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XJustinSaneX
16.01.2004, 20:32
Hamburg: Den Kriegsdienst zu verweigern ist verboten - Konsequenter Kriegsdienstverweigerer verurteilt

Heute wurde der konsequente Kriegsdienstverweigerer Stefan S. (23) vom Amtsgericht Hamburg-St. Georg verurteilt. Das Gericht befand ihn der Dienstflucht (§53 Zivildienstgesetz, ZDG) für schuldig und verhängte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 15 EUR. Der Staatsanwalt hatte 120 Tagessätze gefordert, die Verteidigung plädierte auf Freispruch und prüft nun weitere Rechtsmittel.

S. hatte sich bereits am ersten Verhandlungstag vergangenen Montag in einer ausführlichen Prozesserklärung abschliessend geäusssert, sodass der heutige zweite Verhandlungstag den Plädoyers und der Urteilsverkündung gewidmet war.

Nach dem äusserst kurzen und inhaltlich dünnen Plädoyer der Staatsanwaltschaft, das nach 2 Minuten bereits beendet war, plädierte S. Anwalt A. Beuth auf Freispruch. Er betonte die verfassungsrechtliche Unantastbarkeit der Gewissensentscheidung des Angeklagten und forderte in Konsequenz, das Strafrecht in diesem Fall nicht zur Anwendung zu bringen,da ein übergesetzlicher Notstand vorliege. Es gibt ausreichend Urteileauch des Bundesverfassungsgerichts, die dieser Linie folgen, sie bisher allerdings nicht auf die Fälle Totaler Kriegsdienstverweigerer angewandten.

Anschliessend verkündete Richterin Fr. Dr. Reitzig nach vierzigminütiger Beratungszeit vor über 20 Zuschauern das Urteil, mit dem sie die Argumentation der Verteidigung ohne nähere Würdigung weitgehend verwarf. In der mündlichen Begründung des Urteils überraschte Fr. Dr. Reitzig dann noch mit der Feststellung, dass der Annahme, es könne im Zuge der derzeit diskutierten und angestrebten Neufassung des Zivildienstgesetzes möglicherweise zu einer Amnestierung Totaler Kriegsdienstverweigerer kommen, Wahrheit unterstellt werden. Für das aktuelle Verfahren seidies aber nicht von Bedeutung. Mit dieser Aussage ging Richterin Reitzigzwar zumindest im Ansatz auf die politischen Dimension der Prozesse gegen Totale Kriegdienstverweigerer ein, zog sich aber sofort wieder von sämtlicher Verantwortung zurück, aus dieser Feststellung auch Konsequenzen für die Rechtssprechung zu ziehen. Der Weg einer vorläufigen Einstellung des Verfahrens oder einer Vorlage an höhere Gerichte waere, wie vonder Verteidigung aufgezeigt, möglich und vor dem Hintergrund aktuellerDiskussionen um die Abschaffung der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes auch geboten gewesen. Mit dem gefällten Urteil weigerte sich das Gericht aber, der politischen Entwicklung auch eine juristische folgen zulassen.

S. war einberufen worden, seinen Zivildienst in einem Pflegeheim in Hamburg abzuleisten. Da der Student jedoch auch den Ersatzdienst für einen „militärisch verplanten Dienst“ hält, hat er diesen nicht angetreten. Als Folge droht ihm nun eine Verurteilung zu einer empfindlichen Haftstrafe. Zu seinen Gründen äußert er sich: „Der
Zivildienst geht genau wie der direkte Waffendienst bei der Bundeswehr in die Strategie der Gesamtverteidigung ein. Selbst das Bundesverteidigungsministerium bestreitet nicht, daß Kriege ohne Zivildienstleistende nicht mehr führbar sind. Meine Entscheidung, auch den Ersatzdienst zu verweigern, ergab sich einfach zwingend aus den Gründen, warum ich eigentlich nicht zum Bund wollte.“

Damit gehört S. zu den Menschen, denen man vorenthält, was gemeinhin als große Errungenschaft der Bundesrepublik gewertet wird: Aus Gewissensgründen den Kriegsdienst zu verweigern. Denn das einzige, was in Deutschland rechtmäßig abgelehnt werden kann, ist der direkte Waffeneinsatz: „Es ist für mich jedoch nicht ausreichend, niemanden erschießen zu müssen, um dafür im Sanitätswesen diejenigen zu versorgen,
die dann an meiner Stelle kämpfen.“

Quelle: http://www.nadir.org/nadir/aktuell/2004/01/16/19828.html

einsamkeit
16.01.2004, 21:20
hi,
ich möchte mich hier mal zu dem thema äußern und es würde mich sehr interessieren auch andere meinungne zu hören:
ich finde es nicht in ordnung, was diese totalen verweigerer da machen und ich halte ihre argumentation für fragwürdig.



„Der
Zivildienst geht genau wie der direkte Waffendienst bei der Bundeswehr in die Strategie der Gesamtverteidigung ein. Selbst das Bundesverteidigungsministerium bestreitet nicht, daß Kriege ohne Zivildienstleistende nicht mehr führbar sind. Meine Entscheidung, auch den Ersatzdienst zu verweigern, ergab sich einfach zwingend aus den Gründen, warum ich eigentlich nicht zum Bund wollte.“

inwiefern soll das bitte zutreffen. falls ich mich täusche, bitte klärt mich da auf, aber meines erachtens nach ist der zivildienst eher eine den sozialstaat entscheidend tragende "einrichtung", der mit dem militärapparat eigentlich nichts mehr zu tun hat. und ih denke auch, dass der sozialstaat wie wir ihn haben schlichtweg nicht denkbar ist, ohne zivis, wo sollen denn sonst auf einmal diese ganzen wirklich billigen arbeitskräfte herkommen?



„Es ist für mich jedoch nicht ausreichend, niemanden erschießen zu müssen, um dafür im Sanitätswesen diejenigen zu versorgen,
die dann an meiner Stelle kämpfen.“„Es ist für mich jedoch nicht ausreichend, niemanden erschießen zu müssen, um dafür im Sanitätswesen diejenigen zu versorgen,
die dann an meiner Stelle kämpfen.“


das ergibt für mich nun keinen sinn mehr, man arbeitet als zivi ja nicht als bundeswehsanitäter oder so, sondern in irgendwelchen sozialen pflegeeinrichtungen oder in kindergärten und anderen institutionen... ???

also ich werde dieses jahr nach dem abitur auch meinen zivildienst antreten, von der bundeswehr halte ich nichts, auch wenn sie aus gewissen politischen gründen noch notwendig ist. und ich finde es halt nur ungerecht, dass die pflicht, dieses knappe jahr da zu verplänkeln nur für die männer besteht, aber ansonsten tun sich mir da keine gewissensprobleme auf...

würde mich freuen, da ein paar meinungen dazu zu hören...


lg

XJustinSaneX
17.01.2004, 13:43
Original von einsamkeit
hi,
ich möchte mich hier mal zu dem thema äußern und es würde mich sehr interessieren auch andere meinungne zu hören:
ich finde es nicht in ordnung, was diese totalen verweigerer da machen und ich halte ihre argumentation für fragwürdig.



„Der
Zivildienst geht genau wie der direkte Waffendienst bei der Bundeswehr in die Strategie der Gesamtverteidigung ein. Selbst das Bundesverteidigungsministerium bestreitet nicht, daß Kriege ohne Zivildienstleistende nicht mehr führbar sind. Meine Entscheidung, auch den Ersatzdienst zu verweigern, ergab sich einfach zwingend aus den Gründen, warum ich eigentlich nicht zum Bund wollte.“

inwiefern soll das bitte zutreffen. falls ich mich täusche, bitte klärt mich da auf, aber meines erachtens nach ist der zivildienst eher eine den sozialstaat entscheidend tragende "einrichtung", der mit dem militärapparat eigentlich nichts mehr zu tun hat. und ih denke auch, dass der sozialstaat wie wir ihn haben schlichtweg nicht denkbar ist, ohne zivis, wo sollen denn sonst auf einmal diese ganzen wirklich billigen arbeitskräfte herkommen?



„Es ist für mich jedoch nicht ausreichend, niemanden erschießen zu müssen, um dafür im Sanitätswesen diejenigen zu versorgen,
die dann an meiner Stelle kämpfen.“„Es ist für mich jedoch nicht ausreichend, niemanden erschießen zu müssen, um dafür im Sanitätswesen diejenigen zu versorgen,
die dann an meiner Stelle kämpfen.“


das ergibt für mich nun keinen sinn mehr, man arbeitet als zivi ja nicht als bundeswehsanitäter oder so, sondern in irgendwelchen sozialen pflegeeinrichtungen oder in kindergärten und anderen institutionen... ???

also ich werde dieses jahr nach dem abitur auch meinen zivildienst antreten, von der bundeswehr halte ich nichts, auch wenn sie aus gewissen politischen gründen noch notwendig ist. und ich finde es halt nur ungerecht, dass die pflicht, dieses knappe jahr da zu verplänkeln nur für die männer besteht, aber ansonsten tun sich mir da keine gewissensprobleme auf...

würde mich freuen, da ein paar meinungen dazu zu hören...


lg

Jep, da teile ich deine Meinung. Nicht jeder Zivi dient dem direkt "Militärapparat" und nicht jeder muss Verwundete versorgen, die einem Krieg in irgendeiner Art und Weise zum Opfer fallen. Außerdem frage ich mich gerade, ob man als Sanitäter von Soldaten nicht auch offiziell beim "Bund" und somit eben nicht Zivi ist? Also bei mir bestand beispielsweise die Möglichkeit, dort einen auf Sanitäter zu machen. Und somit wäre ich dann ja kein Zivi. Na ja, vielleicht kennt sich da jemand besser aus.
Zivis sind dafür da, das Sozialwesen zu unterstützen - egal ob sie nun Essen ausfahren, Pfleger in einem Altenheim, Sanitäter oder Hausmeister in einem sanitären Betrieb sind. Das muss nicht unbedingt etwas mit dem ach so bösen "Militätapparat" zu tun haben - und hat es in den meisten Fällen auch nicht. Zivis sind billige Arbeitskräfte, ohne die das soziale System so einige Probleme haben könnte.
Öhm ja...
Ich zum Beispiel wurde nach der Nachmusterung ausgemustert, nachdem man festgestellt hat, dass ich von der Stärke meiner Augen her nicht für die Bundeswehr geeignet bin. Wenn ich nicht ausgemustert wäre, hätte ich natürlich den Kriegsdienst verweigert und Zivildienst gemacht.
Aber da ich ausgemustert wurde, stellte sich die Frage nie und ich konnte ein Jahr früher anfangen, zu studieren. Ich hatte schlichtweg keine Lust, eine von den oben genannten Tätigkeiten auszuführen und bin froh über das Jahr, das ich so manchen anderen Studierenden voraus bin. Somit kann ich nach dem 4. Semester entweder innerhalb eines Jahres in Frankreich das deutsch-französische Doppeldiplom anstreben oder in den USA meinen Master machen, ohne effektiv ein Jahr gegenüber den meisten männlichen Studenten verloren zu haben.

einsamkeit
17.01.2004, 19:04
hi,
also die sanitäter beim bund sind genauso soldaten wie die andern auch, die ham dieselbe grundausbildung.
das sind keine zivis...

XJustinSaneX
17.01.2004, 19:08
Original von einsamkeit
hi,
also die sanitäter beim bund sind genauso soldaten wie die andern auch, die ham dieselbe grundausbildung.
das sind keine zivis...

Hab ich mir gedacht. Wenn Stefan S. das verweigert hätte, wär's ja verständlich, da dies ja wirklich unmittelbar etwas mit dem Militär zu tun hat. Aber den Zivildienst zu verweigern, verstehe ich irgendwie nicht.