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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dosé tritt zurück wegen Unglück von Bassersdorf



Shirley
11.03.2004, 14:33
ZÜRICH - Die finanziell angeschlagene Swiss verliert ihren Kapitän. Konzernchef André Dosé ist zurückgetreten - freiwillig, wie er sagt. Er wolle die Airline nicht mit der Untersuchung um den Absturz von Bassersdorf belasten.

Dosé begründet seinen Rücktritt mit der möglichen Untersuchung über seine Mitverantwortung beim Jumbolino-Crash von Bassersdorf vom Herbst 2001 mit 24 Toten.

Der Verwaltungsrat der Swiss sei "auf Grund von Medienberichten" zum Schluss gekommen, dass er für die Dauer der Untersuchung freigestellt werden müsse, sagte Dosé.

Weil die Fluggesellschaft sich aber inmitten des Turnarounds befinde, habe er es nicht verantworten können, für eine unbestimmte Zeit in den Ausstand zu treten.

Er löst sein Arbeitsverhältnis "im Rahmen der vertraglichen Abmachungen" auf. Wie diese Abmachungen aussehen, wollte er nicht sagen. Es gebe aber keine goldenen Fallschirme bei der Swiss.

Die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Absturz von Bassersdorf seien haltlos und entbehrten jeglicher Grundlage, beteuerte Dosé.

Ursache für den Absturz der Crossair-Maschine waren vor allem Pilotenfehler. Dosé war damals Chef der Regionalfluggesellschaft Crossair, aus der die heutige Swiss hervorgegangen ist.

Die Bundesanwaltschaft erklärte auf Anfrage, das Strafverfahren um den Absturz laufe weiterhin gegen Unbekannt.

Vorerst leitet Verwaltungsratspräsident Pieter Bouw nun das Tagesgeschäft als CEO. Um ihn zu unterstützen, wird Verwaltungsrat Walter Bosch zweiter Vizepräsident.

Die Reaktionen auf den Abgang Dosés fielen besorgt aus. Die Gewerkschaften zeigten sich überrascht. Das Doppelmandat Bouws dürfe nicht zum Dauerzustand werden. Eine solche Machtballung könnte zu einem Problem werden.

Hans-Jacob Heitz, Vertreter der Kleinaktionäre, würde es nicht überraschen, wenn die Strafuntersuchung nur ein vorgeschobener Grund für den Rücktritt Dosés ist. Als wahre Beweggründe hält er die problematische Finanzlage der Swiss für möglich.

Bundesrat Merz, Leiter des Swiss-Ausschusses der Landesregierung, nahm den Rücktritt Dosés "mit Respekt" zur Kenntnis. Er erwarte, dass die neue Leitung den eingeleiteten Turnaround erfolgreich zu Ende führen werde.


Quelle: SFDRS (http://www.sfdrs.ch/content/news/sda-news/meldung.php?docid=20040311d236521773965043)

Shirley
11.03.2004, 14:35
BERN - Von "Kurzschluss" und ausstehender Lösung ist in den Kommentaren der Deutschschweizer Presse über André Dosés Rücktritt von der Swiss-Konzernspitze zu lesen. Der Schritt wurde aber auch begrüsst.

Die "Auszeit von seinem (Dosés) Amt als Konzernchef" ist für die "NZZ" "nicht die Lösung". Auch im Hinblick auf die gegen Dosé gerichteten Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz von Bassersdorf "hätte man das Risiko des Zuwartens auf sich nehmen sollen."

Auch der "Tagesanzeiger" wundert sich, warum die offizielle Bekanntgabe der Untersuchung gegen Dosé nicht abgewartet wurde. Der Verwaltungsrat habe hier gegenüber den Mitarbeitenden, den Aktionären und der Öffentlichkeit Erklärungsbedarf.

"Das eine Problem wird durch zwei andere ersetzt", schreibt die "Basler Zeitung". Erstens sei die Nachfolge ungelöst. Das andere Problem sei, dass die Swiss dringend Kontinuität brauche.

Der "Blick" appelliert an das Verantwortungsbewusstsein des Bundesrats. Man sei in den letzten zwei Jahren den Eindruck nicht los geworden, dass "die Swiss für die Bundesräte eine heisse Kartoffel" sei.

"Dieser Entscheid ist richtig", schreibt die "Berner Zeitung". Dosé sei für den abnehmenden Sicherheitsstandard mitverantwortlich. Von einem "unvermeidlichen Schritt" spricht schliesslich auch die "Neue Luzerner Zeitung". Die Hypothek einer möglichen Strafuntersuchung gegen Dosé habe zu schwer gewogen.


Quelle: SFDRS (http://www.sfdrs.ch/content/news/sda-news/meldung.php?docid=20040311d321202409088330)

Shirley
11.03.2004, 14:36
BERN - Der Rücktritt André Dosés als Konzernchef der Swiss irritiert. Airline-Experten sprechen gar von Kurzschlussreaktion und zweifeln an der offiziellen Rücktrittsbegründung.

Der Abgang war nicht absehbar und scheint voreilig; zumal die Bundesanwaltschaft noch keine Ermittlungen gegen Dosé im Zusammenhang mit dem Crossair-Absturz in Bassersdorf aufgenommen hat: So tönt es unisono seitens der Airline-Spezialisten.

"Es ist sehr unüblich, das man schon in vorauseilendem Gehorsam dem Chef den Rücktritt nahe legt. Auch für Dosé sollte die Unschuldsvermutung gelten", erklärt der deutsche Airline-Analyst Thorsten Ramm gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Laut Ramm war die mögliche Untersuchung lediglich ein Vorwand, um Dosé loszuwerden. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die eingeleiteten Sparmassnahmen noch nicht in dem Masse gefruchtet hätten, um die Swiss wirklich in sichere Gewässer zu führen. "Offensichtlich ist der Verwaltungsrat angesichts der wirtschaftlichen Lage jetzt zu nervös geworden."

Auch die Experten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zweifeln an der offiziellen Begründung. Die Tatsache, dass der Verwaltungsrat Dosé scheinbar eine Freistellung während der Untersuchung angeboten hat, ist aussergewöhnlich und nicht nachvollziehbar, wie ZKB-Analyst Patrik Schwendimann in seinem Marktbericht festhält.

Laut Experten muss nun schnellstmöglichst eine langfristige Nachfolge für Dosé gefunden werden. Doch angesichts der schwierigen Lage bei der Schweizer Airline dürfte sich dies als sehr schwieriges Unterfangen entpuppen.

Die Aktien der Swiss haben am Donnerstag nach anfänglichen Gewinnen an Wert eingebüsst. Bis um 12.40 Uhr notierten Swiss um 2,8 Prozent im Minus auf 10.50 Franken. Der Tagestiefststand lag bei 10.20 Franken.

Quelle: SFDRS (http://www.sfdrs.ch/content/news/sda-news/meldung.php?docid=20040311d291060218295800415)

Shirley
11.03.2004, 16:43
André Dosé ist freiwillig und ohne Druck zurückgetreten. Dies betont Swiss-Vizepräsident Walter Bosch, der neue starke Mann neben Präsident und Konzernchef Pieter Bouw.

«Es ist sein Entscheid, den wir extrem bedauern», sagte Bosch im «Tagesgespräch» von Schweizer Radio DRS vom Donnerstag. Der Verwaltungsrat habe Dosé nicht fallen lassen. «Ohne ihn gäbe es diese Airline wahrscheinlich nicht mehr».
Die Swiss könne und wolle sich aber keine Diskussion über Sicherheitsfragen leisten, wie sie mit der möglichen Strafuntersuchung gegen Dosé im Zusammenhang mit dem Absturz von Bassersdorf entstünde.

«Die Sicherheit ist unser höchstes Gut, das wir zu verteidigen haben», sagte Bosch. Dosé sei von Medien und Politikern wegen der möglichen Mitverantwortung am Absturz sehr unfair und hart angegangen worden. Nach dem Angebot des Verwaltungsrates, sein Amt vorübergehend ruhen zu lassen, sei sich Dosé «nicht mehr gestützt vorgekommen».

Dosé habe sich nichts vorzuwerfen, «wie ich ihn kenne, wird er am Schluss absolut reingewaschen», sagte Bouw. Mit seiner «brillanten Führungsarbeit» habe der Abgang nichts zu tun. Er habe sich gewünscht, dass Dosé bleibe, bis Anklage erhoben wird; «André hat ohne Druck anders entschieden», betonte Bouw.

Der Zeitpunkt des Abgangs sei denkbar ungünstig. Es gebe aber nun keine Strategieänderung. Die Swiss plane keinen weiteren Abbau, «sonst wären wir keine eigentliche Netzgesellschaft mehr», sagte Bosch, der bekennt, dass er kein Airline-Experte ist.

Die Swiss müsse jetzt «gute News» produzieren, endlich einen guten Quartalsabschluss vorlegen. «Ich bin zuversichtlich, dass wir das bald kommunizieren können», sagte der langjährige Werber und «Blick»-Journalist. Die Swiss fliege zurzeit stabil, steige aber noch nicht.

Die Nachfolger-Suche für einen der schwierigsten Jobs in der Schweizer Wirtschaft wird schwierig. Der Verwaltungsrat hat gute Kontakte zur Airlinebranche und wird nun weltweit nach Kandidaten suchen, wie Bosch sagte. Die Herkunft sei zweitrangig, auch interne Lösungen seien möglich.

Wahrscheinlich werde die Swiss den Jahreslohn des CEO von bisher 250’000 Fr. erhöhen. Zum Zeitplan zeigte sich Bosch zurückhaltend: Bis Ende Jahr werde der neue Konzernchef bekannt und auch der für Krisenfälle benötigte Betriebskredit unter Dach sein. Die Swiss bemühe sich um einen Kredit in dreistelliger Millionenhöhe, aber um weniger als 500 Mio. Franken.

Quelle: facts.ch (http://www.facts.ch/facts/factsNews?artikelid=356668)

Shirley
12.03.2004, 10:21
BERN - Der Crossair-Absturz von Bassersdorf ZH mit 24 Toten hat für die damaligen Verantwortlichen Konsequenzen. Die Bundesanwaltschaft nimmt drei Manager von Crossair ins Visier. Neben André Dosé ist auch ex-BAZL-Chef André Auer betroffen.

Aufgrund von Hinweisen auf pflichtwidriges Verhalten sei das bisher gegen Unbekannt geführte Verfahren erweitert worden, schreibt die Bundesanwaltschaft in einem Communiqué vom Freitag. Es bestehe der Verdacht der fahrlässigen schweren Körperverletzung und der fahrlässigen Tötung.

Drei Veranwortliche der damaligen Crossair müssen sich nun Verantworten: Der damalige Unternehmenschef André Dosé, der Chef Operationen und der Chef-Fluglehrer des vom Absturz betroffenen Flugzeugtyps. Zudem wurde das Verfahren auf den ehemaligen Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL), André Auer, ausgeweitet.

Ob weitere Personen als Beschuldigte ins Strafverfahren einbezogen werden, sei offen. Für sämtliche Beschuldigte gelte bis zur gerichtlichen Beurteilung die Unschuldsvermutung.

Damit wird wahrscheinlich, dass die Swiss über diesen Schritt vorinformiert wurde und André Dosé deshalb zurückgetreten ist. Er hatte am Mittwochabend seinen Abgang vom Flugkonzern bekannt gegeben, weil er die Swiss nicht mit der Untersuchung belasten wolle. Er habe dies freiwillig und ohne Druck des Verwaltungsrates getan.


Quelle: espace.ch (http://www.espace.ch/newsticker/newsml/20040312094002827172019048030.html)

Shirley
12.03.2004, 10:23
Nach André Dosés Abgang muss Swiss rasch zwei Probleme lösen: Sie benötigt einen Kredit - und einen neuen Chef. Beides hängt zusammen: Ohne Kredit wird Swiss kaum jemanden finden, der Chef sein will.

Die finanziellen Probleme der Fluggesellschaft Swiss sind bedrohlich. Zwar ist es gelungen, den massiven Geldabfluss zu bremsen - nicht aber, ihn zu stoppen. Ende 2003 verfügte Swiss noch über eine Liquidität von 503 Millionen Franken. Zur Sicherstellung des Flugbetriebes benötigt Swiss rund 300 Millionen Franken. Spätestens im Juni dürfte die Liquidität indes auf gut 150 Millionen Franken zusammengeschmolzen sein. Dennoch sieht das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) derzeit keinen Anlass zu intervenieren. Klar ist indes, dass Swiss auf einen Liquiditätspuffer in Form eines Betriebskredits angewiesen ist.

Folgen für Kreditsuche?
Die entsprechenden Verhandlungen dauern nun schon Monate. Swiss würde die Kreditvereinbarung gerne an der Bilanzmedienkonferenz vom 23. März prä-sentieren. In Bankenkreisen heisst es, die Verhandlungen seien «auf der Zielgeraden». Diesbezüglich hat sich am Mittwoch auch Bundesrat Hans-Rudolf Merz geäussert. Doch noch ist ungewiss, ob der Kredit schliesslich tatsächlich zustande kommt.

Dies umso mehr, als sich nun die Frage stellt, welche Auswirkungen der abrupte Rücktritt von Konzernchef André Dosé auf die Kreditverhandlungen haben wird. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Einige sind der Ansicht, der Wechsel an der Spitze sei für den weiteren Verlauf der Verhandlungen nicht förderlich. Andere glauben, der Wechsel an der Swiss-Spitze sei eine Chance für einen Neubeginn und werde die Verhandlungen sicher nicht verzögern, möglicherweise sogar erleichtern. Ähnlicher Meinung scheint man auch in Bankenkreisen zu sein. Dort hiess es gestern, der Wechsel an der Spitze von Swiss habe keinen Einfluss auf die laufenden Kreditverhandlungen.

Einigkeit herrscht darüber, dass Swiss möglichst rasch einen Nachfolger für Dosé finden muss. Denn bereits vor dessen Rücktritt herrschte an der Spitze der Airline ein Vakuum:Nach einem Machtkampf mit Dosé hatte Verkaufschef William Meaney im November gehen müssen. Doséhatte seither auch diese Funktion inne.

Bouw ist umstritten
Nun ist das Vakuum noch grösser: Nach Dosés Rücktritt ist Pieter Bouw nun zugleich Verwaltungsratspräsident, Konzernchef und Verkaufschef. Dieses Mammutprogramm wird Bouw, der auch nicht mehr der Jüngste ist, nicht lange machen können. Hinzu kommt, dass diese Machtballung aus Sicht der Unternehmensführung höchst problematisch ist. Und: Bouw geniesst beim Personal und in der Politik nicht sehr viel Vertrauen. Kaum jemand traut ihm diese Aufgabe so richtig zu. Es wurde auch schon oft über einen vorzeitigen Rücktritt Bouws spekuliert.

Doch die Suche nach einem Nachfolger Dosés wird sich schwierig gestalten. Und entsprechend dürfte sie sich in die Länge ziehen. Verwaltungsrat Walter Bosch sagt, im Idealfall könne man in sechs Monaten einen neuen Konzernchef präsentieren.

Entsprechend hat sich der Swiss-Verwaltungsrat auf eine längere Übergangszeit eingestellt. Nur so ist es zu erklären, dass Bosch zur Entlastung von Bouw zum zweiten Vizepräsidenten ernannt wurde - und dass er zusätzlich als Lead Director ein Gegengewicht zur problematischen Machtballung bei Bouw bilden soll.

Die Nachfolgesuche läuft
Laut Swiss hat die Suche nach einem neuen Konzernchef erst am Mittwoch begonnen. Und seither kursieren auch schon erste Namen möglicher Dosé-Nachfolger. Allerdings: Es fällt auf, dass sich Branchenkenner und Headhunter sehr schwer damit tun, konkrete Namen zu nennen. Unisono heisst es, es sei schon schwierig genug, für einen solchen Posten überhaupt eine geeignete und kompetente Person zu finden. Bei Swiss komme die prekäre Lage erschwerend hinzu: Wer ist schon bereit, einen Job anzutreten, bei dem man eigentlich nur verlieren kann?


Quelle: espace.ch (http://www.espace.ch/wirtschaft/artikel/41821/artikel.html)