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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Taizé - Was ist das??



jeanny
20.04.2004, 17:12
Taizé liegt im Südburgund, nördlich von Lyon (Frankreich). Dort gründete vor 60 Jahren Roger Schütz eine kleine Gemeinschaft. Über hundert Frères bilden heue die ökumenische Communauté von Taizé. Jährlich pilgern tausende von Jungendlichen zu diesem Ort. Dreimal täglich treffen sie sich in der Kirche zum gemeinsamen Singen und Beten. Daneben stehen Treffen in kleinen „Work-Groups“ an. Diese Gruppen sind international zusammengesetzt und man diskutiert Probleme des Alltags, des Zusammenlebens und des Glaubens. Taizé ist ein Ort der Gemeinschaft, wo sich Menschen aus allen Ländern begegnen. Man tritt so in Kontakt mit anderen Kulturen, Sprachen und Konfessionen. In Taizé wird viel Wert auf Ruhe und Gemeinschaft gelegt, deshalb verzichtet man auf Handys, Radios und jeden Luxus – auch das Essen und die Unterkünfte sind bewusst einfach.


Tagesablauf

08.30 Morgengebet, Frühstück
10.15 Treffen
12.20 Mittagsgebet, Mittagessen
14.00 Singenüben
15.30 Treffen oder Arbeit
17.15 Tee
17.45 (ab Dienstag) Thementreffen
19.00 Abendessen
20.30 Abendgebet
anschl. Stille während der Nacht

Freitagabend
An das Abendgebet schliesst sich ein „Gebet vor dem Kreuz an“

Samstagabend
Nach dem Abendgebet Treffen mit Frère Roger in der Kirche (Simultanübersetzung)

Sonntag
08.45 Frühstück
10.00 Gottesdienst
13.00 Mittagessen
ab 15.30 Einführung in das neue Wochentreffen
17.30 Gemeinsames Gebet
19.00 Abendessen
20.30 Abendgebet

Der Tagesablauf ist individuell und wird nach dem Alter des Teilnehmers bestimmt. Ebenfalls ist man beim ersten Besuch von längeren und schwereren Arbeiten, wie Instruktionen von Neuankömmlingen und Toiletten-Reinigung, freigestellt.



Geschichtliches Taizés

Alles begann 1940, als Frère Roger mit fünfundzwanzig Jahren sein Geburtsland Schweiz verließ und nach Frankreich zog, in das Land seiner Mutter. Viele Jahre hindurch hatte eine Lungentuberkulose sein Leben beeinträchtigt. Während der langen Krankheit reifte in ihm die Eingebung, eine Gemeinschaft ins Leben zu rufen, in der täglich Einfachheit und Güte des Herzens gelebt werden.

Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte er die Gewißheit, daß er – wie seine Großmutter es während des ersten Weltkriegs getan hatte – unverzüglich Menschen zu Hilfe kommen müßte, die Schweres durchzumachen hatten. Er ließ sich im Dorf Taizé nieder, das unweit der Demarkationslinie lag, die Frankreich teilte: eine gute Lage, um Menschen aufzunehmen, die vor dem Krieg flüchteten. Freunde in Lyon gaben die Adresse von Taizé an Menschen, die Zuflucht suchten, weiter.

In Taizé hatte Frère Roger mit einer bescheidenen Anleihe ein Haus mit Nebengebäuden gekauft, das seit Jahren leer stand. Einer seiner Schwestern, Geneviève, schlug er vor, ihm bei der Betreuung zu helfen. Unter den Flüchtlingen, die sie beherbergten, waren auch Juden. Es gab kaum etwas, auch kein fließendes Wasser, weshalb sie das Trinkwasser vom Dorfbrunnen holten. Das Essen war mager und bestand unter anderem in Suppen aus Maismehl, das bei der benachbarten Mühle billig zu haben war.

Aus Rücksicht auf die Gäste betete Frère Roger allein; oft sang er fern des Hauses im Wald. Um bestimmte Flüchtlinge, Juden oder Agnostiker, nicht in Verlegenheit zu bringen, erklärte Geneviève jedem einzelnen, daß er gegebenenfalls lieber allein in seinem Zimmer beten sollte.

Frère Rogers Eltern wußten, daß seine Schwester und er in Gefahr waren, und baten einen Freund der Familie, einen französischen Offizier im Ruhestand, ein Auge auf sie zu haben. Er kam dieser Bitte gewissenhaft nach und teilte ihnen 1942 mit, daß sie entdeckt worden seien und unverzüglich abreisen müßten. Frère Roger konnte 1944 zurückkehren. Er war nun nicht mehr allein; zwischenzeitlich hatten sich ihm die ersten Brüder angeschlossen und mit ihm ein gemeinsames Leben begonnen, das nun in Taizé fortgeführt wurde.

Ein „Gleichnis der Gemeinschaft"

1945 baute in der Gegend ein junger Mann einen Verein auf, der sich um Kinder kümmerte, die ihre Familie im Krieg verloren hatten. Er ersuchte die Brüder, eine bestimmte Zahl von ihnen in Taizé aufzunehmen. Eine Gemeinschaft von Männern konnte aber keine Kinder betreuen. Deshalb bat Frère Roger seine Schwester Geneviève, erneut nacg Taizé zu kommen und den Kindern Mutter zu sein. Die Brüder luden Sonntags auch deutsche Kriegsgefangene aus einem in der Nähe errichteten Lager ein.

Allmählich schlossen sich weitere junge Männer den ersten Brüdern an. Ostern 1949 banden sie sich endgültig zum gemeinsamen Leben, in Ehelosigkeit und großer Einfachheit. Heute zählt die Communauté de Taizé an die hundert Brüder, Katholiken und aus verschiedenen evangelischen Kirchen. Sie stammen aus über fünfundzwanzig Ländern. Durch ihr einfaches Dasein ist die Communauté ein konkretes Zeichen der Versöhnung unter gespaltenen Christen und getrennten Völkern.

Die Brüder bestreiten ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit dem Erlös ihrer Arbeit. Sie nehmen keine Spenden oder Geschenke an. Ihre persönlichen Erbschaften behalten sie nicht, sondern sie werden den Armen gegeben.

Seit den fünfziger Jahren leben einige Brüder an benachteiligten Orten der Erde und sind dort Zeugen des Friedens, an der Seite von Menschen, die leiden. Derzeit wohnen Brüder in Armenvierteln von Asien, Afrika und Südamerika. Sie leben in den Verhältnissen der Bewohner mit und versuchen unter den Ärmsten als ein Zeichen der Liebe zu leben, mit Straßenkindern, Gefangenen, Sterbenden und Menschen, die von zerbrochenen Beziehungen und Verlassenheit gezeichnet sind.

Auch Kirchenverantwortliche kommen nach Taizé. Papst Johannes-Paul II., drei Erzbischöfe von Cantorbury, orthodoxe Metropoliten, viele Bischöfe, unter anderem die 14 lutherischen aus Schweden, und andere Verantwortliche waren bei der Communauté zu Gast.

Mit den Jahren nahm die Zahl der Besucher in Taizé zu. Seit Ende der fünfziger Jahre kamen immer mehr junge Menschen nach Taizé. Seit 1966 wohnen im Nachbardorf Schwestern von St. André, eine vor über siebenhundert Jahren gegründete katholische Gemeinschaft. Sie übernahmen einen Teil der Aufgaben bei den Treffen. Seit einigen Jahren arbeiten auch polnische Ursulinen mit.

Ab 1962 reisten Brüder und auch Jugendliche von Taizé aus unaufhörlich in die Länder Mittel- und Osteuropas, um dort ohne Aufhebens Menschen zu besuchen, die ihre Heimatländer nicht verlassen konnten. Nach dem Mauerfall und den Reiseerleichterungen haben die längst vertieften Kontakte mit den Christen der Ortskirche eine noch größere Bedeutung.

Zur "Geschichte Taizés" ist zu beachten:

© Copyright: Ateliers et Presses de Taizé,
F 71250 Taizé Communauté



War eigentlich schon mal jemand von euch in Taizé?? Also außer mir *g*...

jeanny

Federchen
20.04.2004, 18:47
Ich war noch nicht dort, aber ich halte am Donnerstag in Französisch ein Referat darüber :]

XJustinSaneX
20.04.2004, 19:03
Hört sich für mich nach den Besinnungstagen an, die ich während meiner Schulzeit mal hatte. Beten, "lustige" Spiele, Gespräche über den Glauben, keine "Luxusgüter" etc.
Mir hat's damals nicht gefallen und mir würde es heutzutage wahrscheinlich noch weniger gefallen :] :D.

plofre
20.04.2004, 21:15
Ich kann mich nur an die Treffen der Taizé-Jünger erinnern, die schon mindestens zweimal wie die Schmeißfliegen über Wien hereingebrochen sind.

plofre

jeanny
23.04.2004, 20:50
ja ich weiß, ist wirklich nicht für jeden was und die meinungen klaffen da auch ganz schön auseinander

->Maya<-
30.09.2005, 14:20
Taizé-Gründer Frère Roger durch Messerstiche tödlich verletzt worden

Gründer und Leiter von Taizé Frére Roger SchutzDer Gründer und Leiter der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Frère (Bruder) Roger, ist am Dienstagabend des 16.08.2005 durch Messerstiche tödlich verletzt worden. Eine 36-jährige Rumänin habe den 90-jährigen Geistlichen während des Abendgebets angegriffen und ihm drei Messerstiche in den Rücken versetzt. So hieß es nach Angaben der Polizei in Taizé. Trotz schneller erster Hilfe sei Frère Roger seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Frau wurde festgenommen.

«Wir sind erschüttert. Hier waren alle sehr aufgeregt. Keiner hat verstanden, was passiert ist», sagte eine Schwester, die an dem Gebet in der Kirche teilgenommen hatte. Bruder François, der Roger nahe stand, habe den Besuchern des Gottesdienstes mitgeteilt, dass Roger nach dem Angriff verstorben sei.
Quelle (http://www.aref.de/news/mission/2005/taize_frere-roger_ermordet.htm)

das nur mal hierzu...

Ich habe vor kurzem Leute kennengelernt die dieses Jahr da waren und habe von ihnen nur positives davon gehört :daumen)

jeanny
02.10.2005, 14:16
Frère Roger ermordet! (http://www.almac.de/wbb2/thread.php?threadid=19209)

jaaah, ist alles schon eine Weile her...


Original von ->Maya<-
Ich habe vor kurzem Leute kennengelernt die dieses Jahr da waren und habe von ihnen nur positives davon gehört :daumen)

ist auch wirklich schön da :) ich bin nicht so der kirchentyp, aber man lernt halt saumäßig viele leute aus allen möglichen ländern kennen!