PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ich mal wieder...



einsamkeit
12.05.2003, 14:45
Der Müller und der Bach

Wo ein treues Herze in Liebe vergeht,
Da welken die Lilien auf jedem Beet,
Da muß in die Wolken der Vollmond gehn,
Damit seine Tränen die Menschen nicht sehn;
Da halten die Englein die Augen sichzu
Und schluchzen und singen die Seele zur Ruh!

Und wenn sich die Liebe dem Schmerze entringt,
Ein Sternlein, ein neues, am Himmel erblinkt -
Da springen drei Rosen halb rot und halb weiß,
Die welken nicht wieder, aus Dornenreis;
Und die Engelein schneiden sich die Flüger ab
Und gehn aller Morgen zur Erde herab.

Ach Bächlein, liebes Bächlein, du meinst es so gut;
Ach Bächlein, aber weißt du, wie Liebe tut?
Ach unten, da unten, die kühle Ruh!
Ach Bächlein, liebes Bächlein, so singe nur zu.


Anmerkung:
Zur Erklärung der letzen Strophe:
Dieses Gedicht ist aus dem Zyklus "Die schöne Müllerin" von Willhelm Müller (vertont worden von Schubert), in dem ein junger Müller eine schöne Müllerin kennenlernt , in die er sich auch verliebt. Er glaubt zunächst, seine Liebe erwiedert zu sehen, wird jedoch enttäuscht und sieht letztlich nur noch den Selbstmord durch den Sprung in den Bach, an den alle vorherigen Gedichte gerichtet waren, als letzten Ausweg...