[Frauen] Ich fühle mich in meiner Beziehung "überfordert"

saias
Hallo,

ich komme direkt zur Sache, weil mich das Thema seit mehreren Tagen sehr beschäftigt und ich Rat brauche, denke ich.

Ich bin 25 Jahre alt, meine Freundin ist 18. Wir sind seit etwas mehr als 2 Monaten zusammen und führen eine Fernbeziehung.

Davor war ich über 2 Jahre lang nach einer langen Fernbeziehung (meine erste Beziehung überhaupt) alleine.
In der Zeit gings mir mal so, mal so, aber ich habe alles verarbeitet.


Ich bin glücklich mit ihr und die Beziehung mit ihr übertrifft die vorherige in vielen Punkten bei weitem.

Sie schreibt mir viele SMS, ruft oft an, sagt mir ständig so liebe Sachen, wie ich sie noch nie gesagt bekommen habe.

Wir hatten schon sehr viele tolle Momente und wir liegen einfach auf einer Wellenlänge. Wir schmieden schon Pläne für unsere Zukunft. Ich mache ein jahr eine neue Schule (hab vor einigen Wochen angefangen) und möchte dann zu ihr ziehen.
Ich weiß, dass es sehr schnell geht, aber ich bin so sehr verliebt und ich möchte diese Frau!!

Warum bin ich nur glücklich und nicht sehr glücklich? Sicher gibt es auch wunderschöne Momente,aber ich fühle mich in letzter Zeit oft blockiert, ja manchmal sogar überfordert.

Manchmal fühlt es sich an, als könne ich keine neuen Details, Erlebnisse und ähnliches verarbeiten, weil das alte noch zu präsent und "unverarbeitet" ist.
Ich habe sie um Zeit zum Nachdenken und verarbeiten gebeten und sie hat sie mir zugesagt.
Vorhin kam dann aber eine SMS, in der sie sagte, dass das so nicht weitergehe. Ich merke, wie sie drunter leidet und das tut auch mir weh.


Ich weiß nicht wirklich, was ich tun kann. Kennt ihr das Gefühl?
Bitte, bitte schreibt eure Gedanken dazu und fragt ruhig, wenn ich was wissen wollt.

Ich bin wirklich so sehr in sie verliebt und will/darf/kann sie nicht verlieren!

Grüße,
saias
Tiffy
Hallo saias,

was du schreibst, kommt mir irgendwo bekannt vor.

"Ich weiß, dass es sehr schnell geht, aber ich bin so sehr verliebt und ich möchte diese Frau!!

Warum bin ich nur glücklich und nicht sehr glücklich? Sicher gibt es auch wunderschöne Momente,aber ich fühle mich in letzter Zeit oft blockiert, ja manchmal sogar überfordert."

Zwei Kommentare: Ja, es geht schnell. Grad am Anfang macht man oft den Fehler, Dinge zu übereilen. Besonders, wenn man den Partner für den "Traumpartner" hält.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Beziehungen, in denen etwas weniger Gefühle sind, stabiler sind - nur als Meinung am Rande.

Mein Ex-Samson hat sich am Anfang der Beziehung sehr ins Zeug gelegt, sehr viel "Gegeben", was ich am Anfang eigentlich nicht wollte. Und dann wurde es ihm nach und nach zuviel. Überschäumenden Gefühle wichen nach und nach dem Gefühl von Überforderung. Letztlich wurde aus Liebe eher Gleichgültigkeit, weil er nicht anders damit umzugehen wusste. Zumindest seh ich das so.

Gerade die anfängliche Euphorie ist vielleicht gefährlich. Auch deine Gedanken "Ich bin wirklich so sehr in sie verliebt und will/darf/kann sie nicht verlieren!" sind vermutlich eher kontraproduktiv.

Wenn Sie drunter leidet: Kannst du ihr nicht sagen, dass es nichts mit deinen Gefühlen für sie zu tun hat? Ich kann sie natürlich verstehen, mir ging es ja ähnlich.

Aber dich verstehe ich, wie gesagt, auch. Einerseits, weil ich ja den "Samson" hatte, andererseits, weil auch ich das Gefühl des "überfordertseins" in Beziehungen kenne. Bevor ich diejenige wurde, die Samson überforderte, hat mich die Beziehung überfordert. Auch gerade in dem Stadium des ersten Verliebtseins. Mein Samson hat mich mit Komplimenten zugeschüttet, mich quasi "dauerbeschallt" und ich wusste nicht, ob ich mich wirklich drauf einlassen kann. Als er mir, obwohl ich es mir als Wort verboten hatte, sagte "Ich liebe dich", fing ich dann quasi an zu hyperventilieren....

Vielleicht kannst du nochmal versuchen zu beschreiben, wo genau die Überforderung liegt. Zuviel Glück? Zuviel vom PArtner? Zuviel Erwartungen?

LG Tiffy
saias
Hallo Tiffy,

vielen Dank für deinen Beitrag und die teils berechtigten kritischen Äußerungen smile

Ich halte mich nicht für einen Beziehungsprofi, Frauenversteher oder ähnliches. Dennoch spüre ich, dass es bei dieser Frau anders ist als bei vorherigen Bekanntschaften oder meiner ersten Beziehung.

Vieles ist einfach viel stärker, schöner oder ganz neu für mich.
Deswegen denken wir auch schon über die Zukunft nach. Auch auf eine Art und Weise konkret, aber nicht überhastet oder dass wir schon am Planen sind. Ich denke, das würde ich auch bremsen, weil es mir zu schnell gehen würde.

Beziehungen mit weniger Gefühlen stabiler? hm gewagte These, aber ich lasse sie mir gerne erklären. Meinst du eher auf einer freundschaftlichen Ebene?
Ansonsten würde ich sagen, dass zwischen dem ersten Verliebtsein und Liebe große Unterschiede auch im Verhalten miteinander liegen und sich einiges einspielt. Meinst du sowas in der Art oder wirklich weniger Gefühle?


In meiner Beziehung ist es auch so, dass ich viel gebe, weil ich das für richtig halte. Vielleicht kann ich mich deswegen gut mit deinem Beitrag identifizieren.
Wobei man klären müsste, wie das genau ausschaut. Ich zum Beispiel versuche meiner Freundin zu helfen, wo es nur geht. Ich höre ihr zu, mache was im Haushalt, wenn ich da bin und versuche alles zu tun, damit es ihr gut geht und sie glücklich ist.
Als sie letztes Wochenende kam, war schon komplett eingekauft und das Essen, welches sie sich gewünscht hat, stand auf dem Tisch.
In der Art versuche ich viel zu tun.

Damit fühle ich mich nicht überfordert, weil ich es einfach sein lassen könnte. Sie würde mit mir zusammen einkaufen und kochen. Das wäre kein Problem.


<Gerade die anfängliche Euphorie ist vielleicht gefährlich. Auch deine Gedanken "Ich bin wirklich so sehr in sie verliebt und will/darf/kann sie nicht verlieren!" sind vermutlich eher kontraproduktiv.>

Da könnte eher was dran sein. ich setze mich ja damit auch unter Druck.
Das merke ich (und sie auch) daran, dass ich nichts falsch machen will. Umso krampfhafter ich es versuche, umso mehr mache ich natürlich falsch.


Das mit der "Dauerbeschallung" kenne ich. Ich würde es nicht so nennen, weil es so negativ klingt. Ich finde es sehr lieb von ihr und ich freue mich auch meistens drüber, aber nach über 2 Jahren ohne solche lieben Worte ist es vielleicht am Anfang etwas viel für mich.
Dann habe ich leider nicht immer den Kopf, darauf angemessen zu reagieren und das hat sie gemerkt.

Dass meine Gefühle zu ihr sich nicht geändert haben, habe ich ihr heute am Telefon klar gemacht und sie hat es wohl auch verstanden, wie ich es meine.


<Vielleicht kannst du nochmal versuchen zu beschreiben, wo genau die Überforderung liegt. Zuviel Glück? Zuviel vom PArtner? Zuviel Erwartungen?>

Vielleicht von allem etwas. Das Glück kam so plötzlich nach einigen gescheiterten Bekanntschaften, dass ich es manchmal immer noch nicht fassen kann.
Wie oben schon beschrieben überfordert mich manchmal auch diese Menge an lieben Worten und Gesten.
Vielleicht brauche ich einfach ein wenig Zeit, um mich wieder daran zu gewöhnen.
Meine Erwartungen werden voll und ganz erfüllt. Nur die ich an mich stelle kann ich nicht erfüllen..

Danke fürs antworten und lesen nochmal smile

Grüße
Tiffy
Hallo saias,

ich nehm einfach mal wieder Bezug auf die Dinge, die mich kritisch werden lassen. Nicht, weil ich dich nicht verstehe, sondern weil ich hoffe, dass es dir weiterhilft. Also nicht böse sein, wenn ich mal was "hinterfrage".


"Dennoch spüre ich, dass es bei dieser Frau anders ist als bei vorherigen Bekanntschaften oder meiner ersten Beziehung.

Vieles ist einfach viel stärker, schöner oder ganz neu für mich."

-> Genau das Gefühl kenne ich auch. Im letzten Jahr dachte ich: "Oh mein Gott. Er ist so anders. Warum habe ich so lange "Halbe Sachen" gehabt. Er hat mich umgehauen mir seiner Art. Hat mir das Gefühl gegeben, dass ich angekommen bin. Er hat wohl das Gleiche gefühlt am Anfang.

Auch ich gebe viel in einer Beziehung. Generell ist es so, dass ich ein sehr freigieibiger Mensch bin. Meine Freunde können alles von mir haben, mein Partner, mit dem ich mir die Zukunft vorstelle erst recht. Sei es meine Zeit oder mein Geld im Sinne von: Ich bekoch die Meute. Umgekehrt bekomme ich auch von diesen Freunden sehr viel zurück. Meinen Freunden zeige und sage ich, was sie mir bedeuten. Ich liebe sie, und das sollen sie wissen und spüren. Umarmungen gehören dazu, auch mal ne Massage. Und andersherum genieße auch ich, wenn ich meinen Kopf beim Fernsehen anlehnen kann etc....

Fakt ist: Selbst meine Affären sagen mir, sie hätten sich bei mir sehr wohl gefühlt. Ich hatte zwei Affären, bevor ich meinen Ex traf. Die waren, so meine ich, stabiler als meine Beziehung. Vielleicht waren es auch schon Beziehungen abr ich habe mich nie emotional eingebracht. Den einen hab ich eigentlich täglich gesehen, wir haben gemeinsam gekocht, ich hab bei ihm geschlafen. Es war eigentlich ne Beziehung ohen Gefühle. Ich hab von ihm nichts erwartet, ich habe keine Gefühle investiert, wir sind einfach gut im Alltag miteinander ausgekommen.

Er hat akzeptiert, dass ich ihn nicht liebe und wir hatten drei nette Monate ohne Streit, Verpflichtung und Erwartung.

In dem Moment aber, in dem ich mir wirklich Emotionen zugestehe, wird das ganze "brisanter". Ich gebe nicht nur mechanisch Zärtlichkeit und das Maß an Fürsorglichkeit und liebevoller Zuwendung, das ich für jeden meiner Freunde habe. Ich gebe wirklich einen Teil von mir - möchte geliebt und verstanden werden. Und da fängt es an schwierig zu werden. Je mehr man für den anderen empfindet, desto mehr Angst udn Panik kommen hinzu. Der andere soll einen unbedingt verstehen und lieben, und man will den anderen unbedingt glücklich machen. ISt der andere unglücklich, sucht man bei sich etc.

So zumindest sieht es bei mir aus. Ich hab mein Herz zweimal wirklich an jemanden gehängt und mich auf eine Beziehung eingelassen. Es war jedesmal für mich mit viel emotionalem Stress verbunden und - so blöd das jetzt klingen mag - ich möchte erst einmal die überbordenden Gefühle nicht mehr. Ich bin ganz zufrieden in meinem Schneckenhaus, in dem ich bin. Bis ich da wieder rauskomm, wird wohl ein wenig Zeit vergehen. Ich möchte wieder lieben, ja. Aber nie wieder so stark.

"Nur die ich an mich stelle kann ich nicht erfüllen.."

Ja, die Erwartungen Ich glaube, ich habe oben schon etwas dazu geschrieben. Dir zu raten, das ganze lockerer zu sehen, ist Quatsch. Wobei es genau das ist, was man tun sollte.

Ich weiß, dass es schwer ist. Vielleicht auch, weil du nach 2 JAhren ohne Zärtlichkeit auch danach dürstest, wieder zu fühlen. Ich hab manchmal das Gefühl, bei meinem Samson war es so. Er hatte einige kurze Enttäuschungen hinter sich, und da war plötzlich ich. Ein Mädel, das aus lieben Gesten quais zusammengesetzt ist. Ich weiß nicht, wie ich das anders beschreiben soll, aber ich bin halt so nett, wenn mir Menschen sympathisch sind, dass es auch manchmal sofort mit "Interesse" gleichgesetzt wird. Ich denke, er hat das damals auch gebraucht, weil er ne krasse Ablehnung zuvor erfahren hatte.

Irgendwann war aber sein Bedürfnis nach "Zuneigung" befriedigt, wobei es bei mir eigentlich eine Konstante in meinem Leben ist. DAS war die eigentliche Enttäuschung bei mir. Es ging wirklich rasant abwärts mit seinem Interesse. Es war, als ob er an mir seinen Durst gestillt hätte, um dann weiterzuziehen. Für beide schwer, da er ja geglaubt hatte, mich zu lieben.

Hmm...
Schwer zu beschreiben alles. Hoffe, du verstehst, was ich meine.

LG Tiffy