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Ysabella
21.07.2003, 18:41
Mal was aus meiner eigenen Sammlung. Ich habe es zwar nicht selber geschrieben, aber leicht verändert, das es damals zu mir passte. Viel Spass beim Durchlesen:

Ein Gedicht

Ich freute mich, als Du mich ansprachst;
ich glaubte, wir könnten uns gut unterhalten.
Doch nachdem Du einige Sätze präsentiert hattest,
diskussionsgeübt, themenorientiert,
entzog ich mich deinen Worten.
Wozu über große Themen so nichtssagend viel reden?
Deine Ängste in Ehren,
aber Dir bleibt
keine andere Wahl
als sie zu verlieren,
wenn Du Deine Träume
leben willst.
Bitte höre, was ich nicht sage!
Laß Dich nicht von mir durch das Gesicht täuschen,
das ich Dir zeige, denn ich trage tausend Masken.
Masken, die ich fürchte abzulegen und,
keine davon bin ich! So und als ob ist eine Kunst,
die mir zur zweiten Natur wurde,
aber, bitte lasse Dich dadurch nicht täuschen!
Ich mache den Eindruck, als sei ich fröhlich,
als sei alles sonnig und glücklich in mir, innen wie außen,
als sei mein Name Vertrauen und Sicherheit,
und mein Spiel Kühle, als sei ich ein stilles Wasser,
so, als ob ich niemanden bräuchte.
Aber, bitte glaube mir nicht!
Mein Äußeres mag sicher erscheinen,
aber es ist nur meine Maske.
Darunter ist nichts Entsprechendes,
dahinter bin ich wie ich wirklich bin:
verwirrt, voller Angst, einsam und allein.
Aber ich verberge das, ich möchte nicht,
daß es irgend jemand merkt.
Beim bloßen Gedanken daran bekomme ich Panik
und fürchte mich davor, mich anderen zu offenbaren.
Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken,
hinter denen ich mich schutzsuchend verbergen kann:
eine lässige, kluge Fassade,
die mir hilft,etwas vorzutäuschen,
die mich vor dem wissenden Blick sichert,
der mich erkennen würde
Dabei wäre gerade dieser Blick meine Rettung,
wenn er verbunden wäre mit Wärme, mit Gefühl, mit Liebe.
Das ist das Einzige, was mir die Sicherheit geben würde,
die ich mir selbst noch nicht geben kann,
weil ich es nie gelernt habe, die ich aber so sehr brauche:
daß ich wirklich etwas wert bin.
Aber das sage ich Dir nicht,ich traue mich nicht,
denn ich habe Angst davor.
Ich habe Angst, daß Dein Blick nicht von
Wärme und Liebe begleitet sein könnte
und ich fürchte,
Du wirst gering von mir denken und über mich lachen,
und - Dein Lachen würde mich umbringen.
Ich habe Angst, daß ich tief in mir selbst nichts bin,
nichts wert,und daß Du das sehen könntest und mich abweisen wirst.
So spiele ich mein Spiel, ein verzweifeltes Spiel:
eine sichere Fassade außen und ein zitterndes Kind innen.
Ich rede daher in gängigem Ton oberflächliches Geschwätz.
Ich erzähle Dir alles, was wirklich nichts ist, und nichts von alledem,
was wirklich ist, was in mir schreit.
Deshalb lasse Dich bitte nicht täuschen
von dem, was ich gewohnheitsmäßig daherrede.
Bitte höre sorgfältig hin und versuche wahrzunehmen,
was ich nicht sage,was ich so gerne sagen würde,
was ich um des Überlebens willen rede
und was ich nicht sagen kann.
Ich verabscheue dieses oberflächliche Versteckspiel,
das ich da aufführe,denn es ist unecht und
ich wäre so gerne echt, ehrlich und spontan
einfach ich selbst.
Aber Du kannst mir helfen...
Du kannst Deine Hand ausstrecken, selbst wenn
es das Letzte zu sein scheint, was ich mir wünsche.
Du kannst dabei helfen, diesen leeren,
toten Glanz von meinen Augen zunehmen,
Du kannst mir helfen, mich zum Leben zurückzurufen.
Jedesmal, wenn Du freundlich und sanft zu mir bist und mir Mut machst,
jedesmal, wenn Du versuchst, mich zu verstehen
weil Du Dich wirklich um mich sorgst,
bekommt mein Herz Flügel - sehr kleine Flügel,
brüchige Schwingen, aber Flügel!
Dein Gespür, Dein Mitgefühl und Dein Verstehen
hauchen mir Leben einweil ich Dir vertraue,
und,ich möchte daß Du das weißt.
Ich möchte, daß Du weißt, wie wichtig Du für mich bist,
wie sehr Du mir helfen kannst, der Mensch zu werden,
der ich in Wahrheit bin - wenn Du es nur willst.
Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als das Du das wolltest.
Du kannst mir helfen, die Wand niederzureißen,
hinter der ich zittere,
bei Dir würde ich mich so gerne trauen können,
die Maske abzusetzen, damit Du mir Wege aufzeigen kannst,
wie ich mich aus meiner Schattenwelt,
aus meiner Angst, meiner Unsicherheit
und dieser inneren Einsamkeit befreien kann.
Bitte übersehe mich nicht !
Es wird nicht leicht für Dich sein,
denn die lang andauernde Überzeugung,
wertlos zu sein, schafft dicke Mauern,
und ich würde so gerne auf Deine Geduld vertrauen.
Und ich habe Angst davor, daß je näher Du mir kommen wirst,
ich umso blinder zurückschlagen könnte.
Ich wehre mich aus Angst gegen das, wonach ich schreie.
Aber, man hat mir gesagt,
daß Liebe stärker sei, als jeder Schutzwall,
und darin liegt meine Hoffnung.
Bitte versuche mir zu helfen, diese Mauern einzureißen,
mit sicheren und sehr vorsichtigen Händen,
denn dort bin ich immer noch das kleine Kind
und somit sehr empfindsam.
Wer ich bin, möchtest Du wissen???
Ich bin jemand, den Du sehr gut kennst,
denn ich könnte jedermann sein , den Du triffst,
jede Frau und jeder Mann, die Dir begegnen!"