Zauberwort Multimedia

Aussenseiter
Um UMTS ist es ruhiger geworden. Für die Endgeräte-Hersteller ist nicht mehr die Frage nach der Übertragungstechnik die brennendste, sondern die nach den Erwartungen des Kunden an das neue Handy.
Telefonieren war gestern - Multimedia ist heute. Diese Marschrichtung für den Mobilfunk hat zum Auftakt der Cebit 2003 Anssi Vanjoki, Vizepräsident von Nokia Mobiles, ausgegeben. "Wir haben das Zeitalter der stimm-basierten Übermittlung hinter uns gelassen", verkündete er. Die Präsentation seines Unternehmens und anderer Endgeräte-Hersteller bestätigten ihn. Spiele, Musik, Organizer, mobiles Internet: All` das gibt`s auch per Handy. Bei Rudi Lamprecht, dem Chef des Siemens-Mobilfunkbereiches ICM, hört sich das so an: "Telefonieren kann man mit diesem Gerät übrigens auch", war sein Kommentar zur Vorstellung der Siemens-Neuigkeiten.

Darum hält sich in diesem Jahr auch die UMTS-Aufregung in Grenzen. Zwar verkündet Nokia noch voller Stolz, einige 1000 Modelle ihres UMTS-Handys 6650 für Praxistests an die Netzbetreiber ausgeliefert zu haben; und auch Siemens versäumt nicht, auf die UMTS-Fähigkeit ihres ebenfalls zu Testzwecken bereits verfügbaren Produktes U 10 hinzuweisen - doch viel wichtiger ist eine Kamera, ein brillantes Display oder ein intelligenter Terminplaner.

Ohnehin steht nicht mehr so sehr im Mittelpunkt, mit welcher Technik ein Gerät glänzt. Viel ernster nehmen die Hersteller, was der Kunde mit dem Handy machen will. Beispiel: Zielgruppe Jugendliche. "Sie haben etwas, was sie alle verbindet", sagt Vanjoki, "die Musik." Die hätten die jungen Leute in einem rasanten Tempo per Walkman & Co tragbar gemacht. Also hat Nokia die Musik aufs tragbare Handy gebracht. 3300 heißt das kleine Klangwunder, das ab dem zweiten Quartal 2003 vor allem junge Käufer ansprechen soll.

Sicherlich hat die neue Nutzen-Strategie auch handfeste eigennützige Motive - schließlich haben Netzbetreiber und Endgerätehersteller lernen müssen, dass die dritte Mobilfunk-Generation sie vor größere Herausforderungen stellt als gedacht, und dass viele in der UMTS-Euphorie den Mund zu voll genommen haben. Doch zur Zeit dient das dem Konsumenten: Wenn Anbieter nicht mit den Attributen "schneller" oder "mehr" punkten können, müssen sie mehr auf überzeugenden Zusatznutzen setzen.

Zum Beispiel auf die Kamera. Ob integriert oder als Aufsatz - mittlerweile ist sie fast ein Muss fürs Handy. "2003 wird das Jahr, in dem Imaging (Schießen und Versenden von Fotos per Handy) zum Massenmarkt wird", prognostiziert Nokia-Experte Vanjoki. Drei Kamera-bestückte Geräte hatten die Finnen im Angebot, zur Cebit stellten sie das vierte vor: 6620 der Name, zu haben ab dem dritten Quartal. Den Zwang zur Kamera kennt auch Siemens, allerdings setzen die Münchner eher auf die Aufsteck-Lösung. Integriert ist sie im Neuling SX 1, der noch in der ersten Hälfte 2003 auf den Markt kommen soll, und im UMTS-Flagschiff U 10.

Besser soll's der Handy-Besitzer auch bei Texten haben: Die 160-Zeilen-SMS reicht nicht mehr, E-Mail muss her. Technisch kein Problem, künftig auch komfortabler möglich: Das Schreiben wird leichter, die Tastaturen werden größer und einfacher zu bedienen. Was nicht heißt, dass das Handy größer wird: Die Tasten verschwinden im Gehäuse wie bei Siemens` "Sliderphone" SL55 oder werden ausgeklappt wie bei Nokia.

Quelle: RP-online
almac
Vor zwei Jahren drüber gesprochen, jetzt ist es ein normales Bild!