Mysterien

Mystik
Mysterien

Das Wort Mysterien leitet sich vom griechischen mysterion ab und bedeutet Geheimnisse.

Bei den Griechen verstand man unter Mysterien gewisse Kultgebräuche, an denen nur solche Personen teilnehmen durften, die nach bestimmten Vorbereitungen, ja bei einzelnen erst nach Bestehen vorgeschriebener Prüfungen und nach Ablegung eines Gelübdes der Verschwiegenheit in den Kreis der Eingeweihten aufgenommen wurden.

Der besondere Inhalt dieser Mysterien war, soweit die nur mangelhafte Kunde davon reicht, ein doppelter: teils eigentümliche Legenden über die Taten und Schicksale der Götter, denen die Mysterien geweiht waren, teils symbolische Gebräuche, indem bei den Festversammlungen der Teilnehmer unter Leitung priesterlichen Personals der Inhalt jener Legenden durch sinnbildliche Aufführungen dargestellt wurde.

Ihre Bedeutung beruhte wesentlich auf den ohne Zweifel z. T. sehr mächtigen Eindrücken, die jene Schaustellungen, deren Wirkung besonders durch Beleuchtungseffekte noch gesteigert wurde, auf die Phantasie und das Gemüt der "Schauenden" (=Epopten) ausübten, indem sie in diesen das Gefühl der Reinigung und Heilung und die tröstliche Hoffnung auf ein Fortleben nach dem Tode in einem seligen Jenseits erweckten.

Entgegen einem weitverbreiteten Irrtum hat es auch noch im Mittelalter (MA) Mysterien gegeben und zwar namentlich in Frankreich und Deutschland. In Paris bildete sich um 1380 eine Gesellschaft, die Confrérie de la Passion, deren Mysterien eine große Anzahl von Abteilungen zu umfassen pflegten, die an verschiedenen Tagen nacheinander aufgeführt wurden. Diese Mysterien wurden unter freiem Himmel gegeben, die Spieler waren Personen aus allen Ständen, Geistliche, Schüler, Handwerker und andere Bürger.

Im Hintergrund der Bühne waren mansiones (maison = Gebäude), z. B. der Tempel Salomons, angedeutet. Der Zuschauerraum, von der Bühne durch Schranken getrennt, zerfiel in eine Anzahl Logen. Biblische Handlungen wurden im Chor durch junge Kleriker als wirkliche Szenen dargestellt, namentlich solche aus dem Alten Testament (AT), z. B. Bileam mit seinem Esel, Daniel in der Löwengrube oder König Salomo und sein Baumeister Hiram Abi.

Die Bezeichnung Mysterien ist westeuropäischen Ursprungs; bei den Griechen heißen die Mysterien teletai (= Beendigungen).

Mysterien-Bünde werden verschiedene Nachahmungen der alten Mysterien genannt.
Mystik
Mysteriensprache

Unter Mysteriensprache versteht man die besonderen Sprachen oder Ausdrucksweisen, denen sich eingeweihte Priester oder überhaupt Eingeweihte bedienten, um heilige Dinge zu diskutieren; eine Andeutung hiervon hat sich noch in dem katholischen Brauch erhalten, die Messe lateinisch zu zelebrieren.

Ebenso werden in der zeremoniellen Magie alle wirksamen Rituale praktisch in lat. oder griech. Sprache, zuweilen auch in Hebräisch abgewickelt.

Zu den Mysteriensprachen gehört sicher auch die geheimnisvolle "henochische Sprache". In der Freimaurerei (FM) beschränkt sich die Mysteriensprache auf den Gebrauch einer ganzen Reihe von speziellen Ausdrücken, die höchstens eingeweihte Sachkenner voll beherrschen und die noch dazu von Grad zu Grad gewisse Unterschiede aufweisen, so dass in der richtigen Beherrschung dieser Ausdrucksweise schon eine gewisse Legitimation liegt.

Als Beispiel für Mysteriensprache kann die von Eliphas Lévi in Gegenwart von Edward George Earl Bulwer-Lytton in London durchgeführte Evokation des Apollonius von Tyana dienen; Lévi benutzte hierzu den altgriechischen Text des Nuctemeron mit einer angefügten, ebenfalls griech. Beschwörung.

Der Wortlaut ist abgedruckt [S. 297-308] in "Dogma und Ritual der Hohen Magie" (Band 2, München 1927), wo sich gleichzeitig eine deutsche Übersetzung findet, die naturgemäß nur zur Orientierung dient und nicht zur Evokation selbst benutzt werden kann.