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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verlust der Lebenswelt



Aldo
02.01.2004, 13:41
Liebe Alle,

ermutigt durch die Ratschläge, die ich hier schon gelesen habe, möchte ich gerne etwas erzählen und fragen, ob ihr das auch kennt und was man da machen kann.

Ich bin ein eher zurückgezogener Typ, lese viel und treffe mich mit Freunden zum Kochen und Reden. Im Frühjahr habe ich eine Frau kennengelernt, die deutlich jünger war (25, ich 36) und die mit voller Wucht in mein Leben trat. Gleich bei der ersten Verabredung brachte sie ihre Gitarre mit, wir sassen im Park und haben Lieder gesungen. Es war das totale Glück, die Innigkeit, das Gefühl, füreinander geschaffen zu sein. So ging es in den Sommer. Dann fuhr sie für drei Monate nach Australien, was sie schon immer vorhatte, und als sie zurückkam, war sie wie verwandelt. Ihre Gefühle seien weg, ihr sei klar, dass ich ein zu melancholischer und passiver Typ sei, der zuviel nachdenkt und redet, anstatt zu handeln und Pläne umzusetzen.

Was ich hier anbringen will, ist nicht, dass ich sie vermisse und jeden Tag an sie denke (das tue ich auch), sondern dass mir zu allem Überfluß sehr zu schaffen macht, dass dieser Vorschein eines anderen für mich vorher unbekannten Lebens nun weg ist. Diese Spontaneität und Lebenslust, die den Sommer geprägt hat. Ich bin auch traurig, wenn ich mir vorstelle, wie sie nun mit ihren Freunden ohne mich, ihr Leben lebt und ihre Ziele so klar definiert und verfolgt, während ich dem Vergangenen nachhänge. Das scheint so zu sein, dass man in einer zu ende gegangnenen Beziehung auch den Vorschein eines anderen Lebens vermisst, die menschlichen Stärken eines Partners, Stärken, die man selbst nicht hat (und vielleicht auch gar nicht haben will?), was aber dazu führt, dass ich mich schlecht fühle.

Leider funktioniert es auch nicht, mir selbst nun Klarheit zu verschaffen, was ich für mich selbst will und vielleicht etwas aus dieser Zeit in mein jetziges Leben hinüberzuretten. Dazu denke ich zuviel über das Verlorene nach und beklage es. So sieht es aus. Und jetzt rede ich wieder davon ...

Kann mir jemand einen Tipp geben, kennt ihr sowas ähnliches auch?

Aldo

JoE101
02.01.2004, 13:57
Es werden andere kommen, die wieder Schwung in dein Leben bringen. Nur solltets du versuchen, auf die Menschen zuzugehen. Jede(r) ist ersetzbar, auch wenn man sich das nicht vorstellen möchte. Hattet ihr denn eine richtige Beziehung, oder hast du eine Freundin verloren? Sie steht mitten im Leben, in der Sonne, und brauchte dich vielleicht damals, um wieder zu sich zu finden.
Freue dich, dass du einen schönen Sommer hattest, schöpf daraus Kraft. Vielleicht schafft ihr es später mal eure Freundschaf zu reanimieren. Leg die Bücher weg, koche nicht mit Freunden zu Hause, gehe mit ihnen raus. Lebe! Denke nicht zu tiefsinning nach, was du falsch gemacht hast, denke nicht daran, ob du ein schlechter Mensch bist, der zuviel nachdenkt, denke nicht darüber nach, warum du ihr nicht auf die Art gefällst, wie du es gerne hättest. Du bist gut, so wie du bist, es wird die oder der kommen, der dich versteht. Und es werden viele schöne Sommer- und Wintermonate kommen.

joE

Aldo
02.01.2004, 19:32
Vielen Dank, JoE, vor allem, dass Du auf einen Aspekt hinweist, den ich nicht richtig gesehen habe, dass meine Ex-Freundin - auch wenn es nur kurz Zeit war - etwas in dieser Beziehung gefunden hat, was sie suchte und vom dem sie auch heute noch sagt, dass es gut war. Darüber kann man sich freuen und daraus Kraft schöpfen.

Es bleibt halt die Traurigkeit, eben nicht nur einen charkterlich tollen Menschen zu vermissen und vermissen zu müssen, eben auch der Frust darüber, selbst irgendwo unzulänglich zu sein, weil man die Dinge, die man mit Freude getan hat, alleine nicht so hinkriegt. Aber, das stimmt, da muss man sich selbst kümmern und aktiv werden, aber ich finde, einfach ist das nicht.

Liebe Grüße

Aldo

pfalzi
02.01.2004, 19:38
Nein, Aldo,

einfach ist es ganz sicher nicht. Mir geht es da wie dir..ich weiss das alles, aber ich kanns einfach nicht umsetzen in die Praxis..deshalb habe ich beschlossen, mir therapeutisch helfen zu lassen. Vielleicht wär das auch für dich ein Weg?

LG

Pfalzi

Aldo
02.01.2004, 19:53
Danke, Pfalzi, ich habe deine Geschichte gelesen, und es ist nicht leicht. So eine Therapie müsste dann das Ziel haben, seine eigenen Interessen und Ziele besser zu bestimmen. Dann kommt man erstens mit dem Alleinsein besser zurecht - und hat zweitens weniger Schwierigkeiten, auf andere Leute zuzugehen.

Alles Gute,

Aldo

pfalzi
02.01.2004, 20:00
Lieber Aldo,

genau das ist auch mein Ziel...mich selber lieben lernen, mich nicht mehr über andere zu definieren...lernen, mit mir allein glücklich zu sein

Pfalzi

Endara82
03.01.2004, 00:20
... es ist nie zu spät sich zu ändern ... und schaffen kann man´s auch...

In deinem Beitrag spürt man ganz deutlich die Sehnsucht nach Verrücktheit, Spontaneität und Lebenslust, das hat wahrscheinlich nicht mal so viel mit dieser bestimmten Frau zu tun, sie hat dir nur den Weg gewiesen...

Also, pack es an!