Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Jahre gekämpft, gelitten und nun doch allein.
Kathie177
26.06.2003, 13:26
Einige Zeit habe ich überlegt, ob ich in dieses Forum schreiben soll. Ich passe altersmäßig so gar nicht hier rein. Trotzdem, wenn ich die sehr netten Zuschriften von Ratsuchenden lese, sehe ich, dass man hier mit seinen Problemen sehr ernst genommen wird. Ich versuche mal in aller kürze meine jetzige Situation zu schildern.
Erst muss ich bis 1985 zurück. Mein Mann hatte damals eine Freundin (meine Beste). Als ich nach Monaten davon erfuhr, habe ich sofort seine Sachen gepackt, und ihn gebeten auf der Stelle auszuziehen. Das tat er, er zog dorthin. Ich war noch „jung“ und frohen Mutes diese Lebenskrise schnell zu überstehen. Es war nicht einfach, aber ich hatte immer das Gefühl, das schaffst du. Nach 3 Monaten stand er wieder vor der Tür. Wir redeten, und ich war bereit, es noch einmal zu versuchen. Es lief ganz gut, dachte ich.
Bis wir im Februar 1993 ein altes Fachwerkhaus kauften, das wir mit sehr großem Aufwand umbauen mussten. Die Wohnsituation war entsetzlich. Mein Mann war selten zu Hause, auch Sonntags nicht. Den Umbau und alles was dazu gehörte überließ er mir. Ich ahnte etwas, dieser Gedanke wurde verdrängt sobald er aufkam. Ich wollte nicht noch einmal erleben, was ich 1985 erlebt hatte. Aber es ließ sich nicht aufhalten. Ende 1993, ein Tag vor Heiligabend, sagte er mir dann, er habe seit knapp einem Jahr ein Verhältnis und möchte ausziehen. Dazu kam es nicht. Vielleicht war es Mitleid, denn mein Zustand war mehr als katastrophal. Ich hätte ihn bitten sollen so schnell wie möglich zu verschwinden, ich glaube darauf hatte er gewartet. Aber diesmal konnte ich es nicht. Er trennte sich von dieser Frau. Seinen Liebeskummer lebte er in meinem Beisein aus. Diese Frau, so seine Worte, war/ist seine große Liebe. Wochen später vermittelte er mir immer das Gefühl, froh zu sein, dass er bei mir geblieben ist. Ein Trugschluss wie sich jetzt herausstellte. Ich glaube, tief im Inneren ist er nie damit klar gekommen.
Tja, und nun vor einigen Wochen, sagte er mir, für mich aus heiterem Himmel, ihn widert alles an, er brauchte dringend seine Freiheit, wollte leben wie er möchte, er suchte schon seit einiger Zeit eine Wohnung. Wie mir in diesem Moment zumute war, muss ich euch nicht schreiben. Es folgten Tage an denen er nur zum schlafen nach Hause kam. Eine, für mich schon fast unerträgliche Situation. 2 Versuch von mir seine Entscheidung auszuziehen noch einmal zu überdenken, misslangen. Es ist entgültig, war seine Antwort. Ich unterließ diese Versuche. Erniedrigt hatte ich mich im Laufe der letzten Jahre genug.
Nun ja, und dann kam der Abend, für mich immer noch unfassbar. Ich saß am PC, versuchte mich bisschen abzulenken, als meine Tochter und mein Schwiegersohn auf den Hof fuhren. Mir versagten die Beine, ich war nicht in der Lage ihnen entgegenzugehen. Sie kommen nie in an einem Werktag. Sie kamen hoch, meine Tochter hielt ihre Tränen zurück. Mein Mann hatte sie Mittags im Büro angerufen, und sie gebeten, mir die Nachricht zu überbringen, er hätte das Nötigste gepackt, er kommt nicht mehr.
Ich bin verzweifelt. Alle Kämpfe, alle Tränen der letzten Jahre waren umsonst. Jetzt sitze ich hier, weiß nicht mehr ein noch aus. Schrecklich, jede Sekunde des Tages, und ist ein Tag endlich rum, weiß ich genau, der Nächste wird genauso. Ich versuche mich abzulenken, wo immer es geht. Mir einzureden, er ist keine Träne wert. Freunde und Verwandte geben sich vergeblich, die allergrößte Mühe mir zu helfen, mich mit der Situation zurechtzufinden. Ich hasse das Haus, mit allem was dazu gehört. Möchte weg, mich irgendwo verkriechen und weiß genau, egal wo ich bin, es würde mir nichts helfen. Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man, aber ich habe schon so viele. Ich glaube daran zerbreche ich jetzt. Morgen ist es 3 Wochen her, je länger es dauert, desto größer wird der Schmerz. Ich weiß nicht mehr weiter.
Verzweifelte Grüße
hallo liebe kathie!
schön, dass du uns einen teil deiner sorgen anvertraust. liebeskummer kennt leider eine altersbeschränkung...
mein gott! du hast ja in den letzten jahren einiges mitgemacht! wie hast du das nur so lange durchgehalten? liebst du deinen mann noch oder ist es vielleicht einfach nur die angst vor dem alleinsein? aber nach so vielen jahren partnerschaft ist das wahrscheinlich schwer zu sagen... du blickst auf deine vergangenheit zurück und siehst ihn.
bist du berufstätig? wenn nein, pack deine koffer und verschwinde aus dem haus mit den erinnerungen. fahr in urlaub, besuche freunde, geh einfach raus!
hast du kontakt zu ihm gehabt in den letzten wochen?
gaaaanz liebe grüße
thekla
Kathie177
26.06.2003, 19:25
Hallo Thekla,
ich bin sicher es ist Liebe. Woher nimmt man sonst die Kraft 2 Affären zu verkraften. Was sonst außer Liebe lässt es zu, dass man sein eigenes Ich aufgibt. Vielleicht jetzt, nach so vielen Jahren, auch die Angst vor dem Alleinsein. Ich weiß es nicht.
Wir sind Selbstständig. Ich war täglich einige Stunden im Geschäft. Da gehe ich nun seid dem Auszug nicht mehr hin, um jeden Kontakt mit ihm zu vermeiden. Mir fehlt nicht nur mein Mann, mir fehlt auch die Arbeit dort. Das ist es ja, Zeit zum denken, rund um die Uhr. Täglich die Überlegungen was machst du jetzt, was könnte dir Freude bereiten? Ich kann noch so lange grübeln, mir fällt nichts ein. Dann habe ich einen Tag irgendwie überstanden, und weiß genau, der Nächste wird genauso sein. Ende offen.
Auch Urlaub wäre vollkommen sinnlos. Ich fühle mich hier, da und dort nicht wohl. Bin ich zu Hause, habe ich das Gefühl ich ersticke, bin ich draußen, auch. Ich war früher auch oft alleine, jetzt muss ich lernen, alleine etwas zu tun, mit dem Gefühl alleine zu sein. Nach fast 30 Ehejahren scheint das für mich eine unüberwindliche Hürde zu werden.
Liebe Grüße und danke für deine Antwort,
Kathie
Lordilein
27.06.2003, 11:49
mir fällt es schwer dazu was zu sagen, einfach nur traurig deine Geschichte Kathie.
einfach mal *drücken*
nimm die angebote deiner freunde an, fahr ein üaar tage wech bekannte besuchen, auch wenn du dich da nicht anders fühlen wirst, wie du glaubst, du hast aber eine andere umgebung, und das bringt schon etwas. Geh spazieren, genieße die natur und versuch nicht in eine depresion zu verfallen.....
sei aktiv, auch wenns schwer fällt.....
Kopf hoch Kathie, die zeit heilt ........
Werd dich in meinen Gebet einschließen.
Tausend fragen und keine Anworten.
Mir gehts genauso wie dir.
liebe kathie,
als erstes, ich kann mit der lebenserfahrung nicht mithalten, denn ich bin erst 23 jahre alt. aber eines kann ich dir sagen. meine mutter hat viel durchgemacht und sie hat es geschafft. und wenn sie es schafft, dann kannst du es auch schaffen. jeder kann es schaffen.
du hast gesagt, du hast die kraft, diese 2 affären zu verzeihen, aus der liebe genommen "womöglich war es auch die angst vor dem alleine sein". aber vielleicht war ein grund auch die familie, die kinder (oder das kind, weiss nicht, wieviele ihr habt). meine mutter liess auch einiges über sich ergehen und sie fragte sich immer, weshalb sie sich das antut, weshalb sie ihrem mann verzeiht, obschon es doch immer wieder zum gleichen trott zurückführt. natürlich war ein gewisses mass an liebe vorhanden, aber natürlich waren auch wir, also die kinder, ein grund für die mühe, die sie sich gab, damit die ehe hält. ausserdem ist sie ein mensch, der nicht gerne allein ist, der kaum alleine sein kann.
was kann man dir raten? weg fahren wäre eine möglichkeit, aber sobald du wieder zurück in deiner gewohnten umgebung bist, kommt alles wieder hoch, womöglich sogar noch schlimmer als davor. lass deinen gefühlen freien lauf und leide und heule. klingt krass, aber manchmal gibt es ncihts anderes als zu leiden. denn heulen und leiden ist oftmals eine gute therapie - viel besser als verdrängen oder davon laufen!
alle sagen immer "zeit heilt alle wunden" aber was oft vergessen bleibt ist "aber die narben bleiben ewig"...
ich wünsche dir, liebe kathie, jedenfalls viel glück und kraft, dass du das alles überstehst. du hast deine familie und deine freunde, die zu dir stehen. das ist schon sehr sehr viel wert....
liebe grüsse, shirley
frank marvin
11.07.2003, 11:08
Hallo Kathie,
ich bin auch kein lebensberater oder zauberfix. Genausowenig will ich jetzt anregungen geben oder gar vorschläge machen. Schliesslich ist dein schicksal so komplex und langjährig, dass es einer 3.min-behandlung nicht gerecht würde.
Schön. dass du hier bist, ich bewundere deinen mut. ich hab die 40 auch weit hinter mir gelassen und manche lebenseinkerbung ist geblieben.
Du sollst wissen, dass hier neben jungen, sehr tüchtigen und mutigen, lieben und engagierten menschen auch viel lebenserfahrung mit runzeln und runen (?krieg ich jetzt ärger) sitzt. Miteinander sprechen ist jetzt das wichtichste.
liebe grüsse Frank Marvin
Kathie177
14.07.2003, 17:46
Erst einmal ein ganz dickes Dankeschön an alle die mir geantwortet und versucht haben mich in meiner Trauer aufzubauen.
Öfter viel dabei der Satz „ich bewundere deinen Mut“. Mut war das nicht. Es war reine Verzweifelung, die mich veranlasst hat in dieses Forum zu schreiben.
Heute schreibe ich wie es mir geht, und was ich unternommen habe.
Nach langer Suche habe ich eine Therapeutin gefunden die mir sehr hilft. Sie hat mir die Augen geöffnet, und mir dabei geholfen die Situation aus einem ganz anderen Blickwinkel zu sehen.
Das ist auch mein Rat an alle, die Verzweifelt sind und meinen, es geht nicht mehr weiter.
Sucht professionelle Hilfe. Es ist nicht leicht jemanden zu finden. Die meisten Ärzte haben eine Vorlaufzeit von einem Jahr. Aber es gibt in jeder Stadt Organisationen die auf ehrenamtlicher Basis „schlimme Fälle“ sofort übernehmen. Ich hätte nie für möglich gehalten, zu was diese Therapeuten in der Lage sind. Ihr werdet staunen.
Der Frau Brors, ich möchte gerne ihren Namen erwähnen, sie ist ehrenamtlich tätig bei der Krisenhilfe-Münster, ihr ist es nach 4 Sitzungen (insgesamt 10 bekomme ich) gelungen mir meinen Lebensmut wiederzugegeben. Vor allen Dingen mein Selbstbewusstsein wieder etwas aufzubauen, damit ich wieder in der Lage bin einigermaßen vernünftig zu denken, und zu handeln.
Das Ergebnis. Ich habe einen Makler damit beauftragt, das Haus zu verkaufen. Auf was soll ich hier warten. Erst war es nicht leicht, Käufer durch das Haus zu führen, aber auch das geht immer besser.
Ich muss den Garten und das Haus sauber halten. Ich darf nicht mit verweinten Augen hier rum laufen. Das zwingt mich täglich, mich zusammenzureißen, und das ist gut so. Manchmal fließen noch Tränen, aber die Therapeutin sagt, das darf, und muss sogar sein.
Einige Wohnungen habe ich mir auch schon angesehen. Aber mehr als Beschäftigungstherapie. Möglicherweise finde ich ja schon etwas was mir gefällt. Dann zieh ich hier schon früher aus, und darauf kann ich mich sogar freuen. Ich habe ein Ziel, und das ist wichtig.
Durch einen Bekannten habe ich meinen Mann über den Verkauf des Hauses informiert. Darauf kam ein Brief von ihm, in dem er mir nur mitteilte, ich sollte machen was ich für richtig halte, aber nicht erwarten, dass er sich darum kümmert. Mit so einem Menschen habe ich 30 Jahre meines Lebens verbracht. Er ist wirklich keine Träne wert. Das lerne ich auch noch.
Alles in allem wollte ich euch nur mal mitteilen, dass ich nicht mehr ganz so schwarz sehe, wie in meiner ersten Mail. Vielleicht stimmt es doch, die Zeit heilt....Auch wenn man schon so viele Narben hat.
Mein Dank geht an euch, und natürlich an Frau Brors.
Viele liebe Grüße an alle Mitglieder dieses Forums
Kathie
frank marvin
15.07.2003, 01:28
Liebe Kathie177,
ich freue mich so sehr miit dir und wünsche dir aus ganzem herzen neue kraft und neues leben.
Auch in den Tümpeln, den Lachen, den Mistpfützen spiegeln sich Sterne. Vergiss´das nicht!
(Zitat) Friedrich Georg Jünger
liebeliebe grüsse Frank Marvin
frank marvin
31.07.2003, 11:21
hallo kathie117,
die letzten zeilen stammen noch von mir, seitdem haben wir nichts mehr von dir gehört. das ist nicht schlimm, im gegenteil, vermutet man doch gerne, dass es fortschritte zum guten gegeben hat.
eben habe ich dich aber "online" gesehen, meine ich, und das weckt meine neugierde. magst du dich gelegentlich mal melden?
es würde sich freuen
frank marvin.
Kathie177
31.07.2003, 12:52
Hallo Frank Marvin,
ja, ich kann auch hier mal wieder etwas schreiben. Du siehst, ich bin schon wieder in der Lage anderen „gute Ratschläge“ zu erteilen. Das bedeutet, mein eigenes Leid ist nicht mehr das Größte.
Allerdings habe ich große Probleme im Zusammenhang mit dem Verkauf des Hauses. Jedes Mal, wenn sich Interessenten anmelden, versetzt es mir einen Schlag. Gerade hat der Makler angerufen, der nächste Termin ist Dienstag. Zum Glück muss ich das nicht alleine machen, ich kann immer Freunde anrufen, die mir dabei zur Seite stehen, und solange hier bleiben, bis ich mich wieder beruhigt habe. Das Schlimmste war für mich in diesem Zusammenhang der Tag, an dem ich mit tollen Fotos und einer guten Beschreibung, das Haus ins Internet gesetzt habe. Als ich damit fertig war konnte ich nichts mehr sehen, so dick waren meine Augen vom Weinen. Ich dachte immer, das kann nicht wahr sein, was du da jetzt machst. Obwohl es ja mein Wille ist, und ich hier unbedingt raus möchte. So richtig kapieren kann ich es scheinbar doch noch nicht. Mich hält dann nur noch der Gedanke aufrecht, und das habe ich durch meine Therapeutin begriffen. Erst wenn ich hier raus bin, gibt es für mich einen ganz neuen Anfang. Sie sagt auch, jeder Besichtigungstermin ist der Anfang eines Abschieds, und dabei sind Tränen erlaubt. Große Angst habe ich noch vor dem Tag des Notartermins, an dem ich meinen Mann treffe, und die Endgültigkeit besiegelt wird. Aber, bis dahin ist noch etwas Zeit, ich versuche so wenig wie möglich daran zu denken.
Per SMS habe ich meinem Mann den nächsten Besichtigungstermin mitgeteilt. Ich nehme ihn jetzt in die Pflicht. Er hat diesen Weg begonnen, also, soll er ihn mitgehen. So ganz einfach kann er sich das nicht mehr machen. Ihm geht es ja gut, er hat mit allem abgeschlossen. Warum soll ich mich dann hier bei solchen Terminen quälen. Ich hoffe nur, ich bekomme von ihm die Nachricht, dass er es macht. Ich fahre dann zu einer Freundin und versuche nicht daran zu denken, was hier gerade passiert.
Ansonsten muss ich sagen, ich quäl mich nicht mehr so durch den Tag, wie es vor ein paar Wochen war. Ich habe gelernt, etwas alleine zu unternehmen, mit dem Gedanken, alleine zu sein. Meine Freunde und Familie sind immer noch voller Verständnis. Wenn ich mal wieder einen Tag habe, an dem es mir nicht so besonders geht, gehe ich entweder alle Telefonnummern durch, oder setzt mich ins Auto und fahre zu jemandem, bei dem ich mir alles von der Seele reden kann. Dass ich das darf, und immer offene Ohren finde, dafür bin ich sehr dankbar. Normal ist es ja so, man darf 14 Tage trauern, dann muss es aber gut sein. Natürlich gibt es davon auch einige, aber damit hatte ich schon meine Erfahrung, das hat mich nicht verletzt. Auf diese Menschen kann ich verzichten.
Dir danke ich Frank, dass du mir das Gefühl vermittelst, an meinem weiteren Lebensweg interessiert zu sein. Mein letzter Satz in meiner ersten Mail war, ich glaube daran zerbreche ich jetzt. Der trifft nicht mehr zu. Dank, der lieben Mail, hier in diesem Forum, und der Hilfe meiner Freunde, Familie und nicht zu vergessen meine liebe Therapeutin.
Ich melde mich wieder, wenn sich hier etwas ganz entscheidendes ändert.
Liebe Grüße
Kathie177
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