Thekla
1. Wer konstruktiv streitet, respektiert abweichende Meinungen. Versuchen Sie, eine Einigung zu erzielen. Diese kann in einem Kompromiß, aber auch in abwechselndem Bestimmen, in wechselseitigem Tolerieren, in gemeinsamem Verzicht oder dem Erfinden einer dritten, andersartigen Lösung bestehen.
Wer dagegen versucht, den anderen zu besiegen, zerstört auf längere Sicht die Beziehung. Zerstörerisches Streitverhalten greift vor allem auf zwei Unarten zurück:
* Die Übergeneralisierung. Das strittige Verhalten des anderen wird als für ihn typisch bezeichnet, vor allem mit Hilfe der Wörter „immer" und „nie" („Immer muß ich den Abwasch machen." – „Nie trägst du den Müll ‘runter.").
* Das Aufzählen vergangener Sünden. Es soll Leute geben, die ihrem Ehepartner mit einem zwanzig Jahre alten Fehltritt noch ein dauerhaft schlechtes Gewissen verursachen. In der Regel löst jedoch ein „Erinnerst du dich, wie du mir damals schon einmal ..." Gegenvorwürfe des gleichen Kalibers aus („Und du, letzte Weihnachten?"). Statt nach einer Problemlösung zu suchen, ergehen sich die Beteiligten voll Selbstmitleid in Anklagen, von denen ein langanhaltender Groll zurückbleibt.
Konstruktiv ist es, gemeinsam zu überlegen, mit welchem Verhalten man in Zukunft eine verletzende Auseinandersetzung vermeiden kann.
2. Erinnern Sie sich an fruchtlose Streitereien, in denen Sie viele überzeugende Argumente vorbrachten und sich trotzdem nicht durchsetzen konnten? Oder in denen Sie umgekehrt den Argumenten des anderen nicht entgegensetzen konnten, verärgert weggingen und Ihnen erst im Nachhinein einfiel, was Sie Treffendes hätten entgegnen müssen? Beides zeigt, daß es auf die Qualität der Argumente überhaupt nicht ankommt. Argumente sind nur Waffen in einer Auseinandersetzung, in denen es um Sieg und Niederlage geht. Ihre Beweisführung mag noch so gut sein – solange der andere nicht bereit ist zu verlieren (und wer ist das schon!), wird auch der überzeugendste Appell an die Vernunft auf taube Ohren stoßen.
Wer fragt, der führt, wer argumentiert, verliert! Fragen sind der erfolgreiche Einstieg in eine produktive Auseinandersetzung. Selbst bei unfairen Angriffen („Wer so redet, muß bescheuert sein") löst ein simples „Wieso?" die Spirale wachsender Eskalation auf. Es zeigt sich dann sehr schnell, daß hinter den Angriffen meist nur Groll und Durchsetzungswillen steckt, selten jedoch eine wohlbegründete Überzeugung. Wenn Sie also mit Ihren Argumenten nicht durchdringen, erfragen Sie statt dessen die Gründe für die Meinung Ihres Gegenüber. Dann finden Sie eher Ansätze für eine einvernehmliche Lösung als bei einem endlosen Schlagabtausch.
3. Was aber, wenn ein Partner nicht streiten will? Wenn er oder sie Ihren Versuchen, eine Angelegenheit zu besprechen, hartnäckiges Schweigen entgegensetzt? Die Ursache kann Konfliktscheu sein, aber auch die wiederholte Erfahrung, daß Sie Ihrem Gegenüber in der Vergangenheit wenig Chancen ließen, sich gegen Sie durchzusetzen. Die Folge: Resignation. Es hat wenig Sinn, den Streit erzwingen zu wollen. Besser ist es, auf jeden Druck zu verzichten und den Rückzug zu akzeptieren. Zuerst muß das Vertrauen zueinander zurückgewonnen werden. Fragen Sie Ihren Partner nach Vorschlägen für die gemeinsamen Angelegenheiten und befolgen sie sie ohne jede Diskussion, egal, ob sie anders entschieden hätten oder nicht. Wenn der Partner dadurch einige Male merkt, daß er sich durchsetzen kann, wenn er sich äußert, wird die Gesprächsbereitschaft allmählich zurückkehren.
4. Wenn der zerstörerische Streit eskaliert, kann Hilfe oft nur noch von außen kommen. In Partnerschafts-konflikten vermitteln seit einiger Zeit sogenannte Mediatoren, die nicht Partei ergreifen, sondern es sich zur Aufgabe machen, den zerrissenen Gesprächsfaden wieder zu knüpfen. Adressen erhält man bei Ehe- und Familienberatungsstellen (Anschriften in den Gelben Seiten) oder bei der Telefonseelsorge (bundeseinheitliche Telefonnummer: 0800 – 111 0 111).
5. Literaturempfehlungen:
George R. Bach/Peter Wyden: Streiten verbindet. S. Fischer Taschenbuch 3321.
Klassiker aus den sechziger Jahren, ausführlich und konkret, der allerdings ausschließlich Streit in der Partnerschaft behandelt und streckenweise veraltet wirkt.
Frank Naumann: Miteinander streiten. Die Kunst der fairen Auseinandersetzung. Rowohlt Taschenbuch, Sachbuch 9795.
Plädoyer für eine produktive Streitkultur im Alltag. Nennt Regeln konstruktiven Streitens, wie man sich gegen unfaire Streiter wehrt sowie Besonderheiten des Streits in der Partnerschaft, mit Kindern und im Beruf. Viele konkrete Beispiele.
Susanne Motamedi: Richtig streiten - Konflikte lösen. Kreuz Verlag Zürich 1997.
Nennt Wege zum konstruktiven Streiten, legt vor allem Wert auf die Entwicklung von Selbstbewußtsein und Sensibilität gegenüber Gefühlsbotschaften. Die Abwehr zerstörerischen Streitens und der Umgang mit unterschiedlichen Konfliktsituationen kommen jedoch nur am Rande vor.
Ute York: „Du nervst mich!" Von Affäre bis Zahnpastatube. Die häufigsten Anlässe für einen Streit und wie er sich entschärfen läßt. Mosaik Verlag München 1995.
Gibt konkrete Tips für das Finden von Kompromissen bei Konflikten für eine Vielzahl vertrauter Alltagssituationen, alphabetisch geordnet. Verzichtet allerdings auf jede Hintergrundinformation zu den Ursachen der Konflikte und für die Art und Weise, wie eine Auseinandersetzung geführt werden sollte.
quelle: www.berlinx.de
Wer dagegen versucht, den anderen zu besiegen, zerstört auf längere Sicht die Beziehung. Zerstörerisches Streitverhalten greift vor allem auf zwei Unarten zurück:
* Die Übergeneralisierung. Das strittige Verhalten des anderen wird als für ihn typisch bezeichnet, vor allem mit Hilfe der Wörter „immer" und „nie" („Immer muß ich den Abwasch machen." – „Nie trägst du den Müll ‘runter.").
* Das Aufzählen vergangener Sünden. Es soll Leute geben, die ihrem Ehepartner mit einem zwanzig Jahre alten Fehltritt noch ein dauerhaft schlechtes Gewissen verursachen. In der Regel löst jedoch ein „Erinnerst du dich, wie du mir damals schon einmal ..." Gegenvorwürfe des gleichen Kalibers aus („Und du, letzte Weihnachten?"). Statt nach einer Problemlösung zu suchen, ergehen sich die Beteiligten voll Selbstmitleid in Anklagen, von denen ein langanhaltender Groll zurückbleibt.
Konstruktiv ist es, gemeinsam zu überlegen, mit welchem Verhalten man in Zukunft eine verletzende Auseinandersetzung vermeiden kann.
2. Erinnern Sie sich an fruchtlose Streitereien, in denen Sie viele überzeugende Argumente vorbrachten und sich trotzdem nicht durchsetzen konnten? Oder in denen Sie umgekehrt den Argumenten des anderen nicht entgegensetzen konnten, verärgert weggingen und Ihnen erst im Nachhinein einfiel, was Sie Treffendes hätten entgegnen müssen? Beides zeigt, daß es auf die Qualität der Argumente überhaupt nicht ankommt. Argumente sind nur Waffen in einer Auseinandersetzung, in denen es um Sieg und Niederlage geht. Ihre Beweisführung mag noch so gut sein – solange der andere nicht bereit ist zu verlieren (und wer ist das schon!), wird auch der überzeugendste Appell an die Vernunft auf taube Ohren stoßen.
Wer fragt, der führt, wer argumentiert, verliert! Fragen sind der erfolgreiche Einstieg in eine produktive Auseinandersetzung. Selbst bei unfairen Angriffen („Wer so redet, muß bescheuert sein") löst ein simples „Wieso?" die Spirale wachsender Eskalation auf. Es zeigt sich dann sehr schnell, daß hinter den Angriffen meist nur Groll und Durchsetzungswillen steckt, selten jedoch eine wohlbegründete Überzeugung. Wenn Sie also mit Ihren Argumenten nicht durchdringen, erfragen Sie statt dessen die Gründe für die Meinung Ihres Gegenüber. Dann finden Sie eher Ansätze für eine einvernehmliche Lösung als bei einem endlosen Schlagabtausch.
3. Was aber, wenn ein Partner nicht streiten will? Wenn er oder sie Ihren Versuchen, eine Angelegenheit zu besprechen, hartnäckiges Schweigen entgegensetzt? Die Ursache kann Konfliktscheu sein, aber auch die wiederholte Erfahrung, daß Sie Ihrem Gegenüber in der Vergangenheit wenig Chancen ließen, sich gegen Sie durchzusetzen. Die Folge: Resignation. Es hat wenig Sinn, den Streit erzwingen zu wollen. Besser ist es, auf jeden Druck zu verzichten und den Rückzug zu akzeptieren. Zuerst muß das Vertrauen zueinander zurückgewonnen werden. Fragen Sie Ihren Partner nach Vorschlägen für die gemeinsamen Angelegenheiten und befolgen sie sie ohne jede Diskussion, egal, ob sie anders entschieden hätten oder nicht. Wenn der Partner dadurch einige Male merkt, daß er sich durchsetzen kann, wenn er sich äußert, wird die Gesprächsbereitschaft allmählich zurückkehren.
4. Wenn der zerstörerische Streit eskaliert, kann Hilfe oft nur noch von außen kommen. In Partnerschafts-konflikten vermitteln seit einiger Zeit sogenannte Mediatoren, die nicht Partei ergreifen, sondern es sich zur Aufgabe machen, den zerrissenen Gesprächsfaden wieder zu knüpfen. Adressen erhält man bei Ehe- und Familienberatungsstellen (Anschriften in den Gelben Seiten) oder bei der Telefonseelsorge (bundeseinheitliche Telefonnummer: 0800 – 111 0 111).
5. Literaturempfehlungen:
George R. Bach/Peter Wyden: Streiten verbindet. S. Fischer Taschenbuch 3321.
Klassiker aus den sechziger Jahren, ausführlich und konkret, der allerdings ausschließlich Streit in der Partnerschaft behandelt und streckenweise veraltet wirkt.
Frank Naumann: Miteinander streiten. Die Kunst der fairen Auseinandersetzung. Rowohlt Taschenbuch, Sachbuch 9795.
Plädoyer für eine produktive Streitkultur im Alltag. Nennt Regeln konstruktiven Streitens, wie man sich gegen unfaire Streiter wehrt sowie Besonderheiten des Streits in der Partnerschaft, mit Kindern und im Beruf. Viele konkrete Beispiele.
Susanne Motamedi: Richtig streiten - Konflikte lösen. Kreuz Verlag Zürich 1997.
Nennt Wege zum konstruktiven Streiten, legt vor allem Wert auf die Entwicklung von Selbstbewußtsein und Sensibilität gegenüber Gefühlsbotschaften. Die Abwehr zerstörerischen Streitens und der Umgang mit unterschiedlichen Konfliktsituationen kommen jedoch nur am Rande vor.
Ute York: „Du nervst mich!" Von Affäre bis Zahnpastatube. Die häufigsten Anlässe für einen Streit und wie er sich entschärfen läßt. Mosaik Verlag München 1995.
Gibt konkrete Tips für das Finden von Kompromissen bei Konflikten für eine Vielzahl vertrauter Alltagssituationen, alphabetisch geordnet. Verzichtet allerdings auf jede Hintergrundinformation zu den Ursachen der Konflikte und für die Art und Weise, wie eine Auseinandersetzung geführt werden sollte.
quelle: www.berlinx.de