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nachtschatten
10.06.2003, 16:03
Geisterjagd mit Thermo-Scanner

Britische Forscher wollen das Geheimnis der Gespenster gelüftet haben. Sind magnetische Felder, Zugluft und schummriges Licht schuld am Spuk?

Das königliche Eheglück währte 15 Monate. Dann rollte der Kopf von Catherine Howard, der fünften Frau von König Heinrich VIII., in den britischen Staub.
Geköpft auf Befehl ihres Gatten, der sie der Untreue bezichtigte, starb die gerade 20-Jährige im Jahr 1542 den Tod auf dem Hackklotz. Seither ist es mit der Ruhe vorbei am Hampton Court.

Immer wieder, so beschwören Zeugen, hallen Catherines Schreie durch die Gänge des südwestlich von London gelegenen Palasts. Regelmäßig huscht die Unglückliche über die berüchtigte "Geistergalerie" der Tudor-Villa. Sogar Gesellschaft hat sie inzwischen bekommen: An die 25 verschiedene Gespenster sind über die Jahre in Hampton Court gesichtet worden.




Nun droht der skurrilen Wohngemeinschaft Ungemach. Ketzerische Forscher behaupten: Catherine und ihresgleichen gibt es gar nicht. Profane Sinnestäuschungen brächten die Spukgestalten hervor. "Die Leute missinterpretieren normale Phänomene als von Geistern verursacht", sagt der Psychologe Richard Wiseman von der University of Hertfordshire, Autor einer neuen Geisterstudie.

Mit der ganzen Unbarmherzigkeit der exakten Wissenschaft sind Wiseman und Kollegen den Gespenstern auf den ätherischen Leib gerückt. Temperaturscanner, Geomagnetfeldmessgeräte und Lichtsensoren kamen zum Einsatz. Dann war auch Co-Autorin Caroline Watt von der University of Edinburgh überzeugt: "Der Glaube an Geister ist weitgehend ein psychologisches Phänomen."

Doch kann das wirklich sein? Spricht nicht schon die schiere Menge britischer Geister gegen die trockenen Thesen? "Geschätzte fünf Gespenster" pro Quadratmeile verzeichnet die Internet-Seite "Haunted Britain" im Vereinigten Königreich: Weltrekord. Allerorten wehen dort verblichene Mädchen, Mönche und Monarchen um Burgzinnen und Kirchturmspitzen:


In der Burg von Dalhousie bei Edinburgh etwa treibt die jüngste Tochter des Earl of Dalhousie ihr Unwesen. Sie verliebte sich 1690 in einen Stallburschen. Zur Strafe wurde sie in den Schlossturm verbannt und verhungerte. Heute wird der Ort als Hochzeitssuite vermietet.

In Newmarket reitet der Geist des berühmten Jockeys Fred Archer regelmäßig über den Rennparcours. Im Alter von 29 Jahren gab sich Archer am 8. November 1886 selbst die Kugel, nachdem seine Frau im Kindbett gestorben war.

Oder Lady Jane Grey, einst für neun Tage Königin von England: Ihren im Jahre 1554 abgeschlagenen Kopf auf dem Schoß fährt die Adelige jeweils an Heiligabend in einer von vier enthaupteten Pferden gezogenen Kutsche vor ihrem Geburtshaus in Bradgate Park, Leicestershire, vor.
Als besonders "spooky" unter Großbritanniens Gemäuern gilt ebenjener Hampton Court in Surrey sowie die South Bridge Vaults in Edinburgh. In den Brückengewölben aus dem späten 18. Jahrhundert, die Wiseman und Watt nun ebenfalls untersuchten, macht sich angeblich ein Gespenst namens Mr. Boots einen Spaß daraus, Touristen Obszönitäten ins Ohr zu zischen.




Die Forscher wollten es nun genau wissen. 462 Freiwillige schickten sie durch Hampton Court. 218 waren es in Edinburgh. Auf Fragebögen notierten die Testpersonen zunächst einschlägige Gespenster-Vorerfahrungen. Dann wurden sie zum Selbsterfahrungstrip in die Gänge und Gewölbe entlassen. Gleichzeitig zeichneten Wiseman und Watt Umweltfaktoren wie Lichtintensität, Temperatur und geomagnetische Aktivität in den Räumen auf.

Das Ergebnis verblüffte die Geisterjäger. "Etwa jede zweite Testperson berichtete von ungewöhnlichen Ereignissen", sagt Watt. Eine "unheimliche Präsenz" verspürten die Probanden in manchen Ecken der Gemäuer. Dann wieder klagten sie über Kopfschmerzen, Gänsehaut oder Atemnot. "Manche hatten sogar das Gefühl, ihre Kleidung sei berührt worden", sagt Watt. Das Verblüffendste jedoch: Immer waren es dieselben Orte, an denen sich der Spuk offenbarte - meist ebenjene dunklen Gewölbeecken, die seit jeher als Gespensterverstecke gelten.

Erst der Abgleich mit den physikalischen Messdaten brachte die Forscher auf den Pfad der Rationalität zurück. Denn immer dort, wo sich der Spuk konzentrierte, konnten sie auch physikalische Besonderheiten dingfest machen.






So entdeckten Watt und Wiseman auf der Geistergalerie in Hampton Court einen abrupten Temperaturabfall von zwei Grad. "Man läuft buchstäblich in eine Säule kalter Luft hinein, und für die Leute fühlt sich das dann wie ein Geist an", sagt Wiseman. Andernorts waren es leichte Luftzüge, schummriges Licht oder Variationen schwacher magnetischer Felder, die sich mit der vermeintlichen Geisteraktivität korrelieren ließen.

Der Rest, so glaubt Watt, sei reine Phantasie. "Die Leute wollen glauben, dass es im Leben noch mehr gibt als das tatsächlich Sichtbare", sagt die Psychologin. "Die Welt ist dann einfach interessanter."

Alles Geisterjägerlatein? Oder müssen die Fans der Spukgestalten tatsächlich alle Hoffnung fahren lassen? Ganz sicher sind sich die Wissenschaftler noch nicht. "Es ist sehr schwer, die Existenz von Gespenstern wissenschaftlich auszuschließen", räumt Watt ein. Auch Skeptiker Wiseman gibt Fred Archer und Lady Jane Grey noch eine Chance: "Wenn ich ein Gespenst mit eigenen Augen durch eine Wand laufen sehe, lasse ich mich möglicherweise überzeugen."

Quelle:http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,251083,00.html

Therion
10.06.2003, 19:26
Dann ist aber z.B. die Frage WARUM ist es an diesen Orten kälter? *g Ich meine die Menschen versuchen wirklich alles totzureden was sie nicht verstehen. Ich versuche auch immer zunächst eine rationale Erklärung zu finden, aber nicht krampfhaft und wenn mir keine einfällt dann gibt es eben keine. Diese Leute finden keine natürliche Ursache also denken sie sich eine aus, genau andersherum wie es früher war! :D

SadGhostLady
11.06.2003, 11:55
Es nervt mich ehrlich gesagt... diese Wissenschaftler, Physiker etc. die immer wieder versuchen alles "wissenschaftlich" zu erklären. Außerdem steckt in allem ein wahrer Kern... Menschen haben schon vor tausenden von Jahren von Geistererscheinungen etc. berichtet..
Die meisten Leute die dafür eine andere Erklärung finden wollen, z.B. magnetische Felder u.a. haben doch nur Angst vor der Wahrheit!!


LG

SadGhostLady

Therion
11.06.2003, 12:15
Seh ich auch so! Was man nicht mit seinem Verstand erklären kann macht Angst und deshalb wird eben eine rationale Erklärung gesucht, damit die Angst aufhört.

Mystik
11.06.2003, 13:08
Hallo!

Das ist doch mal ganz genau mein Themenbereich...

Die Wissenschaften als nervig darzustellen, ist in meinen Augen doch etwas übertrieben. Sicherlich können manche Thesen von uns weder nachvollzogen, noch verstanden werden. Dennoch sollte man darauf achten, dass wenn man fest auf seinem Standpunkt "Es gibt Geister!" verharrt, man im Grunde nicht besser ist, als die Wissenschaft mit ihren Theorien.

Die Wissenschaft ist in mancherlei Hinsicht sogar intelligenter als manch anderer hier, der auf seiner Überzeugung sitzen bleibt. Die Wissenschaft entwickelt sich im Streben nach einer möglichen Erklärung - auch wenn sie physikalischen Ursprungs sein soll -, aber unsereins vegetiert förmlich auf seiner Ansicht?!

Mit Sicherheit möchte ich an dieser Stelle der Wissenschaft nicht den Rücken decken, falls dieser Eindruck nun entstanden sein sollte.
Ich habe mich in meiner Vorgehensweise aber so entwickelt / geändert, dass ich mir einen Extrakt aus allen möglichen Perspektiven ziehe. Hierzu gehören nun einmal auch die neuesten, wissenschaftlichen Erkenntnisse. Sind sie denn teilweise wirklich so abwegig? <--- Ich glaube nicht...

Der wahre Kern ist wirklich überall zu finden. Der Mensch scheint einfach nicht in der Lage zu sein, [...nicht aus dem Nichts zu schaffen...].


...haben doch nur Angst vor der Wahrheit!!
...mag sein, aber was ist in deinen Augen denn die "endgültige" Wahrheit? Interpretiert diese nicht jeder für sich? Steht nicht jedem das Recht zu, nach dieser möglichen Wahrheit zu forschen? Ist es so verkehrt, eine rational denkende Vorgehensweise ebenso in Betracht zu ziehen, wie eine spiritistisch, glaubensbezogene Perspektive?

Es scheint Fakt zu sein, dass ein Geister- bzw. Totenkult bereits vor mehreren Tausend Jahren stattgefunden haben muss. In jeder Epoche an jedem Ort kann man Hinweise hierfür finden. Es sind allerdings nur Hinweise und keine Tatsachen.

Keiner von uns kann sich wirklich vorstellen, was vor einigen Tausend Jahren geschehen ist. Niemand weiß, wie die Menschen gelebt, wovor sie Angst und welche erforderlichen (in ihren Augen) Gegenmaßnahmen sie getroffen haben.

Es wird uns heute lediglich etwas dokumentiert, was damals weder verstanden, noch irgendwie erklärt werden konnte. Unsere Vermutungen sind rein spekulativer Natur; somit befinden wir uns auf dem gleichen Standpunkt wie die Wissenschaft. :]

Nun sollte sich aber jedem die Frage stellen, in wie weit die damaligen Geistererscheinungen mit unseren heutigen Vorstellungen übereinstimmen.

Der Totenkult beschäftigte sich ausschließlich mit der Reise des Verstorbenen ins Jenseits, wo er den Rest seines nun ewigen Lebens verbringen soll.
Merkwürdig ist jedoch der Zusammenhang, der sich bei unterschiedlichen Kulturen ergibt. Alle Kulturen, die einen intensiven Totenkult betrieben (Ägypter, Sumärer, Babylonier, Tibetaner etc.), hatten Angst vor der Rückkehr des Verstorbenen. Wieso?

War der Verstorbene zeitlebens ein Tyrann (Schreckensherrscher), dessen Tod vom Volk herbeigesehnt wurde? Hatte man Angst, erneut unter einer solchen Tyrannei vegetieren zu müssen?

War der Verstorbene überhaupt nicht tot? Wurde er vielleicht absichtlich lebendig begraben? Befand er sich vielleicht nur im Koma (Giftschlaf, Trance...o.ä.), aus dem er dann "wieder" erwachte? Auferstehung?

Es gibt zahlreiche weitere Möglichkeiten, diese Angst der Kulturen vor deren Toten zu erklären.

Es gab aber nicht nur die Geister der Verstorbenen. Des weiteren gab es Sichtungen von Göttern, Dämonen, Teufeln, Engeln, Fabelwesen usw.
Hinzu kommt noch die Möglichkeit, dass sich ein und dieselbe Person zum gleichen Zeitpunkt an 2 absolut unterschiedlichen Orten befand.
Man nennt dies Bilokation und gerade dem berühmten "Salomon" wurde diese Fähigkeit des öfteren nachgesagt.

Geister, Dämonen, Götter etc. waren jedoch nicht untätig. Laut alten Überlieferungen schufen sie enorme Bauwerke. Vorzugsweise waren es jene Bauwerke, deren menschliches Konstrukt wir heute anzweifeln. Pyramiden, Stonehenge usw., wie sollen es die Menschen erschaffen haben? 2,5 Tonnen schwere Steinblöcke sind schon ein Rätsel, wie aber sieht es erst dann mit bis zu 80 Tonnen schweren Granitblöcken aus?!?

Viele Überlieferungen (Bibel etc.) wurden mit der Zeit verfälscht. Die Ursache liegt aber nicht nur in der Absicht, sondern große Teile wiesen schlichte Übersetzungsfehler auf.

Woher wollen wir aber heute wissen, woran die Menschen damals geglaubt haben, wovor sie Angst hatten?
Waren es wirklich dieselben Geister, denen wir heute begegnen?

Oder waren es vielleicht ganz andere Phänomene, die wir uns heute aufgrund mangelnder Beweise nicht mehr erklären können?
Eifern wir mit unseren Vorstellungen von Geistern vermutlich einer Sache nach, die noch nie existent war?
Haben wir uns eventuell den falschen "wahren Kern" herausgesucht?

Denkt mal drüber nach...

Gruß
[sy]

Shakespear
13.06.2003, 21:27
Hi,

tiefsinnige Worte sy. Geb dir aber Recht. Jeder Mensch interpretiert Dinge und Geschehnisse so, wie sein Verstand es akzeptiert.


CU