[Familie] Vater hat Schlaganfall erlitten - Genesung & Umgang mit der Situation?

Tormentor667
Liebe Almis,
ich weiss ich war schon lang nicht mehr hier aber trotzdem weiss ich, daß ich den besten Rat und die brauchbarsten Worte hier bekommen kann, deshalb bin ich nun auch mit meinem Anliegen hier. Worum gehts?

Mein Vater hat vor 2 Tagen einen Schlaganfall erlitten und wurde mitten in der Nacht vom Notarzt abgeholt. Er konnte kein einziges Wort mehr sprechen, ist im Wohnzimmer hin und hergerannt und war völlig verwirrt.

Heute, 2 Tage danach, kann er immerhin schonwieder etwas besser reden, findet aber teilweise nicht die richtigen Worte, kann nicht richtig lesen und beim Sprechen werden auch immer wieder Worte vertauscht. Darüberhinaus ist immernoch ein gewisser Zustand der Unklarheit da, sprich, "er scheint noch nicht alles wieder zu checken".

Der ärztliche Befund sieht ernüchternd aus: Schlaganfall und Bluterguss sind nach dem CT deutlich zu sehen, desweiteren ist mein Vater Herzkrank, hat eine Vergrößerung des Herzens, eine Verdickung der Herzwand und Blutgerinsel die im Herz festsetzen. Eines dieser Blutgerinsel hat sich wohl gelöst und den Schlaganfall ausgelöst.

Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß mein Vater obendrein auch noch Raucher ist, Alkohol konsumiert, Bluthochdruck hat und zu guterletzt Diabetiker ist, alles also Riskofaktoren. So etwas musste also irgendwann kommen unglücklich

Nunja, was ich nun fragen wollte ist einfach was für Erfahrungen ihr mit Schlaganfällen gemacht hat und wie seine Chancen in Anbetracht der Diagnose stehen, daß alles wieder regeneriert werden kann.

Desweiteren habe ich derzeit massive Probleme, bin völlig mit den Nerven runter, mehrfach am Tag ist mir zum Heulen zu Mute, manchmal schiessts dann auch einfach raus und ich weiss nicht wie ich mit der Situation umgehen geschweige denn klarkommen soll. Ich habe ein sehr enges und gutes Verhältnis zu meinem Vater und ihn so zu sehen macht mich völlig fertig unglücklich

Danke schonmal... Grüße,
Dani
Endara82
Hallo Tormentor,
willkommen im Club, mein Vater hatte letzte Weihnachten einen Schlaganfall... Bei ihm ist jetzt alles rückläufig.

Unsere Geschichte hört sich ähnlich an. Rauchen, Alkoholkonsum, sowieso schon Herzkrank... außer das mit der guten Beziehung, die hab ich nicht.

Gut, jetzt zu deiner Frage. Ich als Krankenschwester kann dir dazu nur sagen, dass es drauf ankommt wo der Schlaganfall war, wie groß das Areal ist, welche Therapie erfolgt, woher der Schlagafall kam etc...

Bei meinem Vater war es 2 Tage nach dem Schlaganfall auch noch nicht wieder gut. Jetzt hat er aber "nur" noch Sensibilitätsstörungen und einen seltsamen Schmerz in der linken Flanke, für den niemand den Grund findet und der ihn schier wahnsinnig macht.

Wie geht man damit um? Ich weiß es nicht. Wir warteten schon seit Jahren auf den großen Knall. Aber es hat sich nichts geändert.

Vielleicht googlest du mal, es gibt sicher für Angehörige ein paar Selbsthilfegruppen im Netz. Und ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, dass da nur Geduld hilft, manche Symptome gehen im Verlauf fast ganz zurück, andere bleiben...

Ich wünsche deinem Vater und dir, dass alles wieder gut wird und drücke die Daumen. Ihr schafft das!

Liebe Grüße, Endara.

Edit: Die Aphasie, Wortfindungsstörungen und die Verwirrtheit sind wirklich ganz "normal" für einen Apoplex-Patienten. Das kann man eigentlich ganz gut Therapieren. Manchmal bleibt das natürlich auch, das solltest du schon wissen. Aber, wenn man sich mal vor Augen hält, wie schlimm so ein Schlaganfall tatsächlich ausgehen kann, dann sind diese Folgen wirklich das "kleinere Übel" (wenn man sich mal Halbseitenlähmungen, Bettlägrigkeit, das Appalische Syndrom vorstellt... was ja wirklich nicht selten vorkommt...). Zumindest hab ich das bei meinem Vater so empfunden. LG
Tormentor667
Danke Endara,
ich habe schonmal vorher etwas gegoogelt, aber nicht wirklich etwas gefunden, was brauchbar ist. Werde auch heute nochmal ins Krankenhaus fahre und sehen, wie's weitergeht und ob's aufwärtsgeht.
micha.ami
Hallo Tormentor,
du hast mein vollstes Mitgefühl. Ich habe ähnliche Erfahrungen. War zwar mein Opa und ist auch schon ein paar jährchen her...
Bei meinem Opa hieß es damals, künstliches Koma.. Als sie ihn wieder raus geholt haben hieß es die komplette Linke seite würde gelämt bleiben...
Was den Genesungsprozess angeht, meine Tante ist Pysiotherapeutin und hat meinen Opa wieder komplett hinbekommen, mit Reden, Schreiben und sogar laufen so das er nur noch eine Krücke gebraucht hat. Das war aber nur möglich weil Sie eben eine Intensive Behandlung mit ihm durchgezogen hat.
Ich denke bei deinem Vater ist es zum Glück nicht so schlimm. Was ich damit sagen will, wenn die Therapie intensiv genug angefangen und durchgezogen wird, dann hat dein Vater gute Chancen das alles wieder hinzubekommen.

Was deine Emotionen angeht, das ist doch ganz normal das du so reagierst! Du hast Angst um deinen Vater da ist es doch ganz normal das dich dann mal tränen überkommen. Hast du mal mit deiner Mutter drüber gesprochen? Was dagegen zu machen ist schwierig, weil du deine Emotionen ja nicht abschalten kannst, und das auch nicht solltest.

Ich wünsch euch alles gute und deinem Vater eine baldige und vollständige Genesung.
Gruss
Micha
plofre
Tormentor, zunächst einmal mein tiefempfundenes Mitgefühl! unglücklich

Ich weiß nicht, wie alt dein Vater ist, aber wenn er noch nicht allzu alt ist, können die Folgen nach einiger Zeit soweit zurückgehen, dass sie sein Leben nicht weiter beeinträchtigen.

Ich habe bezüglich Schlaganfällen nur hinsichtlich meiner Großmutter Erfahrung. Die hat es - nach einem "pumperlgesunden" Leben knapp vor dem 90. Lebensjahr erwischt. Danach aber gab es eine Serie von Schlaganfällen, die mit ihrem Tod geendet haben. Aber, wie gesagt, das ist bei deinem Vater ja hoffentlich nicht zu befürchten.

Mein eigener Vater hatte noch keinen Schlaganfall, aber ein subdurales Hämatom, also eine Blutung zwischen harter Hirnhaut und Gehirn. Das führte zur Lähmung fast seiner gesamten rechten Körperhälfte. Nach Operation und Absaugen der Blutansammlung gingen die Symptome sehr rasch wieder zurück und jetzt läuft er wieder - ist auch schon Mitte 80 - munter durch die Gegend.

Ich wünsche deinem Vater auf jeden Fall baldige Besserung!

Gruß
plofre
Endara82
Hallo Tormentor,
wie geht´s deinem Vater inzwischen? Und dir?

Schau mal hier Schlaganfallseite, das hört sich ganz brauchbar an.

Ich wünsche deinem Vater gute Besserung und dir viel Kraft, liebe Grüße, Endara.
Tormentor667
Also danke euch allen erstmal für eure Worte. Wenn man das liest bekommt man natürlich selbst auch wieder die Hoffnung zurück und das tut einem auch sehr gut!

Meinem Vater geht es nun nach einer Woche den Umständen entsprechend gut. Motorisch ist er nicht eingeschränkt und sein Zustand hat sich die letzten paar Tage meiner Meinung nach echt verbessert. Er kann teilweise wieder gut sprechen und mit einem reden, manches klappt sprachlich sehr gut, andere Dinge funktionieren noch garnicht. Der Schlaganfall hat wohl in dem Bereich des Sprachzentrums den meisten Schaden angerichtet, da er immer wieder Worte vertauscht oder verzweifelt auf der Suche nach dem ein oder anderen Wort ist. Vom Sprechen allgemein sind die Gedankengänge auch noch recht wirr, ich kann mir da aber - bin ja kein Fachmann - noch kein richtiges Bild machen.

Dementsprechend, da es meinem Vater nun etwas besser geht, fühle ich mich auch nicht mehr ganz so schlecht, aber zur Zeit ists einfach stressig für mich, da ich den ganzen Schriftkram von ihm verwalten muss, ihn mindestens alle 2 Tage besuche und natürlich selber noch zur Schule muss. Klar, meine Mum ist ja auch noch da, aber die kann in dem Bereich nicht wirklich viel helfen.

Was mich mal interessieren würde in Bezug auf Therapie und dergleichen: Er wird ja höchstwahrscheinlich noch 2 Wochen im Krankenhaus liegen und danach gehts dann in die Reha. Kann man denn beeinflussen wohin er geschickt wird? Gestern war eine Sozialarbeiterin da, die ihn nach Urach schicken wollte aber da war schon meine Großmutter nach ihrem Schlaganfall und da wurde nur gemurkst, sie wurde nur allein gelassen und niemand hat mit ihr gearbeitet, sprich: Da schick ich meinen Dad nicht hin!

Desweiteren: Wie kann ich mit ihm am Besten Dinge üben, mit ihm arbeiten und mit ihm lernen?
Shirley
hallo tomi,

erstmal mein herzlichstes mitgefühl!
mein vater erlitt selbst schon einen schlaganfall - vor ein paar jahren. er konnte kaum mehr sprechen, hat nur noch gelallt, konnte nicht mehr gehen oder eine tasse heben...heute lebt er wieder in seinem haus - alleine. er kann für sich kochen und einiges selbstständig machen. natürlich nicht alles. z.b. duschen kann er nicht, da er die kraft nicht mehr hat. aber dafür gibt es ja die spitex (ich weiss nicht, wie das bei euch in deutschland heisst).

jedenfalls war mein dad nach dem krankenhaus auch in therapie. wir konnten nicht aussuchen, wohin er gehen musste / durfe, das wurde vom arzt verschrieben, da scheinbar nicht jede klinik für die reha von schlaganfällen geeignet war. dort wo mein vater war, war er gut aufgehoben. und neben der reha wurde noch gleich ein entzug mit ihm gemacht - kein alkohol und kein nikotin.

als er dann wieder nach hause kam, ging es ihm so gut, dass er sogar wieder arbeiten konnte. dummerweise hat ihn der alltag eingeholt und er fing wieder mit zigaretten und alkohol an - gift für jeden der schonmal einen schlaganfall hatte! folgen: er hatte wieder einen (eine streifung). erneut in die therapie, erholen... und kam wieder "clean" zurück. jetzt trinkt er keinen alkohol mehr, raucht aber immer noch ziemlich deftig. aber es scheint ihm soweit gut zu gehen.

da er sich selbständig gut erholt hat, kann ich dir keine tipps geben, wie du mit ihm arbeiten kannst.

aber ich will dir etwas sagen: dein vater scheint guter dinge zu sein. denn es gibt genügend menschen, die nach einem schlaganfall nie mehr sprechen können oder nicht mehr gehen können... von daher sollte er dankbar dafür sein, dass er sich erholen konnte. und wichtig ist: vom alkohol und den zigaretten weg. sonst ist ein rückfall vorprogrammiert. mein vater wollte es nicht glauben, bis es ihn erwischte...

alles liebe, shirley
Endara82
Hallo Tormentor,
man kann als Kassenpatient nur schwer beeinflussen wo man zur Reha hin kommt. Da ist man auf den guten Willen der Sozialarbeiter angewiesen. Mit denen kann man aber meistens vernünftig reden.

Alle sonstigen Fragen solltest du mit den Physiotherapeuten und Ergotherapeuten die deinen Vater betreuen besprechen. Davon hab ich keine Ahnung.

Weiterhin alles Gute für dich und deine Familie, Endara.