Fragaria
Hallo Leute!
Ich muss mich mal ausquatschen. Ich hoffe ich finde hier ein offenes Ohr (Auge).
Ich arbeite in einem relativ kleinen Betrieb. Bisher kam ich mit meinem Chef einigermassen klar. Aber in letzter Zeit häufen sich die Vorfälle, wesegen ich am liebsten einfach sofort kündigen würde. Uns wird überhaupt gar nichts geboten. Man bekommt weder ein Lob, noch sonstwelche Anerkennung. Im Gegenteil. Der Mann kommt nur an, wenn er Arbeit hat oder was zu meckern. Er bezahlt keine einzige Fortbildung (was in unserer Branche durchaus üblich ist), bezahlt trotz gut laufendem Betrieb keinen Cent über Tarif, kommt mit wichtigen Arbeiten ein paar Tage vor seinem Urlaub und erwartet, daß danach alles erledigt ist (wie denn, wenn ich keinen Fragen kann, wenn ich nicht weiter weiß???) und geht auf Arbeitsplanwünsche nur ein, wenn er gute Laune hat. Abgesehen davon haben wir unmenschliche Arbeitszeiten. Samstags arbeite ich neun Stunden am Stück ohne Pause!!! Er verlangt, daß ich während meiner Mittagspause die Filiale wechsel! Wir sind alle hoffnungslos demotiviert.
Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich weiß nur, daß ich so schnell wie möglich raus möchte. Mein Problem: bei eigenständigen Kündigungen schreibt er Zeugnisse, die man keinem neuen Arbeitgeber vorlegen kann (Vorgängerinnen mussten schon mit Anwälten vorsprechen deswegen).
Wir planen ja zur Zeit ein Kind, aber ich weiß ja nicht, wie lang das noch dauert und vor allem ist dieser Stress sicher nicht förderlich für eine Schwangerschaft. Wenn ich mir nen neuen Job suche, möchte ich auch nicht gleich nach zwei Monaten sagen müssen, daß ich bald nicht mehr da bin, weil ich schwanger bin.
Ach, Mist alles!!!
Vielleicht sollte ich mich einfach mal für ne Woche krank schreiben lassen, damit ich Abstand bekomme. Keine Ahnung
Danke fürs Zuhören!
Fragaria
trauri
Ein offenes Auge findest du hier immer, nur leider weiß ich auch nicht wirklich viel zu sagen... es ist wirklich eine schwierige Situation... vornweg muss ich sagen, dass ich in dieser Hinsicht, also auch mit Arbeitsrecht usw. keine Erfahrung habe, weshalb ich dir da auch keine "echten" Ratschläge geben kann. Aber das mit der Woche Auszeit nehmen ist denke ich eine gute Idee, einmal um Abstand zu bekommen und zum anderen um dich einwenig umzuhorchen, was du für Möglichkeiten hast (also auch notfalls rechtlich gesehen, wenn du dich dann doch entschließt zu kündigen). Insgesamt ist es meiner Ansicht nach besser eher früher als später zu handeln, denn so oder so wird noch einmal Stress auf dich zu kommen... Naiv würde ich behaupten, dass du, oder noch viel besser, ihr (wie stehen eigentlich deine Arbeitskollegen in dieser Hinsicht zu dieser Sache?), auf ordentliche Arbeitszeiten bestehen und diese durchsetzen könnt, nur ändert sich der Mensch der hinter eurem Chef steckt nicht und ich kann mir gut vorstellen, dass er dadurch nicht unbedingt freundlicher oder rücksichtsvoller wird... der Stress würde dabei höchstwahrscheinlich auch weiterhin bleiben. Hättest du denn eigentlich eine andere Stelle in Sicht bzw. wie stehen denn in dieser Hinsicht deine Chancen? Und seit wann haben sich denn diese Vorfälle gehäuft? War er vorher nicht so oder ist dir das bis dahin noch nicht aufgefallen? Habt ihr das mal bei ihm angesprochen?
Also wie bereits angedeutet würde ich an deiner Stelle vermutlich u.a. auch entsprechende Beratungsstellen aufsuchen, mich bei deinem Kollegen umhören, also wer sich zwar beschwert es aber lieber hinnimmt als etwas zu riskieren und wer nicht, sowie akribisch Buch führen was ich wann gemacht habe (also Arbeitszeiten, irgendwelche übertriebene Forderungen, abgelehnte Fortbildung usw.), um notfalls mich auch rechtlich wehren zu können (auch wenn es vermutlich nie soweit kommen wird, schaden tut es auf keinen Fall). Allerdings hab ich gut reden, da ich noch nie in so einer Situation steckte....
Thylia
Hallo Fragaria,
zumindest was die Pausenregelung bei Euch angeht, verstösst Euer Chef gegen eindeutige arbeitsrechtliche Vorschriften.
| Zitat: |
Zitat von Arbeitsrecht.de:
Gem. § 4 ArbZG ist bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs und bis zu neun Stunden eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten, die in zwei Pausen zu je 15 Minuten aufgeteilt werden kann, zwingend vorgeschrieben. Bei einer Arbeitszeit von über neun Stunden beträgt die Gesamtpausenzeit mindestens 45 Minuten.
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Ich weiß nicht, in welcher Branche Du arbeitest, aber ich lese aus Deinem Beitrag, dass es einen Tarifvertrag gibt. Wenn ich richtig informiert bin, gibt es in diesen Verträgen auch Regelungen in Bezug auf Arbeits-/Pausenzeiten.
Dass der Chef nichts über Tarif bezahlt, ist zwar "trotz gut laufendem Betrieb" nicht sehr nett, aber sein gutes Recht - dagegen wirst Du Dich nicht wehren können. Ebenso muss man bei manchen Vorgesetzten einfach damit leben können, dass man für gute Leistungen kein Lob, keinen Bonus und nicht mal einen warmen Händedruck bekommt. Das kennt wohl jeder, der arbeitet.
Als Arbeitgeber ist er verpflichtet, Dir ein Zeugnis zu schreiben, dass Dich in Deiner beruflichen Entwicklung nicht bremst. Er muss keine Leistungen bescheinigen, die Du nicht erbracht hast, soweit ich weiß, darf er aber mit dem Zeugnis auch nicht schaden. Im Zweifel ist ein Besuch beim Anwalt immer ratsam.
Gib uns bitte noch ein paar mehr Infos, wie gesagt. Welche Branche? Welcher Tarifvertrag gilt? Habt ihr einen Betriebsrat?
Einen weiteren Tipp bekommst Du per PN.
Thylia
Fragaria
Hallo und vielen Dank für eure Beiträge,
ich arbeite in einer Apotheker als angestellte Apothekerin. Es gilt der aktuelle Tarifvertrag für Apothekenmitarbeiter und es gibt keinen Betriebsrat. Alle meine Arbeitskollegen sind ständig am fluchen über den Chef. Jetzt könnte man ja sagen, daß es sinnvoll wäre, wenn alle zusammen mal hingehen und sich gemeinsam beschweren, aber das würde nichts bringen. Der Mann versteht es einfach nicht, daß man mit seinen Vorstellungen nicht übereinstimmt. Es sind schon vor mir einige gegangen, die ihm ins Gesicht gesagt haben warum und daß es an ihm liegt. Er ändert nichts. Aktuell hat eine Kollegin gekündigt, wegen ihm, auch das versteht er nicht. Er weiß genau, daß er Mist gebaut hat, aber ist nicht in der Lage sich zu entschuldigen.
Die Bezahlung wär mir egal, wenn man mit ihm vernünftig arbeiten könnte und er uns ansonsten, nicht so ausbeuten würde. Am härtesten trifft es mich, daß es keine regelmäßigen Arbeitspläne gibt. Wir bekommen den Plan immer erst so Mittwoch oder Donnerstag für die nächste Woche. Wie soll man da sein Privatleben planen? Hobbys? Wie denn, wenn ich ständig absagen muss. Wenn ich dann Termine reingebe, damit er sie berücksichtigt, macht er es einfach nicht und sagt kein Wort dazu. Das macht er nicht immer, aber daß es passiert finde ich schlimm genug. Ich muss manchmal dreimal beim Arzt anrufen, um den Termin zu ändern, weil mein Chef den Plan nicht hinbekommt. Was soll das? Ich bin mir ehrlich gesagt zu schade für so einen Kinderkram.
Deswegen werde ich mich weiter umsehen, aber zusehen, daß ich so schnell wie möglich schwanger werde. Das ist mir lieber als zu kündigen. Dann muss er sich ans Mutterschutzgesetz halten, was die Arbeitszeiten betrifft, und ich müsste den Kündigungsschutz haben.
Danke nochmal, es tut echt gut sich das mal von der Seele zu schreiben.
Noch vier Wochen, dann habe ich erst mal Urlaub!!!
Fragaria
Jim Morrison
Hmh deinen letzten Abschnitt meinst du hoffentlich nicht ganz ernst? Eine Schwangerschaft sollte durch den sehnlichen Wunsch nach einem Kind herbeigeführt werden und nicht durch den täglichen Alltagsfrust mit dem Chef.
Deine Situation kenne ich nur zu gut. Arbeite auch in einer kleinen Firma. Die Chefin ist Einzelkind reicher Eltern, hat die Firma übertragen bekommen, nachdem sie unter anderem als Zahnarzthelferin durch die Prüfungen gerasselt ist. Sie wohnt alleine in einem kleinen Schloß mit über 200 m² Wohnfläche oben am Berg in perfekter Aussichtslage. Natürlich macht sie immer alles richtig und jeder Fehler kommt durch dumme Mitarbeiter.
Selbst wenn sie ein Schriftstück aufsetzt, selber unterschreibt und dann Fehler drin sind, sind Mitarbeiter schuld, die haben sie sicher so abgelenkt... Entweder ändert man den Chef durch Teamwork der Mitarbeiter. Scheint bei dir wie bei mir nicht möglich zu sein. Dann braucht es Nehmerqualität, Geduld und vor allem die Fähigkeit total abzuschalten, sobald du das Geschäft verlässt.
Wenn dich der Chef noch nach Feierabend beschäftigt und du teils unruhig schläfst, weil er dich so aufregt, dann wirds es Zeit etwas dagegen zu tun. Ich hab gelernt, dass alles an mir abprallt. Alle wissen, wer bei uns die Fehler macht und Kritik einer inkompetenten Person mit einer gewissen Persönlichkeitsstörung, die interessiert mich nicht die Bohne. Meist antworte ich jaja in herablassendem Ton, sie regt sich auf und ich hab meine Ruhe. Und sobald ich draußen bin, ist alles vergessen.
Meine Schwester arbeitet im REWE Markt Schichten. Dort ist die Einteilung und die Wochenpläne auch völlig daneben. Der Chef ist endlos überfordert und manchmal waren drei an einer Position, wo zwei sein sollten, manchmal war meine Schwester alleine dort. Urlaub wie bei dir beschrieben und Pläne am Besten Samstags nach Feierabend so gegen 23 Uhr ausgeben.
Hier hab ich meine Schwester motiviert was zu unternehmen und die Mitarbeiter in dem Bereich haben sich zusammen gesetzt. So haben alle ihre Urlaubswunschtermine notiert und Tage, wo sie gern oder ungern arbeiten und ebenso die Zeiten. Mit ein wenig Durchblick ließ sich so ein vernünftiger Plan bereits für Wochen aufstellen. Tja der Chef war zwar zuerst sauer und überrascht, aber hat dann bemerkt, dass alles gut durchdacht war und einfach stimmig ist. Inzwischen plant das Team dort gemeinsam und der Chef segnet vor allem nur noch ab.
Vielleicht könnt ihr das bei euch auch mal ähnlich angehen?
Viel Erfolg dabei und noch ein letzter Tipp:
Arbeit nie zu nahe gehen lassen
Fragaria
Ich meine das todernst mit der Schwangerschaft! Muss aber dazu sagen, daß wir das nicht wegen der Arbeit wollen, sondern sowieso schon länger planen und ich auch schon etwas länger die Pille abgesetzt habe. Also alles im Grünen Bereich
Ich leg es jetzt halt nur mehr drauf an mit Ovulationstest und so. Warum nicht?
Ich bin auch schon seit einiger Zeit am überlegen, ob ich die Arbeitspläne nicht selber schreibe. Unser Chef ist damit meiner Meinung nach auch total überfordert. Aber das ist echt kompliziert. Vielleicht mache ich mir mal in meinem nächsten Nachtdienst Gedanken darüber und arbeite mal was aus. Vielleicht wirds dann etwas besser, wenn er sich drauf einlässt... naja, eigentlich denke ich, sollte ein Chef sowas hinbekommen.