Thylia
Hallo zusammen,
in den letzten Tagen und Wochen, und auch früher immer mal wieder, stellte sich mir die Frage, warum ich eigentlich ständig über politische und wirtschaftliche Gegebenheiten motze, mich aber nicht dafür einsetze, dass sich etwas ändert.
Natürlich stellte sich bei diesen Überlegungen auch immer die Frage, welcher Partei oder Organisation ich mich anschließen könnte, welche von den vielen meine eigenen Interessen am besten deckt bzw. mit wem ich mich am besten identifizieren kann. Bei diesen Überlegungen ist es dann auch immer geblieben, getan habe ich in dieser Hinsicht nie etwas.
Irgendwie habe ich nun das Bedürfnis, daran ganz bald etwas zu ändern. Und ich habe natürlich auch das Bedürfnis, Euch mal zu fragen, ob Ihr in einer Partei, einer Gewerkschaft, einer Organisation Mitglied seid. Und wenn Ihr es seid: Seid Ihr sehr aktiv oder beschränkt sich Eure Mitgliedschaft auf die Zahlung des jährlichen Beitrags?
Wie seid Ihr dazu gekommen, Euch dort einzuschreiben? Was sind Eure Ziele innerhalb dieser Organisationen etc.?
Lieben und wie immer neugierigen Gruß,
Thylia
jules1
Hallo...
ich bin in keiner Partei, keiner Gewerkschaft, keinem Verein...und auch in sonst nix.
Ich kann schlecht erklären, warum das so ist...ich glaube einfach nicht, dass ich so mehr erreiche als allein - jedenfalls für die Dinge, die mir am Herzen liegen.
Was möchtest Du denn in einer Organisation erreichen, Thylia?
Gruss jules
Thylia
Ach jules,
wenn ich könnte, würde ich die Welt retten. Derzeit liegt es mir am schlimmsten im Magen, dass so unglaublich viele Menschen in unserem Land gibt, die knapp an oder schon unter der Armutsgrenze leben müssen. Ich sehe es in der eigenen Familie, was z.B. ALG II wirklich heisst. Natürlich ist es nicht einfach so finanzierbar, wenn man jedem ohne Gegenleistung mehr Geld gibt, das will ich auch gar nicht - aber man muss doch irgendwie dafür sorgen können, dass die Menschen wieder in die Lage versetzt werden, selbst für ihren Lebensunterhalt aufzukommen.
Das heisst unter anderem sinnvolle Bildungswege an den Schulen. Ich habe mir das Konzept des berufsvorbereitenden Unterrichts mal erklären lassen und finde es gut. Die Kids müssen darauf vorbereitet werden, was nach der Schule kommt, sie müssen eine Perspektive bekommen, dass sie auch wirklich einen Ausbildungsplatz kriegen und nach der Ausbildung auch Arbeit finden.
Eltern müssen wieder motiviert werden, sich um ihre Kinder zu kümmern. Es ist nicht Aufgabe der Kindergärten und Schulen, die Kinder zu erziehen. Das muss zu Hause passieren, Schule soll Wissen vermitteln, nicht den anständigen Umgang mit Messer und Gabel.
Außerdem kann es nicht angehen, dass man sich für einen Hungerlohn krummbuckelt, nur weil es eben keine Vorschriften gibt, die so etwas verbieten. Dass Arbeitnehmer, die nur, damit sie wenigstens überhaupt eine Arbeit haben, z.B. von Zeitarbeitsfirmen regelrecht ausgebeutet werden, ist eine Unart, die mich rasend macht. (Vor allem, weil mich das selbst auch betrifft...) Alten- und Krankenpfleger, die eine unglaublich wichtige Arbeit leisten, bekommen Gehälter, die einfach jeder Beschreibung spotten. Friseure, Erzieher, Putzfrauen... alle arbeiten "für´n Appel und ´n Ei" und tun dies, um eben dem Staat nicht auf der Tasche liegen zu müssen - wären aber vermutlich mit ALG besser dran, weil sie dann sicher mehr Geld in der Tasche hätten.
Ach, ich könnte Stunden weiterschreiben, aber das muss erst mal reichen. Schließlich bin ich ja auf der mies bezahlten Arbeit...
Thylia
jules1
Hmm...das sind mit Sicherheit die grössten Misstände unserer Zeit, wobei das eine (hartz4 oder schlecht bezahlte Arbeit) in Zukunft mehr und mehr durch den schlechten Bildungs-und Erziehungsstandard forciert wird.
Ich weiss nur nicht...welche Art Organisation da helfen soll...?
Welche Orga soll Eltern sagen: Nun erzieht mal Eure Kinder, bringt Ihnen Normen, Werte, Lernbereitschaft und Respekt bei...- ich weiss es nicht.
Dass die Regierung keine vernünftigen Gesetze für Mindestlöhne hinbekommt ist schlicht Hohn...Menschen arbeiten...und sind trotzdem auf staatliche Hilfe angewiesen...tz.
Gruss jules
Thylia
Genau das ist ja der Punkt - das geht einfach nicht.
Und was die Eltern betrifft: Ich denke, dass die meisten wieder wesentlich mehr Wert auf die Erziehung ihrer Kinder legen würden, wenn sie selbst das Gefühl hätten, dass ihr Leben lebensWERT ist. Der eigene Anspruch ändert sich ja mit den Lebensumständen. Wenn man etwas leisten kann und die Früchte seiner Leistung erntet, hat man wesentlich mehr Lust, anderen dieses Gefühl zu vermitteln und sie anzuleiten, als wenn man hoffnungslos in einer dümpeligen Bude hockt und denkt, dass ohnehin alles sinnlos ist.
Es muss einfach wieder jedem klar werden, dass Leistung sich lohnt - wenn wir es denn schaffen, diesen Umstand auch wieder herzustellen.
jules1
| Zitat: |
Original von Thylia
Es muss einfach wieder jedem klar werden, dass Leistung sich lohnt - wenn wir es denn schaffen, diesen Umstand auch wieder herzustellen. |
|
Das ist auf jeden Fall richtig.
Aber das WIE...das ist das Problem.
WER soll den Leuten das denn nahe bringen, jemand der gut situiert und einen tollen Job hat - der erweckt doch eher Neidgefühle...oder jemand, der ackert wie blöde und dennoch auf keinen grünen Zweig kommt, der ist dann wenig glaubwürdig.
Das ist so verzwickt und vielschichtig problematisch, dass es kaum einen Ansatzpunkt gibt.
jules
Thylia
Dass es kaum einen Ansatzpunkt gibt, heisst aber nicht, dass es gar keinen gibt. Es hat in der Geschichte unendlich viele Ideen gegeben, die für unumsetzbar gehalten wurden - und trotzdem fliegen wir heute, telefonieren um die ganze Welt und tauschen enorme Datenmengen über Kabel und Satellit aus.
Wenn man einen Weg finden WILL, findet man ihn auch. Die Leute müssen sich nur endlich von ihrer Lethargie befreien und aufstehen, sich ihrer Stimme erinnern und von dieser Gebrauch machen. Dann wäre ein erster Schritt schon getan.
Solang alle hinnehmen, was mit ihnen getan wird, wird sich nie etwas ändern. Bis einer kommt, der ihnen sagt, was sie hören wollen, der ihnen sagt, was sie zu tun und wen sie zu wählen haben. Und was dann passiert, können wir ja uns ja vielleicht vorstellen. Aber das ist jetzt schon weit weg von meiner ursprünglichen Frage und kann an anderer Stelle weiter diskutiert werden.
jules1
| Zitat: |
Original von Thylia
Solang alle hinnehmen, was mit ihnen getan wird, wird sich nie etwas ändern. Bis einer kommt, der ihnen sagt, was sie hören wollen, der ihnen sagt, was sie zu tun und wen sie zu wählen haben. Und was dann passiert, können wir ja uns ja vielleicht vorstellen. Aber das ist jetzt schon weit weg von meiner ursprünglichen Frage und kann an anderer Stelle weiter diskutiert werden. |
|
Das können wir gerne machen...
aber nochmal meine Frage: Was für eine Organisation schwebt Dir denn vor, mit der diese Ziele erreicht werden sollen?
Thylia
Nunja, es sollte jedenfalls keine kleine Klitschenpartei sein, die sowieso niemand ernst nimmt. Bisher habe ich mich ja immer nur theoretisch damit befasst, kenne mich also nicht umfassend in den Programmen der derzeit großen Parteien aus.
Am besten wäre wohl eine Mischung aus allem, also eine SPDUP/GrüLi oder so. Jeder hat Ansichten, mit denen ich was anfangen kann, denen stehen aber, sofern ich denn Infos darüber gesucht habe, auch Dinge entgegen, die ich weniger unterstützenswert finde. Man müsste sich da einfach besser auskennen, um wirklich eine Entscheidung treffen zu können, daher auch meine Frage, ob und wo hier andere politisch engagiert sind und aus welchen Gründen.
MadDoc
Ich bin nicht politisch organisiert, und das hat seine Gründe.
1. die Parteien die ich für unterstützenswert halte, werden es nie schaffen
2. die "Großen" schei... doch alle ins selbe Loch, klingt jetzt etwas abwertend, aber, egal wen man wählt, es ändert sich nur soviel: Es wird nicht besser.
Ich will jetzt nich mit der "Früher war alles besser" Keule um die ecke kommen, es war nur einfacher.
Nunja, irgendwann wandere ich eh aus, dann kann Deutschland gerne ganz den Bach runtergehen.
Thylia
Genau, es ändert sich eh nix, also lassen wir alles, wie es ist. Und wenn man ohnehin die Option hat, irgendwann (wann genau ist denn irgendwann?) zu verschwinden, ist es ja auch egal. Schließlich ist man ja nur sich selbst gegenüber verantwortlich, auf die Gemeinschaft, die, die nach uns kommen und die, die schon da sind und unsere Hilfe brauchen, müssen wir ja keine Rücksicht nehmen. Und bis es soweit ist, dass wir verschwinden, können wir ja alles hinnehmen und es uns auf unserem Sesselchen bequem machen. Gut, wenn man sich noch nen Sessel leisten kann...
Sowas macht mich genau so wütend wie Sprüche alá: "Ich hatte keine Zeit, wählen zu gehen".
jules1
Och Thylia...ich fürchte ich mache Dich jetzt noch wütender, ich habe keine Lust wählen zu gehen; zeit hätte ich ....aber mir gefällt keine der Parteien so sehr, dass ich sie durch meine Stimme unterstützen möchte.
Helfen...das versuche ich allein, auch damit kann ich ein paar kleine Misstände lindern, aber ich kann kein Gesetz machen, und ich kann auch keine Partei gründen, die die Macht erringen könnte wirklich mal was zu ändern.
Wie war das denn in den 70er Jahren..., welche Leute haben damals was geändert und wodurch?
Gruss jules
Thylia
Ich werde dazu später einen eigenen Thread eröffnen, da wir hier schon wieder total OT diskutieren - was sicher meine Schuld ist. Das Thema ist aber durchaus wert, weiter diskutiert zu werden.
Daher später an anderer Stelle mehr dazu.
plofre
Tja, ich muss mal wieder Dinosaurier spielen...
Ich bin seit meiner Jugend Mitglied der SPÖ. Mit meinen Mittzwanzigern habe ich begonnen, kleine Funktionen zu übernehmen, vor allem auf lokaler Ebene. Ich habe Parteitage als Delegierter besucht, dort durchaus nicht immer mit der Mehrheit gestimmt und manchmal haben wir sogar Beschlüsse durchgebracht, die die Parteiführung am liebsten auf die lange Bank geschoben hätte.
Jetzt bin ich Vorstandsmitglied der Sozialistischen Esperantisten, einer Zweigorganisation der SPÖ, und geh noch immer auf Parteitage...
Bei der Gewerkschaft bin ich, seit ich berufstätig bin. Das war damals einfach Ehrensache. Zur Zeit bin ich Ersatzbetriebsrat meiner Firma und habe auch gewerkschaftliche Schulungen hinter mir.
Ich bin Mitglied bei diversen im sozialen Bereich tätigen Organisationen, dort allerdings nicht aktiv, sondern reiner Beitragszahler.
Das Beispiel mit den durchgebrachten Parteitagsbeschlüssen zeigt, dass es durchaus Sinn hat, sich in den Organisationen zu bewegen, und dass man auch was erreichen kann. Die Welt niederreißen kann man natürlich nicht...
Gruß
plofre
almac
Ich weiss bis heute nicht welcher Partei ich beitreten könnte.
Zwar fallen zwei raus, nämlich die CDU und die Grünen,
aber das hilft mir nicht wirklich weiter!
Die Linken (WASG-NRW), FDP oder SPD bleiben für mich noch übrig,
jeder von denen hat etwas was mir gefällt an Themen, aber halt immer nur ein bischen.
Wenn ich diese Partei zusammenwürfeln könnte dann ware es echt klasse!
SuesseHexe
Hexe ist aktive Grüne
@almac: SPD - ach nö, dann lieber konsequent die Linke, aber werft die Stasi-Truppe vorher raus
FDP - stehn die noch für irgendwas?