XJustinSaneX
15.01.2004, 09:03
Grundsatzrede vor der Nasa
George Bush will den Weltraum erobern
US-Präsident George Bush strebt eine radikale Wende in der Raumfahrtpolitik seines Landes an. In einer Rede vor der Nasa in Washington kündigte Bush an, amerikanische Astronauten würden spätestens 2020 zum Mond zurückkehren. Von der Mondstation aus könne dann in späteren Jahren der Mars erkundet werden.
Von Patrick Illinger
Die USA rechnen bei ihrem neuen Raumfahrtprogramm mit zusätzlichen Kosten von zwölf Milliarden Dollar für die nächsten fünf Jahre; der überwiegende Teil wird demnach durch Umschichtungen innerhalb des Nasa-Budgets gedeckt. Eine Milliarde Dollar soll zusätzlich bereit gestellt werden.
Bush betonte, mit seiner Initiative wolle er der Raumfahrtbehörde Nasa wieder eine klare Aufgabe und ein Ziel geben. „Es ist an der Zeit für Amerika, den nächsten Schritt in der Erkundung des Weltalls zu gehen“, sagte er.
Die Pläne des amerikanischen Präsidenten gelten als überaus ehrgeizig. In den vergangenen 30 Jahren hat kein Astronaut den erdnahen Weltraum verlassen. Weitergehende Weltraummissionen, etwa zu den anderen Planeten des Sonnensystems, wurden stets Sonden oder Robotern überlassen.
Dazu zählt auch der soeben erfolgreich auf dem Mars gelandete Roboter Spirit. Um die neuen Raumfahrtpläne zu finanzieren, soll das derzeitige Jahresbudget der Nasa von 15,5Milliarden Dollar in den kommenden drei Jahren jährlich um fünf Prozent gesteigert werden und in den beiden darauf folgenden Jahren um etwa ein Prozent, wie das Weiße Haus mitteilte.
Bis zu 100 Milliarden Dollar
Doch auch das dürfte nicht genügen. Wissenschaftler schätzen, dass allein der Erstflug zum Mars zwischen 50 und 100 Milliarden Dollar kosten würde. Die Gesamtkosten inklusive einer Mondstation könnten noch um ein Vielfaches höher liegen.
Bush plant zudem, die kostspielige Flotte der Spaceshuttles bis Ende des Jahrzehnts stillzulegen. Bis zum Jahr 2008 wollen die USA einen Nachfolger für die Jahrzehnte alten Shuttles entwickeln.
Das Konzept des wiederverwendbaren Raumgleiters hat seit dem Erstflug vor 20 Jahren nie die hohen Erwartungen von einst erfüllt. Statt 50 Flügen pro Jahr schaffte das Shuttle im Durchschnitt kaum mehr als fünf. Und seit dem Absturz der Raumfähre Challenger im Jahr 1986 sowie der Columbia im Februar vergangenen Jahres bangen Raketentechniker um die Flugtauglichkeit der verbleibenden drei Shuttles.
Nachdem in den 70er Jahren Präsident Richard Nixon das Nasa-Budget stark gekürzt hatte, beschränkte sich die bemannte Raumfahrt der USA auf das Spaceshuttle. Zurzeit ist es das einzige Fluggerät der Amerikaner, das Menschen in den Orbit befördern kann. Nach der letzten Landung eines Menschen auf dem Mond im Jahr 1972 hat kein Mensch mehr die Erdumlaufbahn verlassen.
Für bemannte Missionen zum Mond oder gar Mars müsste eine von Grund auf neue, möglichst vielseitige Rakete konzipiert werden. Sie müsste größere Bauteile ebenso wie Menschen ins All transportieren können. Allerdings erreichen selbst die bemannten Raumfahrzeuge der Russen und neuerdings auch der Chinesen bestenfalls die Erdumlaufbahn.
Kritiker, auch innerhalb der Nasa, sowie konservative Politiker bezeichneten die ehrgeizigen Pläne Bushs als „unrealistisch“. Mit Blick auf die Haushaltslage der USA halten viele Experten das Vorhaben für nicht finanzierbar.
Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Howard Dean warnte sogar vor einem Staatsbankrott. Gegner der neuen Raumfahrtpläne erwarten außerdem, dass der Weltraum in Zukunft für militärische Zwecke missbraucht werden könnte.
Verlockend ist die Idee einer dauerhaften Mondbasis auch für Astrophysiker. Nicht nur, weil der Erdtrabant Geheimnisse über die Entstehung des Sonnensystems preisgeben könnte.
Dessen Oberfläche wäre auch ein interessanter Standort für ein neues Riesenteleskop.
Bei vielen Weltraumforschern werden jedoch Erinnerungen wach an das Jahr 1989. Damals versprach der Vater des amtierenden Präsidenten ebenfalls bemannte Flüge zum Mars. Dazu kam es jedoch nie.
Dass der aktuelle Vorstoß der US-Regierung ernst gemeint ist, versuchte Nasa-Chef Sean O’Keefe zu bestätigen. Der Präsident gebe nicht nur die Richtung vor, er sei auch gewillt, „für die Dollar zu kämpfen, um es auszuführen“.
Auch der frühere Admiral Harold Gehman, Vorsitzender des Columbia-Untersuchungsausschusses, gab der Initiative Rückenwind: „Wenn das unser Problem löst, dem erdnahen Orbit zu entkommen, sind wir alle dafür“, sagte er der Zeitschrift Science.
(SZ vom 15.1.2004)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/854/24830/
George Bush will den Weltraum erobern
US-Präsident George Bush strebt eine radikale Wende in der Raumfahrtpolitik seines Landes an. In einer Rede vor der Nasa in Washington kündigte Bush an, amerikanische Astronauten würden spätestens 2020 zum Mond zurückkehren. Von der Mondstation aus könne dann in späteren Jahren der Mars erkundet werden.
Von Patrick Illinger
Die USA rechnen bei ihrem neuen Raumfahrtprogramm mit zusätzlichen Kosten von zwölf Milliarden Dollar für die nächsten fünf Jahre; der überwiegende Teil wird demnach durch Umschichtungen innerhalb des Nasa-Budgets gedeckt. Eine Milliarde Dollar soll zusätzlich bereit gestellt werden.
Bush betonte, mit seiner Initiative wolle er der Raumfahrtbehörde Nasa wieder eine klare Aufgabe und ein Ziel geben. „Es ist an der Zeit für Amerika, den nächsten Schritt in der Erkundung des Weltalls zu gehen“, sagte er.
Die Pläne des amerikanischen Präsidenten gelten als überaus ehrgeizig. In den vergangenen 30 Jahren hat kein Astronaut den erdnahen Weltraum verlassen. Weitergehende Weltraummissionen, etwa zu den anderen Planeten des Sonnensystems, wurden stets Sonden oder Robotern überlassen.
Dazu zählt auch der soeben erfolgreich auf dem Mars gelandete Roboter Spirit. Um die neuen Raumfahrtpläne zu finanzieren, soll das derzeitige Jahresbudget der Nasa von 15,5Milliarden Dollar in den kommenden drei Jahren jährlich um fünf Prozent gesteigert werden und in den beiden darauf folgenden Jahren um etwa ein Prozent, wie das Weiße Haus mitteilte.
Bis zu 100 Milliarden Dollar
Doch auch das dürfte nicht genügen. Wissenschaftler schätzen, dass allein der Erstflug zum Mars zwischen 50 und 100 Milliarden Dollar kosten würde. Die Gesamtkosten inklusive einer Mondstation könnten noch um ein Vielfaches höher liegen.
Bush plant zudem, die kostspielige Flotte der Spaceshuttles bis Ende des Jahrzehnts stillzulegen. Bis zum Jahr 2008 wollen die USA einen Nachfolger für die Jahrzehnte alten Shuttles entwickeln.
Das Konzept des wiederverwendbaren Raumgleiters hat seit dem Erstflug vor 20 Jahren nie die hohen Erwartungen von einst erfüllt. Statt 50 Flügen pro Jahr schaffte das Shuttle im Durchschnitt kaum mehr als fünf. Und seit dem Absturz der Raumfähre Challenger im Jahr 1986 sowie der Columbia im Februar vergangenen Jahres bangen Raketentechniker um die Flugtauglichkeit der verbleibenden drei Shuttles.
Nachdem in den 70er Jahren Präsident Richard Nixon das Nasa-Budget stark gekürzt hatte, beschränkte sich die bemannte Raumfahrt der USA auf das Spaceshuttle. Zurzeit ist es das einzige Fluggerät der Amerikaner, das Menschen in den Orbit befördern kann. Nach der letzten Landung eines Menschen auf dem Mond im Jahr 1972 hat kein Mensch mehr die Erdumlaufbahn verlassen.
Für bemannte Missionen zum Mond oder gar Mars müsste eine von Grund auf neue, möglichst vielseitige Rakete konzipiert werden. Sie müsste größere Bauteile ebenso wie Menschen ins All transportieren können. Allerdings erreichen selbst die bemannten Raumfahrzeuge der Russen und neuerdings auch der Chinesen bestenfalls die Erdumlaufbahn.
Kritiker, auch innerhalb der Nasa, sowie konservative Politiker bezeichneten die ehrgeizigen Pläne Bushs als „unrealistisch“. Mit Blick auf die Haushaltslage der USA halten viele Experten das Vorhaben für nicht finanzierbar.
Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Howard Dean warnte sogar vor einem Staatsbankrott. Gegner der neuen Raumfahrtpläne erwarten außerdem, dass der Weltraum in Zukunft für militärische Zwecke missbraucht werden könnte.
Verlockend ist die Idee einer dauerhaften Mondbasis auch für Astrophysiker. Nicht nur, weil der Erdtrabant Geheimnisse über die Entstehung des Sonnensystems preisgeben könnte.
Dessen Oberfläche wäre auch ein interessanter Standort für ein neues Riesenteleskop.
Bei vielen Weltraumforschern werden jedoch Erinnerungen wach an das Jahr 1989. Damals versprach der Vater des amtierenden Präsidenten ebenfalls bemannte Flüge zum Mars. Dazu kam es jedoch nie.
Dass der aktuelle Vorstoß der US-Regierung ernst gemeint ist, versuchte Nasa-Chef Sean O’Keefe zu bestätigen. Der Präsident gebe nicht nur die Richtung vor, er sei auch gewillt, „für die Dollar zu kämpfen, um es auszuführen“.
Auch der frühere Admiral Harold Gehman, Vorsitzender des Columbia-Untersuchungsausschusses, gab der Initiative Rückenwind: „Wenn das unser Problem löst, dem erdnahen Orbit zu entkommen, sind wir alle dafür“, sagte er der Zeitschrift Science.
(SZ vom 15.1.2004)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/854/24830/