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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : tinnitus, wenn das ohr SOS funkt



plofre
15.07.2004, 13:16
Ein Kollege von mir, er ist inzwischen in Pension, litt viele Jahre lang an diesem Problem. Wir wussten lange Zeit nichts davon, bis er sich schließlich outete.

Ich glaub, er ist das Problem bis zum Schluß nicht los geworden.

plofre

Manuel
15.07.2004, 14:59
Tinnitus kommt und geht - ich besuche ca. 1 mal pro Woche ein Konzert und weiß genau was dieser Zeitungsartikel aussagen will.

Meine Ohren summen ganz leicht bis mittellaut nach den Konzerten - mir ist aber aufgefallen, dass die psychische Verfassung dabei ausschlaggebend ist und man nicht in die "Statistikangst" verfallen sollte.

Ich spiele in einer Band - ich trage als einziger nie Ohrenschützer, was ja wohl jeder hier als unverwantwortlich und leichtsinnig abstempeln würde. Ich bin aber der einzige der nach dem Proben (und glaubt mir 120 DB sind ganz schön laut :] ) aus dem Proberaum geht und keinen Schmerz oder kein Pfeiffen verspürt.

Manche Besucher können keine 2 Minuten vor einem Becken sitzen, ohne dass die Ohren pfeiffen, sodass sie sogar ich hören kann. Wie so vieles sollte man versuchen die Krankheit besser verstehen lernen und nicht gegen sie anzukämpfen.

Ich würde natürlich jedem Ohrenschützer empfehlen - trotzdem sollte man verstehn warum es dazu kam. Ursache und Wirkung sind hier wohl etwas fehl am Platze wenn man sich die Statistik ansieht -> vor 5 Jahren weit weniger Tinnituserkrankte obwohl es auch damals Konzerte und laute Musik über den Walkman gab!

Manuel

Bellinda
15.07.2004, 15:53
@Manuel
ja das ist leichtsinnig. ein hörsturz zum beispiel kündigt sich vorher nicht an. es gibt keine warnung wie ein pfeifen nach lauter musik oder so, sondern es macht von einer minute auf die andere plop und du hörst nichts mehr.

ich hatte schon einen hörsturz, zum glück bis auf die wochen danach folgenlos. aber glaubt mir, man scheisst sich vor angst in die hosen, wenn man merkt, dass man nicht mehr hören kann und nicht weiß ob es je wieder wie vorher wird. es ging soweit, dass mir überall menschen aufgefallen sind die gebärdensprache sprechen und mir ganz komische gedanken durch den kopf gingen.

ich denke für mich war das ein ordentlicher warnschuss. feiere zwar nicht weniger, aber benutze halt bei extrem lauter musik ohropax.

aber wie es nun mal ist, man lernt nur aus den eigenen erfahrungen. trotzdem lieber manuel, pass auf dich auf. augen und ohren, die sind schon wichtig.

Fee
15.07.2004, 16:00
An Tinnitus leide ich seit meinem 41. Lebensjahr. Ständiges Pfeifen in den Ohren... Infusionen brachten außer einer Allergie (gegen HAES) nichts, Gingko auch nicht, alle durchblutungsfördernden Mittel hatten nur Nebenwirkungen. Ausgelöst wurde der Tinnitus durch extreme Streßsituationen. Ob ich nun einen Masker trage, der Geräusche macht, oder das Geräusch im Ohr habe - für mich machts keinen Unterschied. Ist beides gleich störend.

Mein HNO-Arzt sagte lapidar, er leide selbst seit 23 Jahren darunter, ich solle mich dran gewöhnen. So dumm es sich anhört: das habe ich auch. Ich höre im wahrsten Sinn des Wortes einfach nicht mehr hin.

Tagsüber fällt es eh nicht auf, weil ringsrum Geräusche sind, nur in der stillen Wohnung wirds dann laut... seit mein Mann bei mir lebt, ist das Problem auch gelöst *lächel*. Im Ernst: ich habe den Tinnitus unverändert, aber lebe damit und ignoriere ihn. Die beste Lösung meiner Ansicht nach.

Mein HNO-Arzt sagte mir neulich, im Schnitt kämen täglich 3 Patienten mit frischem Tinnitus in seine Praxis. TÄGLICH!!!! Er hat außen schon Zettel liegen, auf denen alles Wissenswerte darüber steht.

Übrigens wird Tinnitus auch sehr oft durch die Halswirbelsäule ausgelöst. Eine falsche Körperhaltung, Muskeln verspannt, die Wirbelsäule sitzt nicht mehr ganz korrekt und schon pfeifts und rauschts. Ab und zu lasse ich den Halswirbel wieder "richten", dann ist ein paar Tage Ruhe. Und mit WS-Gymnastik ist der Tinnitus auch etwas leiser geworden.

Am Besten ist es, wenn das Autodach offen ist und ich mit 150 über die Autobahn fahre. Dann hört man nur noch den Fahrtwind...

Feechen

Sternschnuppe
15.07.2004, 19:39
@ Shane:

Das ist ein ganz ausgezeichneter Artikel Shane - wo hast Du ihn her?

Das Wichtigste steht in dem Bericht. Kann dem nicht mehr viel hinzufügen außer:
was man bei chron. Tinnitus noch versuchen kann (Wundermittel gibt es ja leider nicht dagegen) ist Akupunktur bzw. Antidepressiva.

Gruß Silvia

Raga
18.07.2004, 20:52
@Fee

Sag mal... hast du HAES gegen dein Tinnitus bekommen als Infusion???? Wundere mich grad, weil ich das nur als Plasmaexpander kenne!

LG Raga

Tender
18.07.2004, 21:05
Ne, es gibt es tatsächlich wohl als Infusionlösung! Guckste hier ->

Hydroxyäthylstärke (HÄS)

HÄS gehört in die Gruppe der Plasmaexpander. Diese Stoffe werden in der Notfallmedizin eingesetzt, um das Blutvolumen, etwa bei hohen Blutverlusten zu erhöhen. Plasmaexpander sind Flüssigkeiten, in denen eine große Zahl an Molekülen gelöst sind. Wird diese kolloidale Lösung, wie der Fachbegriff lautet, per Infusion in die Blutbahn gebracht, ist die Konzentration an gelösten Teilchen im Blutgefäß größer als im umliegenden Gewebe. Dadurch tritt das Gewebewasser entlang des Konzentrationsgefälles in die Blutbahn über. Dadurch verringert sich der Anteil an zellulären Bestandteilen des Blutes - der Hämatokrit sinkt. Bis zu acht Stunden zirkuliert HÄS im Blutkreislauf. Danach wird es mit Urin oder Stuhl ausgeschieden. Allergische Reaktionen treten bei HÄS nicht so häufig auf wie bei den anderen Plasmaexpandern.

Aber wieso das gegen Tinnitus eingesetzt wird, ist mir auch ein Rätsel?!?

Quelle (http://www.aerztezeitung.de/docs/2001/03/05/041a0202.asp?cat=/medizin/doping)

Lieber Gruss Tender

Raga
18.07.2004, 21:14
Richtig Tender! So kenne ich das. HAES als Infusion als Plasmaexpander. Ich kann mir nur nicht erklären, welche Wirkung es bei einem Tinnitus haben soll, da man da ja normalerweise genug Blut hat, daß man eigentlich versucht zu verdünnen mit den entsprechenden Mittelchen. Ist mir und auch meinem Freund (angehender Arzt) etwas fremd das mit dem HAES.
Andererseits, wenn es eine hypertone Lösung ist und Zellflüssigkeit aus dem Gewebe ins Blut gelangt und auch die Infusion selbst, haben ja vielleicht schon ein butverdünnende Wirkung.
Trotzdem seltsam.. ich habe während meiner Arbeitszeit in der Apotheke nie HAES zum HNO-Arzt bringen müssen. Immer nur Kochsalz.Lsg. und irgendwas anderes, was ich leider vergessen habe :D

Tender
18.07.2004, 21:18
Ja, seh ich auch so...Deshalb hab ich mich ja auch gewundert. Für mich ist das auch ein Paradoxon, an sich...hmmm...Vielleicht hat ja Silvia eine Erklärung für uns parat. Würde mich wirklich sehr interessieren!

Lieber Gruss

Tender

Sternschnuppe
18.07.2004, 22:29
Kinder, Kinder; bin leider keine Expertin auf diesem Gebiet.

Dazu nur soviel: bei Tinnitus wird ja als eine mögliche Ursache eine cerebrale Durchblutungsstörung vermutet. HAES soll das Blutvolumen erhöhen und damit eine durchblutungfördernde Wirkung haben.
Meines Wissens nach wird es aber, zumindest in dieser Indikation, aufgrund zu vieler NW nicht mehr verwendet!
Sondern nur mehr als Plasmaexpander in der Intensivmedizin bzw. im NAW bei Unfallopfern (geschockten Patienten mit hohen Blutverlusten, Verbrennungsopfern, etc.).

Unter den tausenden Mitgliedern hier im Forum wird es doch wohl noch ein paar weitere Mediziner geben, die dazu was sagen können?

Lieben Gruß Silvia

Fee
19.07.2004, 06:18
Guten Morgen, Raga,

es war HAES drin in den Infusionen. Was sonst noch, weiß ich nicht. Nur so viel: ich habe von den ganzen Infusionen schwere Blutungen gekriegt. Morgens über das Waschbecken gebeugt, und das Blut lief aus der Nase und aus dem Mund. Außerdem kriegte ich fürchterlichen Juckreiz und peitschenartige rote Striemen am Körper. Mein Hautarzt definierte sofort: Allergie gegen Haes. Das Zeug verdünnte das Blut, es dauerte Monate!!!, bis es aufhörte. Ich war damals 41, es ist also 10 Jahre her, keine Ahnung, was in den Infusionen sonst noch war oder wozu das Haes gut war (ich hatte den Namen nie zuvor gehört). Man fragt nicht, wenn eine Klingel im Ohr sitzt.... Die Infusionen dauerten 4 Stunden täglich, schneller durfte es nicht gehen. Ich musste mich jedes Mal übergeben und mir gings besch*****. Genau so reagiere ich z.B. auf Enzyme - Wobenzym & Co. Nasenbluten, Zahnfleischbluten usw. , und auf Ananasenzyme (so Tabletten, die gut für die Verdauung sein sollen).

Ich lebe sehr gelassen mit dem Tinnitus, und ich kann jedem nur dazu raten: wenns klingelt, nicht verrückt machen, sondern die Krankheit (was es ja in gewissem Sinn ist) akzeptieren. Es gibt auch in Deutschland die Tinnitus-Liga, an die man sich wenden kann, wenn mans nicht auf die Reihe kriegt. Natürlich ist meine Raucherei nicht gerade das Gegenmittel....

Wenn ich Sport treibe, sind meine Muskeln gut durchblutet, dann sitzt der Halsmuskel richtig und es klingelt so gut wie nie oder ganz leise. Rad fahren tut sehr gut und Wirbelsäulengymnastik auch. Alles besser als diese Infusionen...

Fee

Raga
21.07.2004, 13:46
Soeben habe ich was interessantes gelesen. ich stöbere gerade in den alten Examensklausuren von meinem freund und da steht , daß man bei einem allergischen Schock am besten HES zur Volumensubstitution gibt, da es die Mikrozirkulation verbessert. na, jetzt bin ich schlauer :D

@ fee
find ich gut, daß du damit so gut umgehst. hatte ne Arbeitskollegin, die auch nen Tinnitus hat. Die macht es ähnlich wie du... quasi einfach nicht drum kümmern!

Alles Liebe
Raga