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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Irak-Krieg spaltet die Welt - US-Ziel bleibt neue Weltordnung



Shirley
15.03.2004, 14:53
Washington/London - Ein Jahr nach Beginn des Irak-Kriegs spaltet der Konflikt noch immer die Welt. Der Waffengang hat den Westen entzweit. US-Präsident Bush und der britische Premier Blair glauben aber, dass der Krieg die Welt zum Besseren verändert hat.

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Beide sind jedoch wegen der Kriegsbegründung innenpolitisch unter Beschuss. "Rücksichtslos und arrogant" sei die US-Politik, meint der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry und beschuldigt Bush, ihn und das ganze Land irregeführt zu haben.

Explosive Region

Da in Irak weder Massenvernichtungswaffen noch Belege für eine Kooperation Saddams mit dem Terror-Netzwerk El Kaida gefunden wurden, haben Bush und Blair erhebliche Probleme mit ihrer Glaubwürdigkeit. In beiden Ländern wird gefragt, ob die Regierungen sich nur fatal geirrt oder aber gelogen haben.

Über die wahren Hintergründe des Kriegs werden Politiker und Historiker noch lange streiten. Selbst scharfe Bush-Kritiker wie der Philosoph Noam Chomsky glauben nicht, dass vordergründige Öl-Interessen den Ausschlag gaben.

Grosse Einigkeit besteht darin, dass der Nahe und Mittlere Osten "für die nächsten Jahrzehnte die unsicherste und gefährlichste Weltregion bleibt, mit dem explosiven Potenzial, die Welt ins Chaos zu stürzen", so Zbigniew Brezinski, Ex-Sicherheitsberater des früheren Präsidenten Jimmy Carter.

Unilaterale Strategie

Für den Krieg waren vor allem die Neokonservativen um Bush verantwortlich. Sie forderten schon lange eine präventive, offensive und im wesentlichen unilaterale Strategie für die US-Politik des 21. Jahrhunderts. Sie sehen die Gefahren für den Weltfrieden vor allem aus der islamischen Welt kommen.

Die Anschläge vom 11. September 2001 haben sie nur bestätigt - und Bush endültig zur Offensive ermutigt. Demnach wären die Kriege in Afghanistan und in Irak nur der Start für eine neue, US-dominierte Weltordnung. Bush glaubt an die "Mission" der USA, weltweit Demokratie und Menschenrechte verbreiten zu können. Begründet wurde der Krieg aber vor allem mit der "unmittelbaren Bedrohung", die die Waffen Iraks bedeuteten, so Blair 2003. Er setzte noch mehr als Bush auf die "Beweise".

Unterschiedliche Bilanz

Heute haben sich die meisten "Beweise", die US-Aussenminister Colin Powell vor dem Krieg den UN präsentierte, als falsch entlarvt. Es war ausgerechnet US-Waffeninspektor David Kay, der das Scheitern bei der Suche nach Atom- oder Chemiewaffen eingestand.

Für die "neocons" (Neokonservativen) wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld oder Vizepräsident Dick Cheney, die stets an der Handlungsfähigkeit der UNO oder der NATO zweifelten, fällt die Kriegs-Bilanz dennoch positiv aus.

Ein Dikator sei entmachtet. Der rasche Sieg und die Festnahme Saddam Husseins seien herbe Schläge für arabische Nationalisten gewesen. Die Entschlossenheit der USA vor Augen hätte Libyen der Abrüstung von Massenvernichtungswaffen zugestimmt.

USA als Weltmacht

Der rechte Bush und der linke Blair scheinen sich einig, dass die Welt der Führung durch die USA bedarf. Blair widersprach auch der Forderung von Frankreichs Präsident Jacques Chirac nach einer "multipolaren Welt": Nur als strategischer Partner der "unipolaren Macht USA" könne Europa mächtiger werden, meinte Blair.

Quelle: news.ch (http://www.news.ch/detail.asp?ID=171315)