Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wo geht die Liebe hin?
Sterntalerin
04.01.2004, 17:59
Hallo Ihr,
ich habe vor drei Monaten einen Mann kennengelernt, wir haben uns sofort supergut verstanden und er ist bereits nach kurzer Zeit bei mir und meinem 9-jährigem Sohn eingezogen, obwohl er eine eigene Wohnung hat. Das Zusammenleben verlief sehr positiv, wir schmiedeten Zukunftspläne, er stellte mich seinen Eltern vor, wir planten sogar, ein gemeinsames Kind zu bekommen.
Als ich dann jedoch irrtümlicherweise, aufgrund eines falschen Testergebnisses glaubte, schwanger zu sein, zog er nach einem Streit ganz plötzlich bei mir aus. Das war vor einer Woche.
Vor drei Tagen, als ich ihm seine restlichen Sachen brachte, lud er mich zum Essen ein und bat mich unter Tränen, ihm "ein bißchen Zeit" zu geben. Er küßte mich mehrmals innig zum Abschied, rief mich auch vorgestern Abend an und erzählte was er tagsüber gemacht hatte. Aber gestern und heute hat er sich nicht bei mir gemeldet, obwohl Wochenende ist
Er lebt erst seit 4 Monaten getrennt von seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern. Er und seine Frau sind seit vier Jahren zusammen. Im letzten Monat hatte er häufig Kontakt zu seiner Exfamilie, er richtete den dreien sogar tagelang die neue Wohnung ein.
Meiner Meinung nach kann er sich nicht lösen aus dem (Verantwortungs)-Gefühl seiner Exfamilie gegenüber. Seine Frau ist Ausländerin und hat hier in Deutschland keine Kontakte und keine Unterstützung.
Neben all dem Schmerz, den ich nur mit gutem Rotwein ertragen kann, stellen sich mir auch Fragen:
1. Wie lange ist "ein bißchen Zeit geben"?
2. Soll ich nochmal auf ihn zugehen? Ihn einfach anrufen oder ihn einfach mal ganz
in Ruhe lassen?
und 3. und das ist die traurigste Frage: Wo geht die Liebe hin??? Fällt sie einfach über den Rand der Erde?
Wie kann soviel Liebe, soviel Austausch, so viel Schönes plötzlich nichts mehr zählen?
Wäre sehr dankbar um jede Antwort von Euch.
03.01.2004, 20:09
Hallo Sterntalerin,
wie lange ist ein bisschen Zeit? Zeit ist relativ und nicht einzuschränken. Ich denke er ist einfach momentan etwas überlastet gewesen und muss sich wieder selbst finden. Den Weg finden den er weitergehen will. Lasse ihm die Zeit die er braucht. Das zeigt ihm das Du seine Entscheidung respektierst und ihn nicht zwingen willst.
Die Erde ist rund, deshalb wird Deine Liebe nirgends runterfallen. Sie ist da und wird bestehen. Glaube daran, sei stark und versuche ihn ein wenig zu verstehen. Er wird es zu schätzen wissen, nachdem wie er Dich verabschiedet hat.
Ich wünsche Dir viel Glück und das alles gut wird.
Ciao
yellow-moon
einsamkeit
04.01.2004, 19:04
hi,
also um ehrlich zu sein habe ich den eindruck, dass ihr die dinge gewaltig überstürzt habt. soll jetzt ehrlich kein vorwurf sein oder so, aber er ist gerade aus seiner ehe raus und nen monat später kommt ihr zusammen und zieht auch gleich zusammen und dann plant ihr schon ein kind uswusf...
soviel in so kurzer zeit aufzubauen und des ganze auf dem wackligen grund einer gerade gescheiterten ehe (die vielleicht gar nicht 100%ig gescheitert ist) geht einfach fast immer schief. dieses ganze innerliche chaos hat ihn jetzt eingeholt und das muss er nun erstmal klären. für sich.
an deiner stelle würde ich ihn nochmal kontaktieren und ihm sagen, dass du ihm die zeit geben wirst, die er braucht, um die dinge zu klären, die er klären muss, dass du da bist, wenn er mit dir reden möchte, dass du aber genauso akzeptierst, wenn er abstand braucht...
und für dich kann ich nur erjas tipp wiederholen: behalte deine kräfte zusammen und nutze sie, gehe möglichst viel nach draußen und tu was für dich...
lg
p.s.: @erja: schön dich doch noch bisschen zu lesen ;)
Sterntalerin
04.01.2004, 19:39
Hallo Einsamkeit,
das Zusammenwohnen war nicht geplant, es hat sich einfach so ergeben, weil wir uns eben sehr gut verstanden haben und uns einfach abends nicht mehr trennen wollten. Auch praktische Gründe spielten mit: Der Fahrtweg von meiner Wohnung aus zu seiner Arbeitsstelle ist um circa 25 km kürzer als der von seiner Wohnung aus dorthin. So ist mein Ex -Liebster halt einfach jeden Tag nach der Arbeit bei mir geblieben und schwupps wohnten wir zusammen, ohne es vorher besprochen zu haben. Es lief ja auch erstmal wirklich sehr gut. Auch mein Sohn war begeistert davon.
Das mit dem Kinderwunsch war wirklich gewaltig überstürzt, das sehe ich jetzt auch so. Aber da ich sowieso Probleme mit meiner Fruchtbarkeit habe, rechnete ich auch nicht damit, bald schwanger zu werden.
Herzlichen Dank Dir und Erja für Eure Antworten.
Sterntalerin
04.01.2004, 20:26
Hallo Erja,
ich denke, daß seine Gefühle von Angst und Schuld überlagert sind. In jede Richtung.
Ist hochinteressant, daß Du das sagst. Denn bei unserem letzten Treffen am Donnerstag, das immerhin 3 Stunden lang dauerte, erschien mir mein Ex-Liebster sehr traurig, aber auch schuldbewußt und verlegen.
Sterntalerin
04.01.2004, 22:48
Ach Erja,
das klingt so gar nicht ermutigend oder gar hoffnungsvoll.
Ihn gehen lassen... das ist so schwer.
Und: Wäre dieser verflixte Frühschwangerschaftstest nicht gewesen, der ein falsches Ergebnis angezeigt hat, dann wäre wohl auch nicht diese Panik-Flucht-Reaktion bei ihm ausgelöst worden...
Aber ich sehe schon auch, daß er gefühlsmäßig noch sehr an seine Exfamilie gebunden ist, und sei es auch nur aus Verantwortungsgefühl heraus.
Das Schlimmste ist, daß ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder an eine Beziehung geglaubt habe, an diese Beziehung, zu diesem Mann. Er war mir so ähnlich, einfach total seelenverwandt. So vieles hat gestimmt.
Wie soll ich mich jemals wieder mit einem "normalen" Mann "bescheiden", nach all diesen Meditationen, Gesprächen, Lachen, Tiefsinn mit ihm?
Mein Liebeskummer wird vorbeigehen, irgendwann, das weiß ich aus Erfahrung. Aber daß mein Glaube an Beziehungen jemals wiederkehren wird, das bezweifle ich sehr.
Ich bin 45 Jahre alt, hatte bereits diverse Beziehungen, doch nie war mir ein Mann so viel Gegenüber wie er.
Dieses Wissen in meinem Kopf macht mich unsagbar traurig, das ist noch viel, viel schlimmer als der Schmerz in meinem Herzen (und der ist wirklich schon heftig genug!)
einsamkeit
04.01.2004, 23:02
hi du,
dieses gefühl kenne ich durchaus gut (hab den nick ja net zufällig gewählt).
lass mich hier eine kleine geschichte erzählen.
Die Geschichte von der Traurigkeit
Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.
Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: „Wer bist du?“
Zwei fast leblose Augen blickten müde auf: „Ich? Ich bin die Traurigkeit“, flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war.
„Ach, die Traurigkeit!“ rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
„Du kennst mich?“ fragte die Traurigkeit mißtrauisch.
„Natürlich kenne ich dich. Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet.“
„Ja aber....“argwöhnte die Traurigkeit,“ warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?“
„Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will. Warum siehst du so mutlos aus?“
„Ich....ich bin traurig“, antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme. Die kleine, alte Frau setzte zu ihr.“ „Traurig bist du also“, sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf: „Erzähl mir doch, was dich so bedrückt.“
Die Traurigkeit seufzte tief: Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht.
„Ach, weißt du“, begann sie zögernd und äußerst verwundert, „es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen.
Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest.“ Die Traurigkeit schluckte schwer.
„Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lächeln führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht: Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen. Man muß sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie nichts fühlen müssen.“
„Oh, ja“, bestätigte die alte Frau, „solche Menschen sind mir schon oft begegnet.“
Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. „Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde und das tut weh. Aber nur, wer die Trauer zuläßt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, daß ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu.“
Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.
Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlte, dachte sie und streichelte zärtlich das bittere Bündel. „Weine nur, Traurigkeit“, flüsterte sie liebevoll, „ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt“.
Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin. „Aber..aber – wer bist du eigentlich?.
„Ich?“ sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. „Ich bin die Hoffnung“.
Inge Wuthe
nun passt diese geschichte vielleicht nicht zwingend auf deine situation, weil du ja nicht der traurigkeit als gefühl ins auge siehst, sondern weil du meinst eine rationale gewissheit zu haben. aber lass dir gesagt sein: hoffnung existiert immer, auch für die arme kleine gestalt der traurigkeit. auch wenn dir das nicht gleich hilft, behalte diesen gedanken immer im herzen...
und zu der sache mit dem falschen test: das war vielleicht noch die beste wendung, die die sache nehmen konnte, denn dieser umbruch wäre so oder so gekommen, nu vielleicht etwas später und leichter wäre es dann sicherlich nicht gewesen...
*drückdich*
lg
Liebe Einsamkeit, ich habe aufgrund der Forumsregeln bezgl. der Quellenangaben den Namen der Autorin noch eingefügt. Lieber Gruß :-) Erja/<mod
Frau ohne Namen
04.01.2004, 23:07
Hallo Sterntalerin,
vor einem Jahr konntest du dir noch nicht vorstellen, daß es jemanden wie ihn überhaupt gibt, oder? Genauso kannst du dir jetzt nicht vorstellen, was noch alles kommen kann.......
Kurz dazu ein Zitat von Rilke:
"Man muß nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch, oder eine Freude oder ein Glück; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muß, fällt ab; was zu uns gehört, bleibt bei uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die größer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muß in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Möglichkeiten, Weiten und Zukünfte, denen gegenüber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt."
Sterntalerin
04.01.2004, 23:26
Hallo Einsamkeit, Hallo Frau ohne Namen,
ganz lieben Dank für die Geschichte, das Zitat und Eure aufmunternden Worte.
Irgendwann wird sicher auch bei mir wieder etwas Zuversicht, Mut, Hoffnung und Lebensfreude aufkommen, aber im Moment bin ich wirklich ganz arg traurig.
Und immer noch frag`ich mich, wo die Liebe hingeht, seine Liebe zu mir.
Und woran ich überhaupt noch glauben kann, nach so ner Erfahrung.
Naja, für heute hab`ich jedenfalls genug im Selbstmitleid gebadet, werde jetzt mal versuchen, mit dem Weinen aufzuhören...
Ich bin jedenfalls unheimlich froh, dieses Forum hier gefunden zu haben, Danke an alle.
hallo sterntalerin!
ich sehe es genauso wie die anderen.
ihr habt die bisherige zeit eurer beziehung sehr intensiv miteinander verbracht, sodass er über seine letzte partnerschaft nicht nachdenken musste. doch dies ist nun für ihn dringend an der zeit und diese musst du ihm geben - es bleibt dir leider keine andere wahl. ich denke, dass du bestimmt nur eine beziehung führen willst, wenn dein partner zu 100% zu dir steht.
dir bleibt nun leider keine andere wahl als abzuwarten und dass das die reinste qual ist, wissen wir hier leider alle zu genau. sterntalerin - überlege dir, ob er es "wert" ist, auf ihn zu warten und freunde dich trotz aller hoffnung mit den gedanken an, dass vielleicht alles ganz anders kommt. es kommt eine schwere zeit auf dich zu. er ist verwirrt und wird immer wieder vor dir stehen, dich um zeit bitten, um weitere chancen, um was auch immer. aber die zeit wird klarheit bringen.
sterntalerin - wir sind für dich da, jederzeit.
ich wünsche dir viel kraft!
liebe grüße
thekla
Sterntalerin
05.01.2004, 11:56
Hallo Erja, hallo Thekla,
herzlichen Dank für Eure einfühlsamen und klugen Antworten. Es hilft mir sehr, mit Euch zusammen eine Erklärung zu suchen für sein Verhalten.
Zum besseren Verständnis noch ein paar Fakten: Die Trennung im August ging, zumindest nach seiner Einschätzung, von beiden Seiten aus. Sowohl seine Frau als auch er waren nach vielen vorangegangenen Auseinandersetzungen und Streiterein beim Anwalt um, unabhängig voneinander, die Scheidung einzureichen.
Seine Frau zog daraufhin mit den Kindern aus der gemeinsamen Wohnung aus und tauchte erst mal für einige Wochen mit unbekannter Adresse unter.
So war in den ersten 4 Wochen unserer Beziehung die Exfamilie einfach nicht präsent.
Dann, im Dezember, bezog die Familie eine neue Wohnung und mein Ex-Liebster half erst mal 6 Tage lang diese einzurichten. Sauste sofort nach der Arbeit hin, kam pünktlich abends zu mir, zerrieb sich also zwischen den einzelnen Ansprüchen.
Ich motzte nur dezent, da er mir ständig schilderte, wie schlecht seine Frau alleine mit den Kindern zurecht kam. Die Wohnung noch nicht fertig eingerichtet, der Haushalt ein Chaos, finanzielle Schwierigkeiten. Er mußte ihr einfach helfen und helfen und ordnen, das kann er wirklich gut. Aber er beteuerte auch immer wieder, keinesfalls zu ihr zurückgehen zu wollen und ich, eingehüllt in seine Liebe, glaubte ihm das auch.
Er ist auch bisher nicht zu ihr zurückgegangen, ich sehe sein Auto abends brav vor seiner Wohnung stehen.
Aber ich weiß schon, daß es sich hier mehr um den inneren Prozeß der Ablösung handelt, weniger um den äußeren.
Klar werde ich erst mal auf ihn warten, bin sowieso grad zu nix anderem in der Lage!
Es war wirklich etwas ganz Besonderes zwischen uns, nicht vergleichbar mit meinen anderen Beziehungen. So viel Austausch, so viel Nähe, so viel ähnliche Denkstrukturen. Unsere Seelenverwandtschaft hat uns wirlich oft verblüfft. "Warum bist Du nur so eine Kopie von mir?" hat er mal lächelnd gesagt.
Deshalb ist es ja auch so schlimm.
einsamkeit
05.01.2004, 16:11
Original von Sterntalerin
Unsere Seelenverwandtschaft hat uns wirlich oft verblüfft. "Warum bist Du nur so eine Kopie von mir?" hat er mal lächelnd gesagt.
hi,
leider klappt es gerade bei solchen seelenverwandschaften nicht immer unbedingt mit einer beziehung. zwischen mir und der person meines letzten großen kummers war es auch so gewesen. wir hatten uns in die augen gesehen und gewusst, was der andere denkt, haben mehrmals täglich in unterhaltungen genau das selbe genau gleichzeitig gedacht uswusf... leider hat es nicht zu einer beziehung gereicht und nun hat sie einen andern und ist mir geistig bei weitem nicht mehr so nah...
aber es bringt nichts, sich an die alten zeiten zu klammern, sondern es gilt nach vorne zu sehen und sich an den schönen zeiten die man hatte zu erfreuen. sei also dankbar für die schönen erinnerungen, ohne dich daran zu fesseln und behalte die gewissheit, dass es solche seelenfreunde gibt...
lg
Sterntalerin
05.01.2004, 23:42
Hallo Erja,
In diesem Fall drängt sich mir eine gewisse Vorstellung auf.
lach, welche Vorstellung drängt sich Dir denn auf? Ne, die Exfrau ist nicht aus Thailand, sondern Europäerin.
Mir geht es heute Abend zu meinem eigenen Erstaunen ziemlich gut. Ich habe ihn nicht angerufen und spüre ganz deutlich, wie sich, zumindest bei mir, einiges innerlich entspannt. Bin der Meinung, wir müssen jetzt beide erst mal zur Ruhe kommen. Ist nicht der richtige Zeitpunkt für Smalltalks. Und Fragen habe ich derzeit auch keine an ihn, die habt ihr mir und ganz besonders Du Erja, sehr hilfreich hier beantwortet.
Ich merke, wie ich wieder ein bißchen Kraft schöpfe und sende ganz aufrichtig gute Gedanken an ihn, spüre auch, wie sie ankommen und dankbar angenommen werden.
Hab`komischerweise überhaupt kein Bedürfnis, ihn anzurufen, obwohl ich natürlich pausenlos an ihn denke und bin auch schon tagelang nicht mehr zu seiner Wohnung gefahren.
Und bin mir vom Gefühl her ganz sicher, daß diese Phase des beidseitigen Rückzugs unabdingbar ist, wenn unsere Beziehung überhaupt noch eine Chance haben soll. Das fühle ich ganz klar.
Und was mich unheimlich stützt und aufbaut, ist einfach die Auseinandersetzung mit Euch in diesem Forum hier. Danke.
Sterntalerin
06.01.2004, 19:25
Hallo Erja,
ganz herzlichen Dank für Deine Antwort.
Mir geht es heute richtig gut, ich habe einen sehr schönen Nachmittag bei einer Freundin verbracht.
Noch ist die Zeit nicht reif, mit meinem Ex-Liebsten real in Kontakt zu treten, aber ich spüre viel Herzensverbindung mit ihm.
Was gut ist, wird bleiben im Leben.
Und ...wow....es tut einfach soooo gut, wenn der Schmerz nachläßt!
Danke, daß ihr hier für mich da seid.
Liebe Grüße
Sterntalerin
Sterntalerin
09.01.2004, 21:01
Hallo Erja, hallo Ihr,
hmm, da gibt´s nicht allzuviel zu sagen. Ich denke, er ist zu seiner Familie zurückgekehrt. Jedenfalls meldet er sich nicht mehr bei mir und war gestern Abend auch telefonisch zuhause nicht erreichbar, sein Handy war ausgeschaltet. Da muß ich doch nur eins und eins zusammenzählen!
Komisch, da ist zwar noch Bedauern in mir, aber kein Schmerz mehr und schon viel, viel weniger Traurigkeit. Und heute hat mich, bei strahlendem Sonnenschein und einem harten Verhandlungsgespräch ganz plötzlich ein längst vergessenes Gefühl überrollt: Das Gefühl von wilder Lebensfreude!
Er ist bei seiner Familie.
Er tut, was er tun muß.
Er ist da, wo es ihn hinzieht.
Und es ist gut so.
Ich kann auch glücklich sein, ohne ihn. Ich habe mir geschworen, aus jedem meiner kommenden Tage so viel Glück und Zufriedenheit zu pressen, wie nur möglich.
Nein, keine Wut auf ihn, sondern wirkliches Verständnis für seine Situation. Erja, Du hast Recht gehabt: Er ist noch lange nicht bereit für eine neue Liebe.
Er hat es wohl wirklich ernsthaft mit mir versucht, aber diese unerledigten Geschäfte zuhause haben ihn zurückgetrieben.
In Wirklichkeit war er niemals wirklich verfügbar, niemals frei. Wir hatten diese geschenkte Zeit von vier Wochen, bevor seine Frau wiederaufgetaucht ist, das war vermutlich unser Glück damals. Sonst wäre alles schon viel schneller zerborsten.
Seltsam, er ist schon so weit weg für mich. Sein Bild verblasst, selbst seine eindringliche, schöne Stimme klingt mir nicht mehr im Ohr. Es war wie eine Fatamorgana: sehr schön und auch sehr schnell vorbei.
Ich werde nicht um ihn kämpfen. Und er wird nicht zurückkommen.
Wir sind vom selben Sternzeichen: Löwen. Die machen keine Kompromisse, keine halben Sachen. Die gehen aufrecht, mitten hindurch. Bis zum bitteren Ende.
Ich weiß, daß er nicht anders handeln konnte. Das macht es so viel leichter für mich. Auch wenn es unendlich schade ist, daß unsere Liebe an seiner Ehe scheiterte, weil diese Ehe aller Wahrscheinlichkeit nach nur wenig Chancen hat. Aber ich denke, es zieht ihn wohl auch ganz stark zu seinen Kindern zurück.
Egal. Er tut, was er tun muß. Hat sich wochenlang zwischen zwei Familien aufgerieben und sich nun für seine eigene entschieden. Ich verstehe und akzeptiere seine Entscheidung.
Sterntalerin
17.01.2004, 20:09
Ich glaub` ich muß mal updaten...
Ich habe mich nämlich geirrt: Mein Exgeliebter ist doch nicht in den Schoß seiner Exfamilie zurückgekehrt, sondern hat mittlerweile seine neue Wohnung bezogen. Das habe ich anhand seines Autoparkplatzes rausbekommen.
Zwei Wochen war nun Funkstille zwischen uns. Kann ungünstig sein, wenn man vom selben Sternzeichen ist.... Löwen sind stolz.
Es war eine ganz schlimme Zeit für mich. Dieser Liebeskummer hat sich nämlich fatalerweise auf 3 Ebenen gleichzeitig bei mir abgespielt: Im Gefühl, im Hirn und als fortlaufender Film vor meinem inneren Auge.
Herzschmerzen, Trauer, Fragen, Selbstvorwürfe, ständige Erinnerungsflashs.
Das totale Waterloo.
Nur Sehnsucht hatte ich keine, Gott sei Dank. Auch kein Bedürfnis danach, ihn anzurufen.
Ich hätte auch noch ein paar Wochen länger warten können, aber ich wollte endlich abschließen können. So habe ich ihm einen netten, lockeren Brief geschrieben und er hat prompt angerufen.
Wir haben lange telefoniert und er hat von sich aus einen neuen Anruftermin mit mir in zwei Tagen vereinbart. Beim Telefongespräch jammerte mir mehr oder weniger die Ohren voll, wie schlecht es ihm im Allgemeinen geht. Und fragte ganz schuldbewußt nach meinem Befinden und dem meines Sohnes.
Ich freu mich jetzt einfach total, daß wir wieder Kontakt hatten.
Man muß wissen, daß er noch nie eine Beziehung ohne Zusammenwohnen geführt hat, er hat also keinen Plan, keine Vorstellung von einer solchen Beziehung. Ich hab`so viel Angst herausgehört hinter seinen Worten heute...
Ich glaube, er und ich müssen noch viel, viel lernen. Müssen die Leichtigkeit wiederfinden, ohne gegenseitigen Besitzanspruch.
Im Moment denke ich mir: Wir haben doch alle Zeit der Welt. Nichts treibt uns. Überstürzt haben wir eh schon genug...jetzt lassen wir es einfach langsam wachsen und reifen.
Und falls es nix mehr mit uns werden sollte , dann hätte ich wenigstens beim Kontaktien mit ihm die Chance, den Mann kennenzulernen, in den ich so sehr verliebt war. Diesen Menschen wirklich kennenzulernen. Das gäbe mir dann Antwort auf viele Fragen, warum es nicht funktioniert hat mit uns etc.
Aber im Moment finde ich es nur superschön, daß es da ist, in der Wiege, das "Kind ohne Namen", das weder Beziehung noch Freundschaft heißt sondern einfach werden darf, was es will.
Und zum Glück gibt es ja auch noch dieses Forum hier, das mich auffängt, wenn ich falle. Danke.
Liebe Sterntalerin,
ich freue mich sehr für dich, dass du einen Weg mit ihm gefunden hast, der dir gut tut....ich hoffe, das bleibt auch so und du kannst deinen Vorsätzen treu bleiben.
Aber im Moment finde ich es nur superschön, daß es da ist, in der Wiege, das "Kind ohne Namen", das weder Beziehung noch Freundschaft heißt sondern einfach werden darf, was es will.
Das werde ich mir mal hinter die Ohren schreiben....denn genau mit diesem Thema habe ich zu kämpfen. Aber du hast Recht, genau wie einem richtigen Kind sollte man dem, was zwei Menschen verbindet, nicht immer unbedingt einen Stempel aufdrücken und es in eine bestimmte Richtung zwingen wollen.
Danke für diese Worte,
viel Glück für dich und alles alles Liebe,
Maya
Sterntalerin
20.01.2004, 22:40
WOW;
er hat mich angerufen, wir haben 3 Stunden lang telefoniert,
sofort war die alte Vertrautheit wieder da....
und für morgen hat er mich bei sich zu Hause zum Kaffeetrinken eingeladen!
Er hat wohl ähnlich gelitten wie ich, hat 5 Kilo abgenommen in den letzten Wochen.
Ich habe mir geschworen, ich werd`s ganz locker angehen,
das "Kind ohne Namen",
und meinem (Ex)Liebsten soviel Leichtigkeit wie nur irgendmöglich rübergeben...
ist ja fremdes Gebiet für ihn, das alles;
für mich aber nicht.
Bin ja so froh, daß ich ihm letzte Woche diese mail geschickt habe...sonst hätte er sich womöglich nicht getraut, mich einfach anzurufen.
Ich weiß, es wird noch langwierig und schwierig werden, diese Ehe-Trennungsaufarbeitung neben dem "wir", aber davor habe ich keine Angst.
Ich bin einfach soooooooooooo happy!
Sterntalerin
23.01.2004, 16:40
Hallo Ihr,
hmmm, also das Kaffeetrinken vorgestern Abend dauerte bis zum nächsten Morgen! Wir haben gaaanz viel geredet und noch viel mehr gekuschelt...
Wir haben uns geschworen, diesmal nichts mehr zu überstürzen: Wollen auf jeden Fall die getrennten Wohnungen beibehalten und uns auch nicht mehr täglich sehen. Trotzdem ruft er mich jeden Tag an, wie schön!
Ich freu mich so. Hab`auch weiterhin Vertrauen zu meinem Liebsten, denn er sah so furchtbar fertig aus, vorgestern Abend, abgemagert und depressiv. Gar nicht mehr der starke, in sich ruhende Mann,den ich kannte. Erst als wir uns nach Stunden in die Arme fielen, kehrte das Leuchten zurück in seine Augen.
Ich weiß, es werden noch viele Hürden kommen, aber egal...
die erste haben wir nun ja schon genommen!
Ganz liebe Grüße an Euch alle
Sterntalerin
Hallo Sterntalerin,
ich freue mich so Deinen Beitrag gelesen zu haben. Es ist schön, das es sich so ergeben hat und ich wünsche Euch alles Glück dieser Welt..
Hürden sind da um genommen zu werden, auch wenn mal eine zu hoch erscheint - springt drüber denn mehr als umfallen kann sie nicht und man läuft weiter...
Gruss
yellow-moon
Sterntalerin
07.02.2004, 20:52
Hallo ihr Lieben,
ich möchte Euch mal erzählen, wie sich bei mir/uns alles entwickelt hat:
Mein Liebster und ich sind mittlerweile bei zwei Treffen pro Woche und nahezu täglichen, manchmal stundenlangen Telefonaten angelangt.
Die Treffen wurden von mal zu mal schöner und entspannter, die Telefongespräche waren allerdings von Anfang an klasse, da wir beide leidenschaftliche Vielsprecher sind!
Wir versuchen, nicht wieder der Gefahr zu erliegen, uns hirn- und sinnlos aufeinander zu stürzen. Das gelingt uns zur Zeit ganz gut.
Da wir uns weniger sehen, ist jedes Treffen ein Fest. Von dieser Wärme kann ich noch tagelang zehren...
Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß dieses "Langsam-Angehen-Lassen" unsere einzige und sehr reelle Chance ist.
Ich möchte mich nochmal ganz herzlich bei allen hier bedanken, die mir mit Ratschlägen, Ideen und Erklärungsansätzen zur Seite gestanden haben. Ganz besonderen Dank an Erja und Yellowmoon, die mir geholfen haben, die Hintergründe zu verstehen.
Kann gut sein, daß ich hier wieder auftauche und um Rat frage, denn ich ahne schon, daß das alles noch ein längerer Prozeß sein wird, aber ich merke, mein Liebster und ich, wir sind auf dem richtigen Weg.
Daß wir überhaupt soweit kommen konnten und uns während unserer Krise nicht verloren haben, dabei hat mir ganz wesentlich dieses Forum geholfen.
DANKE NOCHMAL
Und jetzt weiß ich auch die Antwort auf die Frage, die mich damals, als ich diesen threat eröffnet habe, so gequält hat: "Wo geht die Liebe hin?" Die Liebe, unsere Liebe ist nirgendwo hingegangen, sie ist einfach bei uns geblieben. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.
Ganz liebe Grüße
Sterntalerin
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