brüchiger wird. Irgendwann bricht der Magmastrom durch die obere Begrenzung der Kammer und bahnt sich seinen Weg hinauf zur Erdoberfläche. Hat er die Oberfläche erreicht, strömen immer weiter flüssige Gesteinsmassen nach, die Deckschicht reißt an vielen Stellen auf und der Supervulkan drängt unaufhaltsam seinem Ausbruch entgegen.

Caldera-Vulkane
Bei starken Ausbrüchen kann der Berggipfel durch den ungeheuren Druck komplett weggesprengt werden. Der so entstandene Kraterkessel wird als Caldera bezeichnet. Eine Caldera kann allerdings auch durch den Einsturz der Magmenkammer entstehen. Man nimmt an, daß nach starken Ausbrüchen, bei denen riesige Mengen von Magma gefördert wurden, ein Hohlraum in der Magmakammer entsteht. Hält dieser der überlagernden Last nicht mehr Stand, bildet sich durch den Einsturz die Caldera.

Calderen können einen Durchmesser von 20 Kilometern haben. Der Kessel kann dabei bis zu 1.000 Meter tief sein. Die griechische Insel Santorini ist ein typisches Beispiel für einen Caldera-Vulkan, wobei der gewaltige Ausbruch im Jahre 1450 v. Chr. auch große Teile des Berggipfels weggesprengt hat.

Wo befindet sich die größte Caldera auf der Erde ?
Diese Caldera befindet sich auf Sumatra in Indonesien. Sie hat eine Länge von 100 Km und ist ca. 30 km breit.

Wo fand die stärkste bisher bekannte Explosion statt ?
Nach Ansicht von Wissenschaftlern fand diese vor 75000 Jahren auf Sumatra statt. Der Vulkan Toba setzte während einer gewaltigen Eruption Energie frei , die 40 Millionen (!) Wasserstoffbomben entsprach.

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Yellowstone

Aber einigen Stellen der Erde gibt es solche Monster-Vulkane. Einer davon befindet sich in einer der landschaftlich schönsten Ecken der Welt und wird aus diesem Grund alljährlich von Zehntausenden von Touristen aus aller Welt besucht. Die meisten von ihnen ahnen allerdings nicht, auf welch unruhigem Stück Erde sie umher wandern: es ist der Yellowstone Nationalpark in den USA. Tief unter der spektakulären Landschaft brodelt es gewaltig. Heiße Quellen und Geysire, die Touristenattraktionen des Nationalparks, zeugen von seinem heißen Innenleben.

Rund um die Uhr steht der Supervulkan unter Beobachtung, Temperatur und Zusammensetzung der austretenden Gase und des Wassers werden überwacht, selbst winzigste Bewegungen der Erdoberfläche werden registriert - und es zeigt sich, dass sich wieder etwas Gewaltiges zusammenbraut in der Tiefe ...

Um die Größe der Magmakammer unter der Yellowstone-Caldera zu bestimmen, bedienten sich Wissenschaftler einer Technik aus der Erdbebenforschung. Sie verteilten 22 sogenannte Seismometer über das Gebiet. Diese empfindlichen Messgeräte für Erdbebenwellen registrieren selbst feinste Stöße, die tief aus dem Erdinneren zur Oberfläche wandern. Da die Wellen durch festes Gestein schneller als durch flüssiges laufen, zeichnen die Messdaten ein genaues Bild der unterirdischen Magmakammer. Sie ist gigantisch: fast 50 Kilometer lang, etwa 20 Kilometer breit und zehn Kilometer dick. Inzwischen ist sie schon wieder so prall gefüllt, dass sie den Boden am Nordufer des Yellowstone-Sees nach oben drückt. Die Folge: Am Südufer steigt das Wasser und überflutet den Wald. Insgesamt hat sich die Caldera im Nationalpark seit 1923 um 74 Zentimeter gehoben – ein alarmierendes Zeichen.

Die Zeit ist reif
Der schlafende Riese scheint wieder zu erwachen. Das stimmt auch mit Forschungsergebnissen überein, die drei frühere Ausbrüche des Supervulkans belegen: vor 1,8 Millionen, 1,2 Millionen und 600.000 Jahren. Nach diesem Zyklus wäre jetzt die Zeit reif für eine neue Eruption.

http://www.dieeiche.de/eiche/Info/vulkane/Bilder/yellowstone.jpg
Luftaufnahme des Yellowstone Parks mit dem Yellowstone See, der einen kleinen Teil des Einsturzkraters bedeckt.

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Sibirien

Bis vor kurzem galten Explosionen solcher Supervulkane als die größtmögliche und verheerendste vulkanische Erscheinungsform. Aber dann fanden Wissenschaftler in der sibirischen Tundra den Beweis für etwas, das sie bisher nicht für wahrscheinlich gehalten hatten.

Es hat sich zur Zeit des Perm abgespielt, einer geologischen Epoche, in der sich der größte sogenannte Faunenschnitt in der langen Geschichte des Planeten ereignet hat. In dieser Epoche, vor rund 250 Millionen Jahren, starben rund 90% aller Lebewesen im Wasser und etwa 70% aller Landlebewesen aus.
Der Grund dafür, so die Forscher, könnten die gigantischen Lavafluten gewesen sein, die sich über Tausende von Quadratkilometer der sibirischen Kontinentalmasse ergossen haben. Eine Fläche von 3,9 Millionen Quadratkilometern Ausdehnung versank buchstäblich in einem Lavasee.
Bis zu 1.500 Meter dick war die Lavadecke, unter der ganz Westeuropa Platz fände oder die den halben australischen Kontinent bedecken würde. Aber nicht allein die Lavafluten sorgten für das Massensterben, sondern die Schwaden giftiger Gase und Dämpfe, die in diesem brodelnden Inferno in die Atmosphäre freigesetzt wurden.

Was der Auslöser für dieses Spektakel gewesen sein könnte, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen. Sollte es sich aber jemals in vergleichbarer Form wiederholen, wäre es eine globale Katastrophe und vielleicht sogar das Ende der Menschheit.

Alle Befunde der Geowissenschaftler zeigen, dass sich ein vergleichbares Ereignis zurzeit nicht anbahnt. Aber wir leben auf einer ruhelosen, dünnen und zerbrechlichen Oberfläche, unter der seit Jahrmillionen der flüssige Gesteinsbrei lodert.

http://www.dieeiche.de/eiche/Info/vulkane/Bilder/sibirien.jpg
Schichten vulkanischen Gesteins, sogenannte Basaltdecken, haben sich zu unterschiedlichen Zeiten an vielen Stellen der Erde abgelagert, wie hier die Schichten des Columbia Rivers Basalts in den USA. Aber nie erreichten die diese Lavaflächen solche Ausdehnung wie zur Zeit des Perm in Sibirien.

Nephthys
02.12.2003, 12:58
Toba und Santorin

Ein solcher Ausbruch könnte verheerende Folgen für das Weltklima haben. Das zeigt das Beispiel des Toba auf Sumatra, eines vergleichbaren Supervulkans. Vor 74.000 Jahren explodierte seine Magmakammer mit unvorstellbarer Wucht. Der Toba spukte 3.000 Kubikkilometer Lava und heiße Asche in die Atmosphäre – 10.000 Mal mehr als der Mount St. Helen 1980. In bis zu 50 Kilometer Höhe wurde die Asche dabei geschleudert. Wissenschaftler schätzen, dass die weltweite Durchschnittstemperatur daraufhin um mehr als fünf Grad Celsius sank, in Mitteleuropa sogar um 15 Grad. Diese Katastrophe könnte auch ein anderes Phänomen erklären: Vor etwa 75.000 Jahren ging die Zahl der damals lebenden Menschen dramatisch zurück – bis auf wenige Tausend. Ein jüngeres Beispiel ist der katastrophale Vulkanausbruch auf Santorin vor 3.500 Jahren: Ein Großteil der Insel wurde in die Luft gesprengt, der Ägäisraum durch Erdbeben und Flutwellen verwüstet.

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Toba

Einer dieser Supervulkane ist der Toba auf der indonesischen Insel Sumatra. Ein See zeigt heute an, wo sich der riesige Einsturzkrater der Magmakammer befindet. Und seine Ausmaße lassen erahnen, welch gigantische Menge an glutflüssigem Gestein sich dort fast schlagartig in eine todbringende Aschewolke von unvorstellbarer Größe verwandelte.

Einhundert Kilometer lang, dreißig Kilometer breit, das sind die Ausmaße des Sees, der fünf Mal so groß wie der Bodensee ist, ein Krater, in dem die schwedische Ostseeinsel Gotland fast komplett verschwinden könnte.

Als der Toba das letzte Mal vor etwa 75.000 Jahren explodierte, löste er damit eine globale Katastrophe aus. Vermutlich hat sich das Klima auf Jahre drastisch abgekühlt, hat sich eine Staubschicht mit zum Teil tödlicher Wirkung in weiten Bereichen der Erde abgelagert.

Evolutionsgenetiker wiesen nach, dass sich die Anzahl der menschlichen Vorfahren vor etwa 75.000 Jahren drastisch reduzierte – das Beinahe-Ende der Menschheit.

http://www.dieeiche.de/eiche/Info/vulkane/Bilder/toba.jpg
Ein idyllischer See, fünf Mal so groß wie der Bodensee, mit einer höchst explosiven Vergangenheit: der Lake Toba auf der indonesischen Insel Sumatra.

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Santorin

Die Minoische Eruption

http://www.decadevolcano.net/santorini/figures/santorini_geography_sm.jpg

Der jüngste große Ausbruch auf Santorin ist als der "Minoische Ausbruch" bekannt. Es war einer der 10 größten (-bzw. vielleicht sogar der größte, wie neueste Forschungsergebnisse nahelegen-) Vulkanausbrüche der letzten 10000 Jahre auf der Erde. Wie durch neueste Datierungen durch eine dänische Wissenschaftlergruppe aus Kopenhagen sowie eigene Radiokarbondatierungen an der Universität Aarhus bekannt geworden ist, ereignete er sich um das Jahr 1645 BC.

Die Gesamtmenge an Magma, die bei dem Ausbruch gefördert wurde, betrug etwa 30 Milliarden Kubikmeter, d.h. 30 Kubikkilometer. Gefördert wurde v.a. sehr gasreiches (rhyodazitisches) Magma, das beim Austritt so stark aufschäumte, das fast die gesamte Menge davon als Bims und Asche mit dem dreifachen Volumen ausgeworfen wurde.

Ein großer Teil der feinen Asche wurde dabei in einer gigantischen Eruptionswolke in bis zu geschätzt 36 Kilometern in die Stratosphäre befördert. Wahrscheinlich hat der Ausbruch durch die Verschmutzung der Stratosphäre durch feinste Aschepartikel und Gase zu globalen Klimaschwankungen geführt.

Asche und Bimsstein vom Minoischen Ausbruch findet sich noch heute im gesamten östlichen Mittelmeerraum. Sogar im Inlandeis von Grönland ist Asche von Santorin nachzuweisen. Auf Santorin selbt dagegen bedeckt der weiße Bimstein große Teile der Inselgruppe immer noch mit einer stellenweise bis zu bis zu 50 m mächtige Schicht.

Santorin wurde im Altertum schon Kallisti genannt, die "allerschönste". Danach trug sie den Namen Thera und schließlich seit der Zeit der Kreuzfahrer Santorin. Die Inselgruppe in der südlichen Ägäis ist ein besonderer Ort. Hier ereignete sich einst vor rund 4000 Jahren eine der schlimmsten Vulkankatastrophen, die die Menschheitsgeschichte je erlebt hat. Etwa um das Jahr 1645 v. Chr. erwachte der Vulkan,- wahrscheinlich nach einer jahrhundertelangen Ruhepause,- und kam in einem verheerenden Ausbruch wieder ins Leben.

Die sogennante Minoische Eruption zerstörte eine reich besiedelte blühende Insel und verwüstete ihre Umgebung. Noch heute kann man mit bloßem Auge eine der Auswirkungen dieses Ausbruchs nachvollziehen. Denn auch die Gestalt der Insel wurde durch den Ausbruch verändert. Einst hatte diese die Gestalt eines fast geschlossenen Rings, heute sind davon nur noch 3 Bruchstücken übrig geblieben.
Doch der Ausbruch zuerstörte nicht nur eine kleine Insel. Er hatte wahrscheinlich noch viel schwerwiegendere Folgen für den gesamte östlichen Mittelmeerraum: Flutwellen, Erdbeben, Ascheregen, möglicherweise sogar globale Klimaschwankungen. Die Ereignisse führten zu Missernten, unterbrachen wichtige Handelsbeziehungen, es kam in der Folgezeit zu politischen und sozialen Umwälzungen. Man nimmt heute an, dass diese etwa 150 Jahre nach dem Ausbruch darin gipfelten, dass das Volk der Minoer auf Kreta von fremden Einwanderern vertrieben wurde und ihre hochstehende Kultur auf einen Schlag fast spurlos verschwand.

Der Minoische Ausbruch machte Geschichte und grub sich tief in das Gedächtnis des Abendlandes ein: Santorin - Mittelpunkt der Atlantislegende ?

Santorin, Akrotiri und der Mythos von Atlantis
Es scheint wahrscheinlich, daß die Minoische Eruption die Geburtsstunde des Mythos von Atlantis ist. Plato beschreibt uns in seinen Dialogen Timaeus und Kritias Atlantis als reiches Land, das durch den Zorn der Götter über den Hochmut seiner Bewohner schließlich ins Meer versenkt wurde. Bemerkenswert ist dabei die Behauptung, dass sich dieses an einem einzigen Tag und in einer einzigen Nacht abgespielt habe, was wissenschaftlich nur durch eine geologische Katastrophe zu deuten ist. Platons Bericht trägt darüber hinaus zahlreiche Züge, die gut zu Santorin und dem Minoischen Vulkanausbruch passen.

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Weiteren Anstoß zur Theorie, in Santorin und dem Minoischen Ausbruch den Ursprung der Atlantislegende zu sehen, gaben sensationellen archäologischen Entdeckungen. Schon seit etwa 150 Jahren wurden unter der Minoischen Asche immer wieder Reste von hochentwickelten Siedlungen gefunden. 1967 begannen schließlich systematische und gut finanzierte Ausgrabungen in Nähe der Ortschaft Akrotiri, wo Teile einer größeren bronzezeitlichen Stadt ans Licht gekommen sind, die oft als 2. Pompei bezeichnet wird. Neben einzelnen Häusern, bemalten Keramiken und Gräbern fand man vor allem wunderschöne Wandmalereien, die uns das Leben auf Santorin vor 4000 Jahren anschaulich werden lassen. Die meisten Originale der erstaunlichen Fresken befinden sich allerdings im Nationalmuseum in Athen,- einige jüngst entdeckten dagegen aber auch im neuen archäologischen Museum auf Santorin. Weiterhin gibt es seit einigen Jahren aber auch eine prachtvolle und sehr zu empfehlende Ausstellung von excellenten Reproduktion der Malereien im Konferenzzentrum Nomikos in Fira auf Santorin selbst.

Quellen:
http://www.decadevolcano.net
http://www.dieeiche.de
http://www.ajb-hennings.de
http://www.g-o.de

Shane
11.12.2003, 21:49
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