Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schweres Erdbeben im Iran
XJustinSaneX
26.12.2003, 21:45
Mindestens 15.000 Tote und Zehntausende Verletzte nach schwerem Erdbeben in Iran
Bei einem schweren Erdbeben in Iran sind am Freitag nach Angaben aus iranischen Regierungskreisen mehr als 15.000 Menschen ums Leben gekommen. Sie wurden im Schlaf überrascht. Zehntausende Menschen wurden verletzt.
Mindestens 15.000 Menschen sind am frühen Freitagmorgen bei einem Erdbeben in Südiran getötet worden. Diese Zahl verlautete aus iranischen Regierungskreisen. Zuvor war von bis zu 6000 Toten die Rede gewesen. Viele Bewohner seien unter den Trümmern ihrer Häuser verschüttet worden, teilte der Gouverneur der Provinz Kerman, Mohammad Ali Karimi, mit.
Das Beben hatte eine Stärke von 6,3. Es ereignete sich gegen 05.27 Uhr Ortszeit (02.57 Uhr MEZ). Betroffen ist die Umgebung der Stadt Bam, rund 1000 Kilometer südöstlich von Teheran. In der Region seien alle Lehmziegelgebäude eingestürzt, berichtete das Fernsehen. In Bam selbst wurden 60 Prozent aller Gebäude zerstört. Die Zerstörungen in der 80.000 Einwohner zählenden Stadt überstiegen jede Vorstellungskraft, sagte Choschru.
Die historische Altstadt, die mit ihrer 2000 Jahre alten Zitadelle jährlich tausende Touristen anzieht, sei nahezu vollständig zerstört, sagte Karimi.
Blutspenden benötigt
Viele der Bewohner wurden im Schlaf von dem Beben überrascht und konnten sich deswegen nicht mehr retten. Die Behörden riefen zu Blutspenden auf. Die Regierung in Teheran bat das Ausland um Hilfe. Vor allem brauche man Spürhunde und Suchgerät. Zahlreiche Länder, unter ihnen auch Deutschland boten umfassende Soforthilfe an.
Die regulären Telefonverbindungen in die Umgebung von Bam sind durch das Erdbeben unterbrochen. Auch die Wasser- und Stromversorgung brach zusammen.
Schwerstes Erdbeben seit '98
Nach Angaben der Straßburger Erdbebenwarte handelt es sich um das schwerste Erdbeben in der Region seit 1998. In Iran bebt die Erde relativ häufig. Offiziellen Zahlen zufolge wurden seit 1991 bei knapp tausend Beben insgesamt 17.600 Menschen getötet und mehr als 53.000 verletzt.
Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) drückten der iranischen Regierung und den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme und Trauer aus. Sie sicherten deutsche Hilfe bei der Bergung der Opfer zu. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/266673.html
Und ein Bericht aus der FAZ:
Erdbeben
Die historische Stadt Bam gibt es nicht mehr
Von Rainer Hermann, Istanbul
26. Dezember 2003 Bei einem schweren Erdbeben im Südosten Irans sind nach Angaben von Mitarbeitern des Gouverneurs der Unglücksregion Kerman mehr als 20.000 Menschen getötet worden. Die bislang offiziell angegebene Zahl von 4.000 Toten könne sich vervielfachen, denn viele Verwundete seien schwer verletzt und es sei fraglich, wie viele die eiskalte Nacht überlebten. Mehr als 30.000 Verwundete lägen in den Krankenhäusern, dies seien die amtlichen Angaben. Ein Parlamentsabgeordneter aus der getroffenen Region Kerman hatte am Morgen nicht ausgeschlossen, daß die Zahl der Toten auf 10.000 steigen könnte. Das Erdbeben ereignete sich am Freitag morgen um 5.28 Uhr Ortszeit. Das Zentrum für Geophysik an der Universität Teheran gab die Stärke mit 6,3 an. Unterdessen ermittelte die Straßburger Erdbebenwarte eine Stärke von 6,6. Das Epizentrum des Bebens vom Freitag soll in einer Tiefe von 33 Kilometern gelegen haben.
Bam hat 80.000 Einwohner. Das staatliche iranische Fernsehen zeigte Straßenzüge mit eingestürzten Häusern. Nach Angaben des Fernsehens hat das Beben 90 Prozent der Stadt Bam zumindest beschädigt. Zerstört wurden drei Viertel der Gebäude, darunter die zwei Krankenhäuser, was die medizinische Betreuung der Verletzten erheblich erschwert. Meist waren die Gebäude der Stadt aus Lehmziegeln errichtet worden und nur ein oder zwei Stockwerke hoch. Die malerisch gelegene Stadt war großzügig am Rande berühmter Dattelpalmenhaine gebaut worden. Der Gouverneur der Provinz Kerman, Mohammad Ali Karimi, sagte, das Erdbeben habe die Altstadt von Bam, die abseits der Neustadt liegt, zerstört. Sie galt als eine der wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten Irans.
Iran bittet um internationale Hilfe
Das Erdbeben hat die Telefonverbindungen und die Wasserversorgung von Bam und der umgebenden Dörfer zerstört. Der iranische Rote Halbmond hat Rettungsmannschaften mit Suchhunden aus mehreren nahe gelegenen Provinzen nach Bam geschickt. Viele Verletzte konnten in die Krankenhäuser der Provinzhauptstadt Kerman gebracht werden, zum Teil in Hubschraubern. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, nicht in die zerstörte Stadt zu kommen und nach Verwandten zu suchen, auf daß die Wege aus der Stadt für die Rettungswagen nicht blockiert würden. Aus Furcht vor den Nachbeben errichteten die Rettungseinheiten Zeltstädte für die Überlebenden außerhalb von Bam. In den Stunden nach dem großen Stoß waren mehrere Nachbeben von mehr als Stärke 5 gemessen worden. Zunächst rief Iran die einheimische Bevölkerung zu Blutspenden auf. Iran bat aber auch um internationale Hilfe. Vor allem würden Blut und Impfstoffe sowie Trinkwasser und Wasseraufbereitungsanlagen benötigt, hieß es in den iranischen Medien. Schon am Freitag entsandten die Türkei und Rußland Hilfsgüter nach Iran.
Wegen der Bauweise der Häuser fordern in den Provinzen Irans schon Erdbeben, die stärker sind als 5, unverhältnismäßig viele Opfer. Bahram Akascheh, Erdbebenfachmann der Universität Teheran, kritisierte, daß seine Landsleute zu wenig auf Erdbeben vorbereitet würden. Iran wird ständig von schweren Erdstößen heimgesucht. 1990 starben bei einem Erdbeben der Stärke 7,7 im Nordosten Irans 35.000 Menschen.
Aus Ziegelsteinen und Lehm erbaut
Ein schwerer Schlag ist für die iranische Tourismusindustrie die Zerstörung der historischen Stadt Bam. Nicht klar war am Freitag, ob unter den Toten auch ausländische Touristen sind. Meist übernachten Besucher des historischen Bam in den Hotels der Provinzhauptstadt Kerman. Die mittelalterliche Stadt, die von einer hohen, gezackten Umfassungsmauer umgeben und von einer mächtigen Zitadelle überragt war, hatte für viele iranische, aber auch einige internationale Filme eine imposante Kulisse gebildet. Gegründet wurde die Stadt vor mehr als 1.500 Jahren unter der iranischen Dynastie der Sassaniden. Der größte zuletzt noch erhaltene Teil stammte jedoch aus dem 16. Jahrhundert. Bam hatte nichts von seinem Zauber einer gut erhaltenen mittelalterlichen Stadt eingebüßt.
Auch das alte Bam war jedoch mit Ziegelsteinen und Lehm erbaut worden. Nur durch ein enges Tor im Süden der Anlage war die Stadt zu betreten. Danach verlor sich der Besucher - vorbei an einem alten Bazar und einer Karawanserei, an einer Moschee und an Ställen - im Labyrinth der längst nicht mehr bewohnten Straßen. Von der Spitze der Zitadelle aus hatte der Besucher einen unvergeßlichen Blick über ausgedehnte Dattelpalmenhaine sowie über die alte und die neue Stadt Bam, die nun beide Opfer des Erdbebens geworden sind.
Quelle: http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E81FA91B8DF6C447E8145309044ECE322~ATpl~Ecommon ~Scontent.html
XJustinSaneX
29.12.2003, 12:48
Bereits 25.000 Tote in Iran geborgen und beerdigt
Die Suche nach Überlebenden der Erdbebenkatastrophe in Iran soll im Laufe des Montags eingestellt werden. Mittlerweile seien 25.000 Tote geborgen und beerdigt worden, teilte die Provinzregierung mit.
Nach dem verheerenden Erdbeben in Iran sind bislang 25.000 Tote geborgen und begraben worden. Dies teilte die Regierung der Provinz Kerman mit. Rund 10.000 Einwohner der Stadt Bam und der Umgebung wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht.
Der iranische Innenminister Abdolwahed Musawi Lari kündigte am Sonntagabend an, dass man die Suche nach Überlebenden voraussichtlich im Laufe des Montags einstellen werde. Am Sonntag sei lediglich noch ein Verschütterter lebend geborgen worden, sagte ein Sprecher der lokalen Verwaltung, Asadollah Iranmanesch. Am Samstag waren es dagegen 150 gewesen.
Allerdings fand man bei Aufräumarbeiten Höhlen und Keller, in denen nun nach Überlebenden gesucht werde, sagte der Sprecher des Technischen Hilfswerks (THW), Nicolas Hefner.
Die Behörden der Provinz Kerman beklagten, dass Plünderer die Bergungsarbeiten behinderten. Iranische Sicherheitskräfte riegelten deshalb am Montag die Zugänge der am stärksten betroffenen Stadt Bam ab und nahmen verstärkte Kontrollen vor. Aus Furcht vor Epidemien soll Bam nach Behördenangaben im Laufe des Tages unter Quarantäne gestellt werden.
Mittlerweile seien in der Stadt 15.000 Zelte aufgestellt worden. Als nächstes müsse für Heizung gesorgt werden, so das THW. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/266873.html
Kaum noch Hoffnung auf Überlebende in Iran
Nach offiziellen Angaben sind mindestens 22.000 Menschen bei dem folgenreichen Erdbeben in Südiran ums Leben gekommen. Nur noch bis Montag haben Verschüttete die Chance, lebend geborgen zu werden. Ein Hubschrauber mit Hilfsgütern stürzte ab.
Das verheerende Erdbeben in Iran hat nach Angaben des Innenministeriums mit Sicherheit 22.000 Menschen das Leben gekostet. Andere Schätzungen gingen sogar von 40.000 Toten aus. Helfer aus aller Welt, darunter Experten aus Deutschland, suchten am Sonntag in der zerstörten Stadt Bam weiter nach Verschütteten. Die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, schwand jedoch stündlich.
Experten gehen zwar davon aus, dass von Trümmern begrabene Menschen bis zu 72 Stunden überleben können. Diese Frist läuft am Montagmorgen ab. Die Minusgrade der Nächte in Südiran verringern allerdings die Überlebenschancen.
150 Menschen lebend ausgegraben
Der iranische Innenminister Abdolwahed Musawi Lari sagte am Sonntag, die Suche werde weitergehen: «Wir haben die Hoffnung auf Überlebende nicht aufgegeben, und unser oberstes Ziel ist, sie zu finden.» Am Samstag wurden rund 150 Verletzte, darunter ein Kind, aus dem Schutt ausgegraben, wie ein Brigadegeneral der Revolutionären Garde sagte. Seinen Angaben zufolge erlagen rund 2.000 Menschen, die das Beben zunächst überlebt hatten, ihren schweren Verletzungen.
In Bam wurde unterdessen das Trinkwasser knapp, hungrige Einwohner plünderten die wenigen noch intakten Geschäfte. Innenminister Lari kündigte die Errichtung von 31 provisorischen Polizeiwachen an.
USA herzlich empfangen
Nach Rettungskräften aus Europa und den Nachbarländern Irans landeten am Sonntag auch vier amerikanische Militärmaschinen aus Kuwait in Kerman, das rund 190 Kilometer nördlich von Bam liegt. Ein US-Militärsprecher sagte, der herzliche Empfang habe alle Erwartungen übertroffen. Die USA haben vor 20 Jahren jegliche diplomatischen Beziehungen zu Teheran abgebrochen.
Nach dem Erdbeben öffnete Iran seinen Luftraum für alle Flugzeuge mit Rettungskräften oder Hilfsgütern. Seit Freitag landeten 45 ausländische Flugzeuge mit Rettungskräften und Hilfsgütern in Iran, wie die amtliche Nachrichtenagentur Irna am Sonntag berichtete.
Hubschrauber abgestürzt
Nach einer Hilfslieferung nach Bam ist am Sonntag ein iranischer Militärhubschrauber abgestürzt. Bei dem Unglück vier Kilometer von Bam entfernt kamen die beiden Piloten und ein dritter Insasse ums Leben, wie die studentische Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf einen Gouverneursvertreter der Provinz Kerman meldete. Die Ursache des Absturzes war zunächst unklar.
Der Hubschrauber der iranischen Marine sei nach der Auslieferung der Hilfsgüter auf dem Rückweg in die Hafenstadt Bandar Abbas gewesen. Nach offiziellen iranischen Angaben lieferten bis Sonntagabend 500 Flugzeuge und Hubschrauber Hilfsgüter in die Erdbebenregion oder transportierten Verletzte ab. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/266851.html
Bislang 15.000 Menschen nach
schwerem Erdbeben in Iran beigesetzt
50 Stunden nach dem Erdbeben gibt es kaum noch Hoffnung darauf, Überlebende bergen zu können. Die Zahl der Opfer ist noch immer unklar. Allein in der Stadt Bam wurden bislang 10.000 Leichen geborgen.
Nach dem schweren Erdbeben in Iran sind allein in der Stadt Bam bislang bereits mehr als 10.000 Leichen aus den Trümmern geborgen worden. Dies sagte Brigadegeneral Hasan Rastegarpanah von der Revolutionären Garde, der größten an den Rettungsarbeiten beteiligten Organisation. Von 7.000 lebend Geborgenen seien inzwischen 2.000 ihren Verletzungen erlegen.
Innenminister Abdolwahed Mussawi-Lari sagte, bislang seien etwa 15.000 Menschen beigesetzt worden. Die Zahl der Toten liege insgesamt bei mehr als 20.000.
Rund 50 Stunden nach dem Beben gibt es kaum noch Chancen, weitere Überlebende zu finden. Dennoch suchen Helfer unermüdlich weiter, teilweise mit bloßen Händen. Innenminister Abdolwahed Mussawi Lari sprach von einer «sehr schwachen» Hoffnung. Das Erdbeben sei eine «unermessliche Katastrophe». Bis zu 30 Prozent der Häuser in Bam seien «unbewohnbar oder gefährlich». Am Samstag und Sonntag konnten etwa 1000 Menschen lebend geborgen werden. Neben iranischen Einheiten sind Rettungsteams aus 21 Ländern in der Katastrophenregion im Südosten des Landes im Einsatz.
Rettungsarbeiten sollen eingestellt werden
Unterdessen ist auch das erste US-Flugzeug eingetroffen. An Bord waren Rettungshelfer und medizinisches Material. Die kanadische Regierung kündigte am Samstagabend eine Dringendhilfe für die Erdbebenopfer in Höhe von 750.000 kanadischen Dollar (knapp 462.000 Euro) an. Zudem sollen Hilfsgüter wie Decken, Geräte zur Trinkwasseraufbereitung, Stromgeneratoren und vorläufige Unterkünfte bereitgestellt werden.
Die Vereinten Nationen kündigten an, die Rettungsarbeiten würden noch am Sonntag eingestellt. Die Entsendung weiterer Bergungstrupps sei nicht erforderlich.
Die Nacht zum Sonntag konnten die meisten Bewohner von Bam in Zelten verbringen, während sie die erste Nacht nach dem Beben bei eisigen Temperaturen im Freien verbracht hatten. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/266800.html
IKRK richtet Luftbrücke nach Bam ein
Ab Montag soll es von Amman nach Bam eine Luftbrücke geben. Auf diese Weise sollen Hilfsgüter in die zerstörte Stadt gebracht werden.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat für Montag eine Luftbrücke von der jordanischen Hauptstadt Amman in das Erdbebengebiet in Iran angekündigt. Man habe eine Iljuschin-Transportmaschine gemietet, die von Amman aus chirurgische Geräte, Decken, Matratzen und Zelte nach Bam bringen solle, sagte ein Sprecher des IKRK.
35 Tonnen Hilfsgüter seien bereits eingeladen worden. Hilfsflüge nach Bam wurden außerdem von der iranischen Stadt Kermanschah aus gestartet. Dort befindet sich ein Hilfsdepot des IKRK, aus dem eigentlich Kriegsopfer in Irak versorgt werden sollten. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/266829.html
Spendenkonten:
Caritas International, Freiburg: Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00, Kontonummer 202, Stichwort: Iran Erdbeben
Diakonie Katastrophenhilfe, Stuttgart: Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70, Kontonummer 502 707, Stichwort: Iran Erdbeben
Deutsches Rotes Kreuz: Bank für Sozialwirtschaft (Sozialbank) Köln, BLZ 370 205 00, Kontonummer 41 41 41, Stichwort: Iran, Online-Spenden: www.drk.de
UNICEF: Bank für Sozialwirtschaft (Sozialbank) Köln, BLZ 370 205 00, Kontonummer 300 000, Stichwort: Erdbeben Iran
Quelle: http://www.netzeitung.de/deutschland/266734.html
XJustinSaneX
29.12.2003, 19:44
Mädchen lebend aus Trümmern in Bam geborgen
In Iran ist ein Mädchen drei Tage nach dem Erdbeben aus einem zerstörten Haus gerettet worden. Das Kind überlebte, weil sich ein Hohlraum gebildet hatte.
Drei Tage nach dem verheerenden Beben in Iran haben Helfer ein zwölfjähriges Mädchen aus den Trümmer geborgen. Es sei mit Sensoren aufgespürt worden, sagte ein iranischer Helfer. Sie habe ein gebrochenes Bein und sei bei der Bergung bewusstlos gewesen. Überlebt habe sie, weil das Dach nicht vollständig zusammengebrochen sei. Man habe sie in der Küche gefunden, im gleichen Haus habe man die Leichen einer Frau und eines Jungen entdeckt. In der Nähe des Kindes habe ein Teller Reis gestanden.
Die Rettungsarbeiten waren am Montagmorgen zumindest von Seiten des Technischen Hilfswerks (THW) bereits eingestellt worden, da man keine Hinweise auf Überlebende mehr hatte. Der Einsatz in Iran sei für die vielen internationalen Rettungskräfte außergewöhnlich hart, sagte der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Lübbo Röhwer. Auch Rettungskräfte, die schon Naturkatastrophen erlebt hätten, seien an solche Szenarien nicht gewohnt. Die Häuser seien durch die Leichtbauweise wie Kartenhäuser zusammengeklappt. Die Katastrophe habe alles dem Erdboden gleich gemacht. Besonders schlimm seien auch die niedrigen Temperaturen.
Hohe psychische Belastung
Auch der Sprecher des Technischen Hilfswerkes (THW), Nicolas Hefner, sagte, die psychologische Belastung sei extrem hoch. Die Mitarbeiter seien aber nicht zermürbt, da sie auf solche Situationen vorbereitet seien und schon ähnliche Erfahrungen gemacht hätten.
Am Sonntagabend hätten Helfer in Bam gegen 21 Uhr unter den Trümmern eines Backsteinhauses Lebenszeichen geortet, ein so genanntes Bioradar habe den Hinweis auf eine lebende Person unter den Trümmer gestützt. Trotz der intensiven Bergungsarbeit habe das Herz des Opfers etwa zwei Minuten vor der möglichen Rettung am Montagmorgen aufgehört zu schlagen, sagte Hefner.
Eine Sprecherin der Uno kritisierte, dass die Organisation der Hilfe vor Ort noch immer unzureichend sei. Sie sei aber zuversichtlich, das man die Probleme in den Griff bekommen werde, so Madeleine Moulin-Acvedo im ARD-«Morgenmagazin». (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/266938.html
Deutsche Helfer stellen Suche nach Überlebenden in Iran ein
Die deutschen Helfer in Iran haben ihre Suche eingestellt. Ohne Erfolg bemühten sie sich zuletzt, in der völlig zerstörten Stadt Bam weitere Verschüttete zu finden.
Drei Tage nach dem schweren Erdbeben in Iran haben die deutschen Rettungskräfte die Hoffnung Überlebende zu finden aufgegeben. Das Technische Hilfswerk (THW) stoppte am Montagmorgen die Suche, auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) und der Malteser Hilfsdienst riefen ihre Hundestaffeln zurück.
Die Helfer sollen am Dienstagnachmittag nach Deutschland zurückkehren. Frank Marx, einer der Malteser-Helfer in Bam sagte, «es ist sehr traurig, dass wir keine Personen retten konnten. Wir haben getan, was wir tun konnten». Es gebe derzeit keine Signale mehr, auch aus der Bevölkerung kämen keine Hinweise.
Noch am Sonntagabend hatten Helfer in Bam unter den Trümmern eines Backsteinhauses Lebenszeichen geortet. Trotz intensiver Bergungsarbeit habe das Herz des Opfers etwa zwei Minuten vor der Rettung am Montagmorgen aufgehört zu schlagen, sagten Helfer.
Am Montag hatten iranische Helfer ein kleines Mädchen bergen können, dass unter Trümmern eines Hauses überlebt hatte. Es war bei der Rettung bewusstlos.
Unterstützung für den Wiederaufbau
Bundesinnenminister Otto Schily entsandte am Montag weitere acht THW-Experten zur Installierung von Trinkwasseranlagen nach Iran. Damit helfen nun insgesamt 13 Experten vor Ort. Die Malteser flogen 1,8 Tonnen Medikamente nach Iran.
Auch das Entwicklungsministerium bot Unterstützung beim Wiederaufbau an. «Wir sind grundsätzlich dazu bereit, uns am Wiederaufbau zu beteiligen und den Menschen in der Region um Bam in dieser Situation zu helfen», sagte eine Sprecherin dem epd. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/266963.html
XJustinSaneX
30.12.2003, 08:31
Chatami: Wiederaufbau des zerstörten Bam binnen zwei Jahren
Die Stadt Bam soll nicht von der iranischen Landkarte verschwinden. Innerhalb von zwei Jahren werde man die Stadt wiederaufbauen, versprach Präsident Chatami. Bislang wurden in dem Erdbebengebiet 28.000 Tote aus den Trümmern geborgen.
Die historische Stadt Bam, die bei einem Erdbeben an Weihnachten dem Erdboden gleich gemacht wurde, soll wiederaufgebaut werden. «Die Stadt Bam muss wieder auf der iranischen Landkarte erscheinen», sagte der iranische Präsident Mohammed Chatami dem staatlichen Rundfunk zufolge. Diese Aufgabe werde man innerhalb von zwei Jahren bewältigen.
Der staatliche Rundfunk berichtete am Dienstag, bislang seien 28.000 Tote geborgen worden. Die Gesamtzahl der Toten wird auf 30.000 geschätzt. 2000 Menschen konnten lebend aus den Trümmern geborgen werden. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/267003.html
Erdbeben in Iran
Nur noch der Geruch des Todes
30. Dezember 2003 Die Hoffnung ist begraben: Im Südosten Irans gab es mehr als 72 Stunden nach dem schweren Erdbeben so gut wie keine Chancen mehr, Überlebende zu finden. Deutsche Helfer beendeten am Montag ihre Rettungsarbeiten. "Die Mannschaft und die Suchhunde sind am Ende ihrer Kraft", sagte Heinrich Ganß, Geschäftsführer des Technischen Hilfswerks (THW) in Darmstadt. 28.000 Tote wurden nach Behördenangaben schon beerdigt. Inzwischen konnten Telefon-, Strom- und Wassernetze zum Teil schon wieder hergestellt werden. Die Vereinten Nationen räumten aber ein, bei der Koordination der internationalen Hilfe gebe es Probleme.
Etwa 12.000 Verletzte mußten noch in den Krankenhäusern des Landes behandelt werden. Es wurde befürchtet, daß unter den Toten auch 8.000 Kinder sind. Ein kleines Wunder soll es am frühen Morgen gegeben haben: Wie das staatliche Fernsehen berichtete, konnten Helfer ein sechs Monate altes Baby aus den Trümmern retten. Es lag in den Armen seiner toten Mutter. Was mit jenen Kindern geschehen soll, die durch das Erdbeben vom Freitag ihre Eltern verloren haben, war noch unklar. Ersten Plänen zufolge sollen die Waisen erst in die Provinzhauptstadt Kerman gebracht und dann auf Heime verteilt werden, in der Hoffnung, daß sie Adoptiveltern finden.
500 Geistliche reisten nach Bam
Um die Toten, von denen einige am Montag morgen noch immer auf den Straßen lagen, in Würde und nach islamischem Ritus zu begraben, reisten 500 Geistliche nach Bam. Der Friedhof der Stadt, die vor dem Beben rund 100.000 Einwohner hatte, war überfüllt. Einige Leichname wurden aus der Not heraus in anonymen Massengräbern zugeschüttet. Nachdem deutsche Helfer am Sonntag abend Klopfzeichen gehört hatten, konnten zwei Verschüttete am Montag nur noch tot geborgen werden. Die Retter hatten die ganze Nacht hindurch gearbeitet. Die beiden Verschütteten starben aber während der Bergungsarbeiten. Im Dorf Berawat in der Nähe von Bam konnten nach Militärangaben noch 21 Personen lebend gerettet werden. Dort sollten fast 1900 Tote nach ihrer Identifizierung verbrannt werden.
Die Mitarbeiter des THW kehrten am Dienstag nach Deutschland zurück. Der Leichengeruch, der über der Stadt liege, stumpfe auch die Suchhunde ab. "Sie riechen nach einigen Tagen nur noch den Tod", sagte Geschäftsführer Ganß. Außerdem seien die Tiere nach mehreren Tagen ausgelaugt und durch das Graben an den Pfoten verletzt. Auch die Malteser und das Rote Kreuz gaben die Hoffnung auf Überlebende auf. Der Notfallmediziner Frank Marx vom Malteser Hilfsdienst sieht den Einsatz der deutschen Helfer trotzdem nicht als Fehlschlag. "Wir haben viel getan. Wir haben Tote geborgen, und auch das ist für die Angehörigen sehr wichtig."
"Es ist wie es ist"
Zudem seien sie nicht nur mit der Suche nach Opfern beschäftigt gewesen, es sei auch darum gegangen, Verletzten Erste Hilfe zu leisten. Die Erfahrung, daß sehr viele Menschen ums Leben kommen und nur wenige gerettet werden können, gebe es bei solchen Katastrophen immer. "Es ist wie es ist." Im völlig zerstörten Bam war die Hoffnung, Überlebende zu finden, von vornherein nicht groß. Die Häuser waren aus Ziegeln vergleichsweise lose gebaut und wurden deshalb zu Todesfallen für die Bewohner. "Die Trümmerhaufen sehen aus, als ob große Lastwagen Ziegelsteine abgekippt hätten", berichtete Duda. Die Zement- und Ziegelbrösel würden wie eine Flüssigkeit in noch vorhandene Hohlräume rinnen und sie verschließen. Es gab keine Betondecken, die Hohlräume bildeten, unter denen Bewohner hätten überleben und auf die Retter hätten warten können.
Im Krisengebiet geht es nun um die Versorgung der Verletzten und der Obdachlosen. "Wir sind ständig im Einsatz", sagte Marx. "Wir kümmern uns nun darum, daß die Hilfsgüter, die eintreffen, an die richtige Adresse kommen." Zelte werden aufgebaut, Trinkwasseranlagen in Betrieb genommen, Decken verteilt. An diese Phase der humanitären Hilfe wird sich in den nächsten Wochen und Monaten der Wiederaufbau anschließen. Das Deutsche Rote Kreuz wollte am Montag zwei mobile Gesundheitsstationen nach Iran bringen. Sie bieten über drei Monate Pflege, Impfungen und Geburtshilfe für bis zu 40.000 Patienten. Außerdem wurden 73 Helfer aus den Vereinigten Staaten erwartet.
Schwierig war die Arbeit auf dem Flughafen der Stadt: Großflugzeuge konnten ihn nicht anfliegen. Die Oberaufsicht bei der Koordination der Hilfe haben seit Sonntag die Vereinten Nationen, die jeder Hilfsorganisation einen Einsatzabschnitt in der Stadt zuwiesen. "Bislang ist die Organisation noch nicht zufriedenstellend", sagte die Sprecherin des Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe, Madeleine Moulin-Acevedo. Nach UN-Angaben waren 34 internationale Teams mit mehr als 1400 Mitarbeitern im Einsatz. Die iranische Regierung wollte noch zusätzlich 20.000 Freiwillige in die Region schicken.
Quelle: http://www.faz.net/s/RubB08CD9E6B08746679EDCF370F87A4512/Doc~E0E4A396C0D9B4E8BAB3C8775DBD3FF40~ATpl~Ecommon ~Sspezial.html
XJustinSaneX
02.01.2004, 17:50
Hilfe in Bam wegen Kälte immer noch schwierig
In Bam ist eine Versorgung der Verletzten immer noch schwierig. Vor allem die Kälte macht den Menschen in den Notunterkünften zu schaffen.
Eine Woche nach dem Erdbeben in Iran ist die Versorgung der Überlebenden noch immer schwierig. Helfer berichten, vor allem die Kälte erschwere die Situation. Richard Munz, Koordinator von Roten Kreuz und Rotem Halbmond sagte in Bam, er rechne damit, dass zunehmend Menschen an Lungenentzündung und Atemwegsinfektionen erkrankten.
Die niedrigen Temperaturen seien derzeit «die größte gesundheitliche Herausforderung», vor allem für Kinder. Laut Unicef vermissen zudem hunderte Kinder immer noch ihre Eltern. Da etwa 30.000 Menschen aus der Stadt geflohen seien, gestaltet sich die Zusammenführung überlebender Angehöriger schwierig.
Etliche Überlebende stehen nach Angaben von Helfern noch immer unter Schock. Sie seien in ihren Notunterkünften inmitten der Trümmer «nur schwer auffindbar», hieß es. Laut Unicef wurden mehrere mehr als tausend Kinder vorläufig in staatlichen Einrichtungen untergebracht. Viele seien schwer traumatisiert und nicht einmal in der Lage, ihren Namen anzugeben.
Das Rote Kreuz hat unterdessen ein erstes Hilfskrankenhaus in Betrieb genommen. Das Hospital bietet 250 Betten und drei Operationssäle. Zwölf ausländische und zwölf iranische Ärzte sind dort beschäftigt. Die Notklinik soll so lange arbeiten, bis ein neues Krankenhaus in Bam fertig gestellt ist. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/267317.html
US-Präsident Bush stellt Iran Bedingungen
Erwartungen, die Beziehungen der USA zu Iran könnten sich entspannen, hat Präsident Bush deutlich gedämpft. Teheran müsse zunächst Bedingungen erfüllen; darunter politische Reformen und die Auslieferung von Al-Qaeda-Mitgliedern.
US-Präsident George W. Bush ist nur unter bestimmten Bedingungen dazu bereit, die Beziehungen der USA zu Iran zu verbessern. Bush sagte am Donnerstag, dass sein Land derzeit zwar den Erdbebenopfern in Iran jegliche mögliche Unterstützung zu geben versuche. Das ändere jedoch nichts an der grundsätzlichen Kritik der US-Regierung an der iranischen Führung in Teheran.
Die Bedingungen der USA: Die iranische Regierung müsse inhaftierte Mitglieder des Terrornetzwerks Al Qaeda ausliefern, ihr Atomprogramm aufgeben und das Land demokratisieren, sagte Bush.
Der US-Präsident begrüßte, dass Iran die amerikanische Hilfe für das Erdbebengebiet akzeptiert hat. «Wir zeigen den Iranern, dass das amerikanische Volk Anteil nimmt, dass wir großes Mitleid für menschliches Leid haben,» sagte Bush. An Teheran gerichtet forderte er: «Die iranische Regierung muss auf die Stimmen derer hören, die sich nach Freiheit sehnen.»
US-Delegation nach Iran
Laut einem Bericht der «Washington Post» in ihrer Internetausgabe vom Donnerstag wollen die USA eine hochrangige Delegation nach Iran schicken, die sich vor Ort über die humanitäre Situation des Landes informieren soll. Dieser Delegation gehört demnach auch ein Mitglied der Familie Bush an.
Es wäre das erste Mal seit der Besetzung der US-Botschaft in Teheran 1979, dass der US-Regierung offiziell Iran besuchen. Iran habe auf den Vorschlag noch nicht reagiert, berichtete die «Washington Post» unter Berufung auf US-Regierungskreise.
Lockerung von Sanktionen
Vor zwei Jahren hatte Bush Iran zusammen mit Irak und Nordkorea als «Achse des Bösen» bezeichnet. In den vergangenen Tagen gab es jedoch Anzeichen dafür, dass sich die Beziehungen entspannen. Die USA entschieden, ihre Ausfuhrbestimmungen für Iran zu lockern und Sanktionen auszusetzen, um den Opfern der Erdbebenkatastrophe im Südosten des Landes zu helfen.
Für Lebensmittel- und Sachspenden müssen demnach über einen Zeitraum von drei Monaten keine Sondergenehmigungen mehr beantragt werden. US-Bürger und Nicht-Regierungsorganisationen dürfen die Hilfsmaßnahmen rund um die vom Erdbeben zerstörte iranische Stadt Bam finanziell unterstützen.
80 Amerikaner in Bam
Nach dem verheerenden Beben vor einer Woche helfen 80 US-Amerikaner in der Erdbebenregion beim Wiederaufbau. Der iranische Außenminister Kamal Charrasi würdigte die Lockerung der Sanktionen als positiven Schritt. Anfang der Woche hatte sich US-Außenminister Colin Powell dafür ausgesprochen, die Beziehungen zu Iran zu verbessern.
Seit radikal-islamische Studenten die US-Botschaft in Teheran ab November 1979 über ein Jahr lang besetzt hielten, gibt es keine diplomatischen Kontakte mehr zwischen beiden Staaten. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/267231.html
Hoyer kritisiert Spenden-Hotlines von ARD und ZDF
Der FDP-Vizefraktionsvorsitzende Hoyer klagt über Spendenaufrufe der öffentlich-rechtlichen TV-Sender: Mit kostspieligen Telefon-Hotlines würden die Zuschauer abgezockt.
Scharfe Kritik an den Spendenaufrufen in ARD und ZDF für die Erdbebenopfer in Iran hat der stellvertretende FDP-Bundestagsfraktionsvorsitzende Werner Hoyer in der Kölner Zeitung «Express» geübt. Dass die Zuschauer teuere Telefon-Hotline anwählen müssten, um die Nummern von Spendenkonten zu erfahren, sei ein Fall für die Regulierungsbehörde, sagte Hoyer.
«Ich finde es ärgerlich, dass die ungeheure Spendenbereitschaft der Menschen dazu missbraucht wird, über diese Hotlines abzukassieren - ähnlich wie bei den 0190er-Faxabrufnummern», beklagte Hoyer. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sollten entweder direkt die Kontonummern angeben oder auf ihre Teletext- und Internetseiten verweisen. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/medien/267217.html
XJustinSaneX
02.01.2004, 17:54
Erdbebengebiet Bam
Mohammed gibt auf
Von Bettina Schulz, Bam
02. Januar 2004 Tausende von Überlebenden haben die vom Erbeben zerstörte Stadt Bam in den vergangen Tagen verlassen. Nun packen auch die letzten Familien ihre aus den Trümmern geretteten Habseligkeiten zusammen und gehen. Die hygienischen Verhältnisse sind für die Zeltbewohner in Bam unerträglich geworden.
Neben den Zelten und in den Abwässergräben häuft sich der Müll. Es stinkt, weil die Menschen die Palmenhaine und Hausruinen als Toilette benutzen müssen. Fließendes Wasser gibt es auch nach einer Woche nicht. Alle Zeltbewohner fühlen sich verdreckt, haben eine Woche nicht duschen und waschen können, und dies in der staubverhangenen Luft der Wüstenstadt.
Eigenhändig ausgegraben
Mohammeds Wunden an den Händen haben sich infiziert, dort, wo die Gerölltrümmer der Zimmerdecke auf ihn fielen. Sein Vater Akbar hatte ihn eigenhändig ausgegraben und ihm so das Leben gerettet. Akbars Frau packt, denn sie wird mit ihrer Tochter zur Verwandtschaft in die Provinzstadt Kerman ziehen - wie es Tausende von Überlebenden tun. Den geretteten Hausrat stellt die Familie in Bam in einem Haus unter, das noch steht. Doch wohl ist es dem 22 Jahre alten Mohammed nicht, als er die Kisten mit einigen zerbrochenen Bildern und zerbeulten Küchenutensilien in das Haus trägt. Die Wände haben tiefe Risse, in einigen Zimmern ist die Decke eingebrochen, und über dem Eingang hängt noch die Hälfte des Balkons in der Luft.
Mohammed beeilt sich, denn immer noch erschüttern Nachbeben die Stadt, sind die Leute von einstürzenden Zimmerdecken erschlagen worden, gerade als sie ihren Hausrat retten wollten, um Bam zu verlassen. Dann faßt sich Mohammed ein Herz und beschließt, das Grab seines besten Freundes auf dem Friedhof zu besuchen, bevor die Familie die Stadt verläßt. Es ist Freitag, exakt eine Woche nach dem Beben, und der Friedhof am Rand von Bam ist voll mit Trauernden. An den Gräbern sitzen Frauen und weinen, schreien ihre Verzweiflung heraus und schlagen sich fassungslos an den Kopf. In der Nähe arbeiten Bulldozer und Planierraupen. Sie haben tiefe Massengräber ausgehoben. Staub und Verwesungsgeruch hängen über dem Friedhof, denn noch immer werden Verschüttete gebracht, die erst jetzt geborgen wurden. Noch eine Woche nach dem Beben stehen die Geistlichen der Moschee auf dem Friedhof und zitieren den Koran, während die Bestatter routiniert und schnell die Toten in weiße Leinen einwickeln. Hohe Ballen des Tuchs sind in der Nähe aufgestapelt.
Gräber kenntlich machen
Mohammed läuft ziellos zwischen den Gräbern herum und sucht. Angehörige haben Gräber kenntlich gemacht, um sie ihren Familien zuordnen zu können: mit einer schönen Fliese aus den Trümmern des Hauses oder mit Trümmersteinen, auf denen sie den Namen der Familie gekritzelt haben, oder sogar mit einem Teil einer besonders schönen zerbrochenen Glastür des Hauses. Mohammed versucht über sein Mobiltelefon Familienmitglieder des Freundes zu erreichen, denn wo soll er auf dem Massenfriedhof suchen? Aber er erreicht die Leute nicht.
Dann sucht er eben das Grab seiner Freundin - sie ist mit zwanzig Familienmitgliedern umgekommen - ein so großes Grab wird er bestimmt finden. Und so läuft er seufzend zwischen den Gräbern umher und überlegt, wie viele Meter ein Grab für zwanzig Menschen wohl breit ist, fünf Meter oder sieben Meter? Und welches dieser vielen so breiten Gräber ist es? Dies dort, auf das jemand so viele Gladiolen gelegt hat? Nein, es sind sechzehn Blumen. Oder das Grab daneben? Nein, da steht ein anderer Name am Grab.
Fragebogen über Überlebende und Tote
Mohammed gibt auf. Als er nach Hause zum Zelt seines Vaters kommt, steht ein Trupp des Roten Halbmonds vor dem Zelteingang und füllt einen Fragebogen aus: Wer lebt in diesem Zelt? Wie viele Überlebende gibt es? Tote in der Familie? Dann krakeln sie eine Registriernummer ans Zelt und gehen weiter, Straße um Straße durch die ganze Stadt. Sie sagen nicht, daß draußen vor der Stadt riesige Flüchtlingslager vom Iranischen Halbmond aufgestellt werden, und es gibt Gerüchte, die Stadt werde evakuiert.
Dann steht plötzlich eine malaysische Rettungsmannschaft vor dem Zelt mit Funktelefon, und sie will wissen, was Akbars Familie braucht. Es ist das erste Mal - sieben Tage nach dem Beben -, daß sich eine internationale Hilfstruppe aus dem Ausland vor dem Zelt sehen läßt. Und sie sagen, sie würden nicht mit den UN und dem Roten Halbmond zusammenarbeiten. Draußen vor der Stadt haben zig Hilfsorganisationen ganze Zeltlager errichtet und reden viel von ihren Hilfsmaßnahmen. Aber bei den Zelten von Akbar und seiner Nachbarschaft war davon die ganze Woche nichts zu spüren. Die einzige ausländische Hilfe, die Akbar sehen konnte, waren die Trupps der Spürhunde, die die Trümmer absuchten. Alle Zelte, Decken, Heizgeräte, Essen, Trinkwasser wurden vom Roten Halbmond Irans geliefert. Und alles, was in die Zelte kam, war aus Iran: eine Woche Thunfisch, Bohnen, Kekse und Fladenbrot. Daß es viele internationale Hilfsorganisationen gab und noch gibt, die mit Spendengeldern in dem Erdbebengebiet Bam tätig sind, haben die Menschen innerhalb der Trümmerstadt nicht mitbekommen.
Die Menschen verlassen Bam
Und so funken die Malaysier an ihre Zentrale, daß eigentlich Toiletten, Duschen und Ärzte in die Stadt müßten, um die Zelte zu versorgen. Aber vielleicht ist es überflüssig, denn die Menschen verlassen Bam ja schon - nur Akbar nicht. Er will bleiben, sitzt vor seinem Zelt, blickt auf die Trümmer seines alten Hotels und träumt von einem neuen
Quelle: http://www.faz.net/s/RubB08CD9E6B08746679EDCF370F87A4512/Doc~ED08288F2226645A0B05D47797DD3A7DB~ATpl~Ecommon ~Scontent.html
XJustinSaneX
03.01.2004, 10:38
Hilfe in Bam wegen Kälte immer noch schwierig
02. Jan 17:27, ergänzt 23:50
In Bam ist eine Versorgung der Verletzten immer noch schwierig. Vor allem die Kälte macht den Menschen in den Notunterkünften zu schaffen.
Eine Woche nach dem Erdbeben in Iran ist die Versorgung der Überlebenden noch immer schwierig. Helfer berichten, vor allem die Kälte erschwere die Situation. Richard Munz, Koordinator von Roten Kreuz und Rotem Halbmond sagte in Bam, er rechne damit, dass zunehmend Menschen an Lungenentzündung und Atemwegsinfektionen erkrankten.
Die niedrigen Temperaturen seien derzeit «die größte gesundheitliche Herausforderung», vor allem für Kinder. Laut Unicef vermissen zudem hunderte Kinder immer noch ihre Eltern. Da etwa 30.000 Menschen aus der Stadt geflohen seien, gestaltet sich die Zusammenführung überlebender Angehöriger schwierig.
Etliche Überlebende stehen nach Angaben von Helfern noch immer unter Schock. Sie seien in ihren Notunterkünften in den Trümmern «nur schwer auffindbar», hieß es. Laut Unicef wurden mehrere mehr als tausend Kinder vorläufig in staatlichen Einrichtungen untergebracht. Viele seien schwer traumatisiert und nicht einmal in der Lage, ihren Namen anzugeben.
Das Rote Kreuz hat unterdessen ein erstes Hilfskrankenhaus in Betrieb genommen. Das Hospital bietet 250 Betten und drei Operationssäle. Zwölf ausländische und zwölf iranische Ärzte sind dort beschäftigt. Die Notklinik soll so lange arbeiten, bis ein neues Krankenhaus in Bam fertig gestellt ist. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/267317.html
97-Jährige in Iran nach acht Tagen gerettet
03. Jan 16:01
Rettungskräfte haben in der von einem Erdbeben zerstörten Stadt Bam nach acht Tagen doch noch eine Überlebende gefunden. Die 97-Jährige war beinahe unversehrt.
Rettungskräfte haben in der iranischen Stadt Bam, die bei dem Erdbeben am 2. Weihnachtsfeiertag fast vollständig zerstört wurde, eine 97-Jährige Frau lebend aus den Trümmern geborgen. Umgefallene Möbelstücke hätten einen Hohlraum gebildet, in dem die Frau beinahe unversehrt überlebt habe, berichteten Mitarbeiter des Roten Halbmondes.
Obwohl die koordinierte Suche nach Überlebenden bereits eingestellt wurde, konnten in den vergangenen Tagen vereinzelt weitere Menschen gerettet werden.
Nach UN-Angaben wurden etwa 33.000 Menschen bei dem Erdbeben getötet. Der iranische Präsident Mohammed Chatami hatte die Zahl der Toten mit rund 40.000 angegeben. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/267382.html
XJustinSaneX
08.01.2004, 11:36
57-Jähriger in Bam aus Trümmern gerettet
08. Jan 10:57
Niemand glaubte, man könne noch Menschen lebend in den Trümmern von Bam finden. Nun, 13 Tage nach dem Erdbeben, wurde ein Mann in der iranischen Stadt gerettet.
In der iranischen Stadt Bam ist ein 57-jähriger Mann lebend gerettet worden. Helfer fanden ihn am Mittwoch unter den Trümmern eines Hauses. Sein Gesundheitszustand sei jeodch schlecht, hieß es im staatlichen Rundfunk.
Bei dem Erdbeben am 26. Dezember waren etwa 30.000 Menschen getötet worden. Wegen der Bauweise galt es schon kurz nach dem Unglück als unwahrscheinlich, noch weitere Überlebende zu finden. Wegen der großen Kälte war die Überlebenschance zudem als gering [sic!]. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/267953.html
Geretteter 57-Jähriger in Bam gestorben
11. Jan 09:11
Der Mann, der 13 Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Iran lebend aus den Trümmern geborgen worden war, ist nun doch gestorben. Er blieb bis zu seinem Tod bewusstlos.
Es war ein kleines Wunder gewesen: Am vergangenen Mittwoch war ein Mann lebend aus den Trümmern der bei einem Erdbeben zerstörten iranischen Stadt Bam gerettet worden. 13 Tage hatte er verschüttet überlebt. Nachdem man ihn ausgegraben hatte, sagte er noch seinen Namen, dann fiel er ins Koma.
Obwohl die Ärzte alles taten, um den 57-Jährigen zu retten, versagten nun sein Herz und seine Lunge. «Jeder hat geweint, als er starb», sagte der behandelnde Arzt Dr. Mahdi Schadnusch im ukrainischen Feldlazarett in Bam. Es sei wohl das Schicksal des Mannes gewesen, zu sterben. Dschalal Schahiki Tschahmaleki habe das Bewusstsein bis zu seinem Tod nicht wieder erlangt, sagte der Arzt.
Am Samstag sei er von seiner Frau besucht worden. «Sie weinte still, während sie ihren Mann zärtlich streichelte», sagte Schadnusch. Als sie von seinem Tod erfahren habe, sei sie in Ohnmacht gefallen.
Dschalal war nur zufällig in der Stadt, als diese am 26. Dezember durch das Erdbeben komplett zerstört wurde. Er stammte aus einem anderen, 60 Kilometer entfernten Ort. In Bam war er beim Arzt gewesen. Anschließend hatte er bei seiner Schwester übernachtet.
Bei dem Erdbeben waren in der gesamten Region mehr als 30.000 Menschen ums Leben gekommen. (nz)
Quelle: http://www.netzeitung.de/ausland/268338.html
Powered by vBulletin® Version 4.1.9 Copyright ©2012 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.